Jungen in der Pubertät - Tipps für Eltern

Die Pubertät macht aus verspielten Jungs plötzlich wortkarge Zurückzieher oder kleine Machos. Wir geben Tipps, wie ihr gemeinsam gut durch die Pubertät kommt!

Jungen in der Pubertät

Äußerlich mimt euer Sohn in der Pubertät vielleicht den großen Rebellen, innerlich ist es für ihn aber eine Herausforderung mit allen körperlichen und seelischen Veränderungen klarzukommen.


Wenn Söhne sich vom Kind zum Mann entwickeln, erkennen viele Eltern sie nicht wieder. Der gefühlt nie endende Konfrontationswille oder aber die plötzlich sehr schüchterne und introvertierte Art bereiten Eltern große Sorgen: Was passiert da bloß mit unserem Sohn? Und wie gehen Eltern damit richtig um?

Vom Jungen zum Mann: Das passiert mit dem Körper während der Pubertät

Die Pubertät zeigt sich meistens zuerst auf körperlicher Ebene. Mit Beginn der Vorpubertät zwischen dem 10. und 13. Lebensjahr steigt die Produktion des Sexualhormons Testosteron im Körper sprunghaft an. Das ist der Startschuss für den körperlichen Umbau:

  • Stimme: Im Alter zwischen 11 und 16 Jahren beginnen die Stimmbänder zu wachsen und der Stimmbruch setzt ein. Jetzt bricht die Stimme manchmal weg, es quietscht und krächzt. Nach einem halben Jahr etwa ist der schlimmste Spuk vorbei und  euer Sohn hat eine tiefe, männliche Stimme.
  • Körperbehaarung: Unter den Armen, auf der Brust und im Intimbereich wachsen Jungs erste Haare. Auch der Bartwuchs setzt langsam ein.
  • Veränderung der Geschlechtsteile: Penis und Hoden fangen an zu wachsen, zum ersten Mal werden Spermien produziert.
  • Wachstum: Zwischen dem 13. und 17. Lebensjahr schießt der Körper meist in die Höhe und wird muskulöser. Bis zum Ende der Pubertät verdoppeln sich Muskel- und Knochenmasse.
  • Haut: Durch den Testosteron-Überschuss im Körper können Hautunreinheiten und Akne auftreten. Tipps bei Akne findest du hier.
  • Gehirn: Zellen und Verbindungen ändern sich während der Pubertät und kognitive Fähigkeiten prägen sich  weiter aus. Dadurch kann es manchmal zu Verwirrung kommen. Auch die Steuerung des Schlafrhythmus ändert sich, weshalb euer Sohn abends oft noch lange wach und fit ist, morgens dafür absolut nicht aus dem Bett kommt. Genügend Schlaf ist in dieser Zeit aber sehr wichtig für die Entwicklung des Gehirns, deshalb muss langes Ausschlafen am Wochenende nach einer anstrengenden Schulwoche einfach sein.

Pubertierende Jungs: Zwischen Selbstständigkeit und Geborgenheit

Bei den vielen körperlichen Veränderungen und der wilden Hormonachterbahn ist es nur logisch, dass auch das Innenleben deines Sohns  verrückt spielt. Äußerlich mimt euer Sohn vielleicht den großen Rebellen, innerlich ist es für ihn aber eine Herausforderung mit allen körperlichen und seelischen Veränderungen klarzukommen. Gegenüber den Eltern beginnt jetzt die große Trotzphase, ein schwieriger Balanceakt zwischen Ablösung und dem Wunsch nach Geborgenheit, zwischen Selbstständigkeit und dem Bedürfnis nach Liebe und Anerkennung. Die Pubertät ist zudem ein steter Kampf gegen sich selbst, manche werden dabei zu Einzelgängern, andere suchen den Kick in der Rebellion. Die allgemeine Verwirrung und das Gefühlschaos gipfeln in bisher ungekannten Fragen wie “Wer bin ich?”, „Bin ich normal?“ oder „Wie stehe ich in der Gruppe?“

Daher experimentieren Jungs mit den Rollenbildern. Sie leben Extreme und suchen so nach ihrer Identität. Diese Suche funktioniert am besten durch Reibung und Abgrenzung. Um eigenständig zu sein und sich selbst zu finden, kapseln sich viele Jugendliche vom Elternhaus ab, dafür sind Freunde und erste Liebesbeziehungen jetzt die wichtigsten Sozialkontakte. Jugendliche möchten in der Pubertät zeigen, dass sie individuelle Persönlichkeiten sind und nicht einfach die Nachkommen ihrer Eltern. Deshalb wird jetzt vieles, was ihr macht, als megapeinlich abgestempelt. Keine Panik – das legt sich am Ende der Pubertät wieder.

Durch die Veränderungen im Gehirn fangen Teenager in der Pubertät auch an, Selbstreflexion zu erlernen. Haben sie früher ganz unbekümmert alles gesagt und gemacht, wonach ihnen der Sinn stand, so wird jetzt über das eigene Verhalten und das der anderen extrem viel nachgedacht. Durch diese permanente Reflexion gehen Jugendliche oft davon aus, dass auch andere  über ihr Verhalten nachdenken und sie so ständig bewertet werden. Das kann einen enormen Druck erzeugen.

Jungen in der Pubertät: Wie Eltern mit der Situation umgehen können

Auch wenn es nicht immer leicht ist, mit eurem Sohn umzugehen: Gebt nicht auf! Mit der Haltung „Das Kind macht ja sowieso, was es will“ kommt ihr  nicht weit. Denn damit signalisiert ihr ihm, dass er euch egal ist. Eure Aufgabe besteht jetzt darin, eurem Sohn Schutz und Geborgenheit zu bieten, auch wenn er euch vielleicht oft seine Ablehnung zeigt.

Macht deutlich, dass ihr immer gesprächsbereit seid. Damit zeigt ihr ihm, dass ihr seine Ängste, Nöte und Sorgen ernst nimmst und ihn als jungen Erwachsenen akzeptiert. Durch Geschlechterbilder, die sich in unserer Gesellschaft nach wie vor hartnäckig halten, kriegen Jungs z. B. in der Schule, im TV oder in sozialen Medien Männlichkeitsbilder vermittelt, die ihm signalisieren, dass Männer keine Schwäche zeigen, ihre Emotionen nicht ausleben und nicht über Gefühle sprechen dürfen. Ihr solltet ihm von klein auf Gegenteiliges vermitteln. Jeder Mensch darf weinen! Wie sonst soll man dem ganzen Gefühlschaos während der Pubertät Luft machen? Generell solltet ihr ihm aufzeigen, dass es nicht das eine Männerbild gibt, laut dem Männer stark und muskulös sein müssen, Fußball schauen und Biertrinken. Tatsächlich ist in Film und Fernsehen das bis  heute noch eine dominierende Sichtweise. Macht deutlich, dass Interessen nicht geschlechtsgebunden sind.

Regeln müssen sein

Kinder, die gerade erwachsen werden, brauchen einen festen Orientierungsrahmen. Regeln und Grenzen bieten diesen Rahmen. Daher sollten auch einmal aufgestellte Regeln und Konsequenzen nicht einfach über den Haufen geworfen werden. Achtet aber darauf, diese durch sachliche Argumente zu untermauern und bleibe kompromissbereit. Grenzen müssen flexibel bleiben und bei Bedarf in einem Gespräch neu verhandelt werden können.

Finde eine vernünftige Balance

Nicht nur für euren Sohn ist diese Lebensphase ein schwieriger Drahtseilakt. Auch für euch als Eltern gilt es, eine gute Balance zwischen Festhalten und Loslassen, zwischen Kontrolle und Vertrauen zu finden. So sind die ewigen Diskussionen um Ausgehzeiten eine gute Möglichkeit, eurem Sohn Vertrauen zu beweisen. Hat er sich in Situationen bewährt und Vernunft gezeigt, darf er auch später nach Hause kommen. Mit Freiräumen zeigt ihr eurem Sohn auch, dass ihr ihn nicht kontrollieren wollt. Beobachtet einfach, was passiert. Ihr werdet sehen, euer Sohn wächst mit seiner Verantwortung.

Bleibt stets konstruktiv

Bei der kleinsten Kritik geht euer Sohn in die Luft wie eine Rakete. Denn während der Pubertät begreift er jede noch so kleine Kritik als persönliches Versagen und sie löst in ihm ein Gefühl des Scheiterns aus. Dennoch ist ein familiäres Zusammenleben ohne Kritik kaum möglich. Bleibt immer konstruktiv und vermeidet moralisierende Vorträge. Verwendet „Ich“-Botschaften wie „Ich mache mir Sorgen, wenn…“ und lasst euren Sohn zu Wort kommen. Aber bleibe dabei, Kritik zu üben, auch wenn es anstrengend ist. Mit euren Anmerkungen helft ihr ihm, sich selbst besser einzuschätzen.

Und wenn ihr nach einer erfolglosen Diskussion mal wieder ratlos auf der Couch liegt, die Nerven am Ende, der Kopf voller Fragen, dann macht euch bewusst: Alles nur ‘ne Phase! Wenn aus eurem Sohnemann am Ende seiner Teeniezeit ein selbstbewusster Mann geworden ist, werdet ihr die Zeit (zumindest einen Großteil davon) auch ganz schnell wieder vergessen.