IQB-Bildungstrend 2016: So steht es wirklich um unsere Grundschüler

Deutschlands Viertklässler sind in Mathematik, beim Zuhören und in der Rechtschreibung schlechter geworden. Das belegt der IQB-Bildungstrend 2016, der Mitte Oktober veröffentlicht wurde.

Bildungstrend 2016

Die veränderte Schülerschaft stellt Grundschulen vor große Herausforderungen.


13. Oktober 2017: Das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) an der Humboldt-Universität zu Berlin hat zum zweiten Mal untersucht, inwieweit Viertklässler die Bildungsstandards der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder der Bundesrepublik Deutschland (KMK) in den Fächern Deutsch und Mathematik erfüllen. Eine ähnliche Erhebung gab es bereits im Jahr 2011. Die Ergebnisse von vor fünf Jahren dienen nun als Vergleichsmöglichkeit zum IQB-Bildungstrend 2016 – und werfen ein schlechtes Bild auf die Entwicklungen der Bildungspolitik in Deutschland:

Kompetenzen in den Fächern Deutsch und Mathematik

Schülerinnen und Schüler der 4. Jahrgangsstufe in Deutschland an allen Schulartenmussten Testaufgaben aus den Fächern Deutsch und Mathematik lösen. Kernkompetenzen waren dabei in Deutsch Lesen, Zuhören und Orthografie und in Mathematik Zahlen und Operationen, Raum und Form, Muster und Strukturen, Größen und Messen, Daten, Häufigkeit und Wahrscheinlichkeit. Insgesamt haben 29.259 Viertklässlerinnen und Viertklässler an der Studie teilgenommen.
Hier finden Sie Beispielaufgaben der Studie.

Ein Trend nach unten

Der Anteil der Grundschüler, die die Regelstandards in Rechtschreibung erreichen oder übertreffen, ist im Vergleich zu den Ergebnissen vom Jahre 2011 um zehn Prozent gesunken. Auch beim Kompetenzbereich Zuhören gibt es einen Abwärtstrend von ungefähr fünf Prozent. Beim Kompetenzbereich Lesen sind die Leistungen ungefähr gleichgeblieben.
Wirft man einen genaueren Blick auf die Ergebnisse der Bundesländer, ist Hamburg das einzige Bundesland, das im Fach Deutsch deutlich bessere Ergebnisse erzielen konnte als im Jahr 2011. In Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt ist die Entwicklung am schlechtesten.
Auch im Fach Mathemtik ist das Qualifikationsniveau der Grundschüler von 2011 bis 2016 deutlich gesunken: Nur noch 62 Prozent der Viertklässler erreichen die Regelstandards. 2011 waren es noch 68 Prozent. Am schlechtesten schnitten die Länder Bremen, Berlin und Nordrhein-Westfalen ab.

Baden-Württemberg hinten, Bayern vorne

Besonders groß war der Leistungsabfall in Baden-Württemberg – im Fach Deutsch landeten die baden-württembergischen Schüler beispielsweise auf Platz 13, nachdem sie 2011 noch auf dem fünften Rang lagen. Auf den vorderen Plätzen landeten Bayern, das Saarland und Sachsen.
Mädchen schnitten in Deutsch besser ab, während Jungen in Mathematik bessere Ergebnisse erzielen konnten. Insgesamt schätzen Mädchen ihre mathematische Kompetenz niedriger ein als gleich kompetente Jungen.

Schere zwischen Arm und Reich macht sich bemerkbar

Die Ergebnisse der IQB-Bildungsstudie unterstreichen abermals ein altbekanntes Problem: Der Bildungserfolg ist immer noch vom sozialen Status abhängig. Es wird weiterhin zu wenig auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler eingegangen. Der Verband für Bildung und Erziehung macht die Politik für das schlechte Bildungsniveau verantwortlich. Hauptproblem sei, dass ein personelles Ungleichgewicht in den Schulen herrsche und Lehrkräfte nicht ausreichend aus- und weitergebildet werden. Dies trägt dazu bei, dass die Lehrerinnen und Lehrern Kinder nicht entsprechend ihrer Fähigkeiten fördern können.

Vor besondere Herausforderungen stellt die Schulen auch der gestiegene Anteil an Zuwandererkindern. Studienautorin Petra Stanat betont allerdings deutlich, dass der gestiegene Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund nicht gleichbedeutend mit schlechteren Leistungen sei. Denn die Trends gehen bei deutsch- und migrationsstämmigen Kindern in eine ähnliche Richtung. Hauptgrund für mögliche Probleme sei sowohl bei deutschstämmigen Kindern als auch bei Zuwandererkindern häufig die soziale Schlechterstellung.
Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz Susanne Eisenmann fasst zusammen „Seit 2011 haben sich die Bedingungen in den Schulen gewandelt. Insbesondere die zunehmend heterogen zusammengesetzte Schülerschaft stellt alle Länder und die Ländergemeinschaft vor große Herausforderungen. Die Ergebnisse der Studie zeigen einen bundesweiten Handlungsbedarf bei der Förderung in den Kernfächern Deutsch und Mathematik.“

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