Dickes Kind - Was tun?

Dicke Kinder leiden nicht nur körperlich. Sie werden gehänselt und von ihrer Umgebung nicht ernst genommen. Wie könnt ihr sie unterstützen?

Zuerst die Zahlen: Laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts ist jedes siebte Kind im Alter von drei bis siebzehn Jahren übergewichtig, von Fettleibigkeit sind 5,9 Prozent betroffen. Das bedeutet auch, dass jedes siebte Kind in der Schule von den Mitschülern wegen seines Gewichts gehänselt wird. Auch Lehrer spielen oft eine unschöne Rolle. Eine Studie des Berliner Wissenschaftszentrum für Sozialforschung fand heraus, dass fettleibige Kinder seltener gute Mathenoten haben. Besonders Mädchen seien betroffen. Sie werden mehr gehänselt, ihr Selbstwertgefühl wird geringer, Verhaltensprobleme treten auf und die Noten gehen in den Keller. Betroffene erzählen, wie Lehrer sie demütigten und ihre Schulleistungen darunter litten. Einige Lehrer würden auch dicken Kinder nicht viel zutrauen und ihnen schlechtere Noten geben.

Dickes Kind - was tun?

Bewegungsmangel, zuckerige Nahrungsmittel und manchmal auch die Gene sorgen dafür, dass Kinder übergewichtig werden.


Dickes Kind - die Ursachen

Wenn dein Kind übergewichtig ist oder adipös, also fettleibig, hat das verschiedene Gründe. Genetik, die soziale Umwelt und Erziehungsverhalten können allesamt bestimmen, dass deine Tochter oder dein Sohn dicker ist als andere. Unsere Gene spielen eine Rolle, ob wir gute Futterverwerter sind oder nicht, was schon frustrierend ist. Es gibt Menschen, die können essen, was sie wollen, und sie nehmen nicht zu. Dann gibt es welche, die essen dieselbe Menge wie ihre normalgewichtigen Zeitgenossen und haben gleich ein paar Pfund mehr auf der Waage! Hat sich das Übergewicht erst einmal verfestigt, sorgt dann auch noch das Zwischenhirn, das den Stoffwechsel reguliert, dafür, dass das Übergewicht gehalten wird, denn das erscheint dem Körper dann als Norm. Abnehmen wird dadurch nicht leichter.

Einfacher wird es auch nicht durch den Bewegungsmangel, den die meisten von uns praktizieren. Wir sitzen. Auch die Kinder. Und da können dann die Kalorien gar nicht so schnell verbrannt werden, wie sie sollten. Die meisten Kinder werden zur Schule gebracht, weil es den Eltern sicherer erscheint. Früher spielte man auf der Straße, diesen Luxus haben die meisten nicht mehr. Mit wem sollen sie auch spielen - viele ihrer Freunde wohnen eben nicht nebenan. Das Freizeitverhalten hat sich sehr verändert, denn vor dem Fernseher, Computer oder Tablet bewegt man sich nicht unbedingt. Dazu schlafen viele Kinder weniger als früher und sind dann zu müde, um sich zu bewegen.

Viele der bei Kindern beliebten Nahrungsmittel fördern dank des hohen Zuckergehalts Übergewicht, seien es beliebte Softdrinks oder Fast Food. Nicht zu unterschätzen sind auch die größeren Portionen, die wir essen.

Damit haben wir die genetischen und sozialen Faktoren abgehandelt, aber eine der Hauptursachen ist gelerntes Essverhalten. Viele von uns haben kein normales Verhältnis zum Essen. Es wird häufig als Belohnung oder Bestrafung gesehen. Wenn wir gestresst sind, greifen viele von uns zur Schokolade, Kuchen oder was immer wir unter den Nahrungsmitteln als Belohnung auserkoren haben. Kinder passen da genau auf und wir denken uns ja nichts dabei, wenn wir als Trost für ein kaputtes Knie eine Tüte Gummibären geben. Und so lernt der Nachwuchs, dass Essen trösten kann. Wir sind Vorbilder.

Dickes Kind - was tun?

Wir alle möchten glückliche und selbstbewusste Kinder. Wenn unser Kind zu dick ist und deswegen gehänselt wird, schmerzt das. Aber wie können wir unterstützen und es nicht noch furchtbarer machen, indem wir unserem Nachwuchs noch einen schlimmeren Komplex einreden? Denn das passiert schnell. Von Diäten sollte man schnell die Finger lassen, denn sie haben selten Erfolg und führen noch zu größerem Frust, wenn man sie nicht einhält. Auch blöde Sprüche führen dazu, dass dein Kind immer mehr an Selbstwertgefühl verliert und ein gestörtes Verhältnis zum Essen entwickelt. Oft ist es ja nicht bös gemeint, aber es verletzt trotzdem. Dein Kind sollte sich geliebt und akzeptiert fühlen.  Es geht vor allem darum,  ihm ein gutes Körpergefühl zu geben. Aktivitäten, die Spaß machen. Zum Beispiel Schwimmen, aber dieser Sport hat den Nachteil, in Badeanzügen und Badeshorts ziemlich viel von seinem Körper zu zeigen. Dafür solltest du Verständnis zeigen, aber auch behutsam den Spaß beim Schwimmen vermitteln.

Keine Frage, die Anfänge werden schwer sein, auf lieb gewonnene Gewohnheiten zu verzichten. Vielleicht könnt ihr gemeinsam kochen und neue Nahrungsmittel entdecken, die gut schmecken. Gemeinsam geht sowieso alles leichter. Es bringt wenig, vom eigenen Kind zu verlangen, sich mehr zu bewegen, wenn man selbst eine Couchpotato ist. Oder wenn man bittet, nicht zu viel Schokolade oder Fritten zu essen, wenn man selbst genüsslich reinhaut. Am Ende sollte dabei herauskommen, dass alle ein besseres Verständnis für ihren Körper haben und ihn akzeptieren - auch wenn er nicht gertenschlank ist.

Realistische Ziele setzen, Verhalten ändern - erkennen, dass es jetzt die Stress-Schoki ist, die du da hineinstopfst und es andere Methoden gibt, wie man mit Stress umgehen kann. Das muss jetzt aber auch nicht das totale Schokolade- oder Chipsverbot bedeuten. Therapien wie Obeldicks möchten übergewichtigen Jugendlichen mehr Selbstbewusstsein geben - hier steht Gewichtsverlust überhaupt nicht im Vordergrund. Und das ist wahrscheinlich auch der beste Ansatz. Wenn die Kinder mehr Selbstbewusstsein bekommen, wenn sie Spaß an der Bewegung, Spaß am Kochen haben, bringt ihnen das viel mehr als ein gezieltes Abnehmen von zwei Kilos.

Wenn du dir es nicht allein zutraust - schau, ob deine Krankenkasse ein passendes Programm anbietet, das zu deinem Kind passt. Hab ein offenes Ohr und unterstütze es, so gut du es kannst. Wenn die Außenwelt schon voll mit Hänseleien und Demütigungen ist, sollte die Familie ein Ort der Unterstützung und Liebe sein.

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