Hausarrest und Stubenarrest: Ist das noch zeitgemäß?

Die Aufgaben im Haushalt nicht erledigt, die kleine Schwester geärgert oder zu spät nach Hause gekommen – knapp ein Viertel der Eltern bestrafen solche Fehltritte auch heute noch mit Hausarrest. Sie auch?

Hausarrest: Noch zeitgemäß?

Schon wieder einen Hausarrest absitzen - und schon wieder nichts daraus gelernt?


Neulich berichteten wir auf Facebook von folgender Situation:

"Hausarrest, sowas gibt’s heute noch?" werden sich jetzt einige fragen. Und ja, 2011 ergab die Familienstudie der AOK, dass in etwa einem Viertel der FamilienHausarrest durchaus noch gängige Praxisist. Unter Hausarrest ist dabei ein Ausgeh-Verbot zu verstehen: Außer für die Schule und andere Pflichtveranstaltungen wird es dem Kind für einen bestimmten Zeitraum verboten, die Wohnung bzw. das Grundstück zu verlassen. Ist das rechtens? Und wie sinnvoll ist diese Art der Bestrafung heutzutage noch?

Hausarrest ist rechtlich fragwürdig

Seit dem Jahr 2000 ist das Gesetz zur Ächtung der Gewalt in der Erziehung im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) verankert. Demzufolge haben Kinder das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung. Was hat Gewalt mit Hausarrest zu tun? Nun ja, genau genommen könnte man darunter seelische Gewalt verstehen und diese ist dem Gesetz zufolge ebenso wie körperliche Bestrafungen oder andere entwürdigende Maßnahmen unzulässig (BGB § 1631 Abs. 2).
Das klingt jetzt ganz schön drastisch, zugegeben. Und wegen ein paar Tagen Ausgeh-Verbot würde Sie kein Richter hierzulande ernstlich verurteilen. Sobald aus dem Ausgeh-Verbot aber ein Stubenarrest mit abgesperrter Zimmertür wird oder wenn der Hausarrest unverhältnismäßig lang ausfällt und dem Kind jeglicher sozialer Kontakt vorenthalten wird, kann schon der Tatbestand der „Gewalt in der Erziehung“ erfüllt sein. Nicht umsonst ist „Dürfen meine Eltern mir Hausarrest geben?“ eine der häufigsten Fragen, die Heranwachsende zum Thema Erziehung in Internet-Foren stellen.

Experten halten Hausarrest für sinnlos

Zudem sind sich Experten sicher: Hausarrest ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Ein Großteil der Kinder zählt heute sowieso eher zu den Stubenhockern und ein paar Tage in der Wohnung zu verbringen stört sie wenig, im Gegenteil.
Experten empfehlen zudem: Bestrafungen sollten immer eine logische Konsequenz zum Fehlverhalten haben. Und das hat Hausarrest selten. Was soll das Kind lernen, wenn es seinen Sportbeutel im Bus vergisst und zur Strafe Hausarrest bekommt? Besser wäre es bei diesem Beispiel, wenn sich das Kind vorrangig selbst um das Wiederauffinden bzw. die Organisation neuer Sportsachen kümmern muss. Dann erkennt es den Zusammenhang zwischen: Ich habe etwas falsch gemacht und muss mich selbst darum kümmern, dass alles wieder in die richtigen Bahnen kommt. In Zukunft wird der kleine Schludrian bestimmt besser auf seine Sportsachen aufpassen. Was hätte er aus einem Hausarrest gelernt? Im Zweifel nur, dass sich Fehltritte irgendwie aussitzen lassen.
Deshalb wirkt Hausarrest meist wie eine hilflose Machtdemonstration der Eltern, unter der im Zweifel auch die Freunde oder Geschwister des betroffenen Kindes leiden müssen – etwa, wenn ein Ausflug wegen des Hausarrests abgesagt wird. Gerade Teenager reagieren zudem voller Trotz und Rebellion gegen diese „veraltete“ Erziehungsmaßnahme und schon ist neuer Stress und Streit im Verzug.

Wenn Hausarrest, dann richtig

Sollten Sie dennoch einen Hausarrest verhängen wollen, empfehlen wir, dass er wirklich die Ausnahme bleibt und nicht zur Standard-Bestrafung wird. Nur so behält er wenigstens noch den Abschreck-Faktor und wird nicht so schnell zum lästigen und wirklunsglosen Übel.
Begründen Sie gegenüber Ihrem Kind, warum Sie zu dieser Maßnahme greifen und legen Sie eine angemessene Länge des Arrests fest. Und ganz wichtig: Reden Sie darüber, wie es zum Fehltritt des Kindes kommen konnte – waren die Regeln vorher nicht klar oder gab es Missverständnisse? Haben Sie im Zweifel Verständnis! Und geben Sie Ihrem Kind vielleicht die Chance, den Hausarrest durch andere Maßnahmen (z.B. Hilfe im Haushalt) abzuschwächen.