Grundschulempfehlungen oft falsch

Ob Ihr Kind für das Gymnasium geeignet ist, entscheiden in einigen Bundesländern immer noch ausschließlich die Lehrer. Das kritisieren Bildungsexperten vehement: eine Schulnote können nie völlig objektiv zustande kommen. Außerdem erweisen sich viele Grundschulempfehlungen später als falsch.


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Das mit den Noten ist aber so eine Sache: Seit es sie gibt, sind sie unter Pädagogen umstritten. Zum einen motivieren sie Schüler zwar zu großen Anstrengungen – gleichzeitig entmutigen sie Kinder, deren Noten vergleichsweise schlecht ausfallen.

Außerdem kann eine Note niemals völlig objektiv zustande kommen, weswegen Bildungsforscher kritisieren, dass sich Grundschulempfehlungen später häufig als falsch erweisen. „Die Übergangsempfehlung soll die Bildungsfähigkeit eines Kindes vorhersagen. Aber weder Lehrer noch Wissenschaftler sind Hellseher“, sagt Rainer Block von der Universität Mainz. Lehrer könnten – im Gegensatz zu den Eltern – nur ausgesuchte Leistungen der Schüler sehen und beurteilen. Er rät daher zu gemeinsamen Gesprächen, um das gesamte Leistungsspektrum eines Kindes besser einschätzen zu können.

Die Kinder geben sich in der vierten Klasse jedenfalls redlich Mühe: Stimmten in den ersten drei Grundschuljahren noch 46 Prozent der Kinder der Aussage zu, dass sie sich anstrengen müssten, um gute Leistungen zu erzielen, sind es in der vierten Klasse bereits 62 Prozent, so die Kinderweltenstudie.


Grundschulemnpfehlung
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    Widerspruchsrecht bei bindenden Empfehlungen

    Welche Schulart ist für ein Kind nach der Grundschule die optimale? In Bayern, Thüringen, Sachsen Brandenburg und Bremen beantworten die Lehrer diese Frage mit einer verbindlichen Grundschulempfehlung für Hauptschule/Realschule/Gymnasium – die Eltern können aber grundsätzlich Widerspruch einlegen.

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    Fundierte Entscheidungen nach der sechsten Klasse

    In allen anderen Bundesländern hat die Grundschulempfehlung keinen bindenden Charakter; die Schulverwaltungen appellieren aber an die Eltern, die Empfehlung bei der Wahl der weiterführenden Schule zu berücksichtigen. Einen anderen Weg gehen Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt: Am Ende der vierten Klasse dürfen die Eltern entscheiden, nach der sechsten dann die Lehrer.

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    Viele Entscheidungen erweisen sich später als falsch

    Die Grundschulempfehlungen basieren auf dem Notendurchschnitt, vorwiegend in den Fächer Deutsch, Mathematik und Sachkunde. Der erforderliche Durchschnitt für den Übertritt uafs Gymnasium ist aber je nach Bundesland verschieden. Kritiker sagen, dass sich im Nachhinein jede dritte Grundschulempfehlung als falsch herausstellt. Für sie ist das ein Argument gegen das dreigliedrige Schulsystem. Befürworter entgegnen, dass es später für begabte Schüler die Möglichkeit gibt, die Schulart zu wechseln.


Um den Kindern in dieser Umbruchphase Sicherheit zu geben, ist es hilfreich, mit ihnen die Informationstage der weiterführenden Schule zu besuchen. So können sie sich ein Bild vom Schulhof, den Klassenzimmern und den Angeboten machen. Das weckt Vorfreude auf die neue Schule, eventuelle Ängste werden abgebaut. Eltern sollten ihrem Sprössling auch versichern, dass die alten Grundschulfreundschaften auf jeden Fall weitergepflegt werden können – etwa durch Verabredungen am Nachmittag oder am Wochenende.