Wohin mit dem Kind, wenn die Kita streikt?

Wohin mit dem Kind, wenn der Job ruft? Erwerbstätige Eltern haben gewisse Pflichten, aber auch Rechte. Hier erfahren Sie, ob Ihr Arbeitgeber Sie freistellen muss, wenn die Kita geschlossen ist.

Was tun wenn die Kita streikt?

Heute bleibt die Kita geschlossen wegen Streik - welche Rechte haben Eltern?


(10.04.2018) Die Streikwelle im Tarifpoker um den öffentlichen Dienst geht weiter, viele städtische Kitas bleiben aufgrund des Streiks geschlossen. Hintergrund: Die Gewerkschaft ver.di fordert sechs Prozent, mindestens aber 200 Euro mehr Lohn für die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes.

Wohin mit dem Kind, wenn die Kita streikt?

Warnstreiks für gute Arbeitsbedingungen sind legitim. Und allermeist haben wir als Eltern Verständnis für den Streik im Kindergarten oder der Kinderkrippe: Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen verdienen nicht viel. Aber für betroffene Eltern ist es eine große Herausforderung, wenn es ohne große Vorankündigung heißt: "Morgen ist die Kita leider wegen Streiks geschlossen." Wie lässt sich auf die Schnelle eine Ersatzbetreuung organisieren? Wir informieren Sie hier, welche Rechte, Pflichten und Möglichkeiten Sie haben, wenn die Kita Ihres Kindes streikt.
Wichtig: Informieren Sie Ihren Chef so schnell wie möglich und bleiben Sie auf keinen Fall unentschuldigt der Arbeit fern. Das könnte eine Abmahnung zur Folge haben. Allermeist findet sich eine Lösung, die für beide Seiten praktikabel ist. Vielleicht können Sie die wichtigsten Aufgaben von zu Hause aus erledigen. Oder Ihr Kind für ein paar Stunden mit zur Arbeit nehmen. Oder Sie wechseln sich mit Ihrem Partner ab und jeder übernimmt für ein paar Stunden die Kinderbetreuung.
Nicht vergessen: Den anderen Eltern geht es in dieser Situation nicht anders: Fragen Sie bei befreundeten Eltern und den Eltern von Freunden Ihres Kindes nach, ob Sie nicht gemeinsam eine Notbetreuung auf die Beine stellen können. Vielleicht kann ein Elternteil problemlos daheim bleiben und zwei, drei andere Kinder mitbetreuen. Oder eine Mama übernimmt den Vormittag - und wird am Nachmittag von einem anderen Elternteil abgelöst. Und oft ist die einfachste Lösung die beste: Sie nehmen einen Tag Urlaub - und unternehmen mit Ihrem Kind etwas Schönes.
Übrigens: In manchen Städten und Gemeinden wird auch teilweise eine Notbetreuung organisiert. Nachfragen kostet nichts!

Rechte und Pflichten, wenn Kindergarten streikt

1. Muss der Arbeitgeber Eltern von der Arbeit freistellen?

Die rechtliche Regelung lautet: Ein Arbeitnehmer hat Anspruch auf Entgeltfortzahlung durch seinen Arbeitgeber nach § 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs, wenn er „für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit durch einen in seiner Person liegenden Grund ohne sein Verschulden an der Dienstleistung verhindert ist“, im Klartext: nicht arbeiten kann.

Ein solcher persönlicher Grund ist zum Beispiel eine Krankheit, egal ob von den Eltern oder vom Kind. Wenn aber die öffentlichen Verkehrsbetriebe streiken oder man wegen Schnee und Eis später zur Arbeit kommt, gilt diese Regelung nicht. Und das gilt - leider - auch für den Fall, dass die Kita streikt: Rechtlich gesehen muss der Arbeitgeber Eltern nicht von der Arbeit freistellen, auch nicht unbezahlt. Aber Arbeitsrechtler geben trotzdem Entwarnung: Wenn es keine alternative Unterbringungsmöglichkeit gibt, sei das ein wichtiger Grund, der Arbeit an diesem Tag fernzubleiben. Eine Abmahnung oder Kündigung muss nicht befürchtet werden.
Die wahrscheinlich fairste Lösung ist, wenn Sie bei Ihrem Chef einen Tag Urlaub beantragen. Und vielleicht drückt Ihr Chef beide Augen zu und gewährt ihnen eine unbezahlte Freistellung für diesen Tag.
2. Darf ich mein Kind mit ins Büro nehmen?

Eine rechtliche Regelung gibt es hierzu nicht - aber fragen Sie doch einfach mal Ihren Chef, ob Sie Ihr Kind nicht ausnahmsweise einen Tag mit in die Arbeit nehmen dürfen. Funktioniert natürlich nur, wenn Sie im Büro arbeiten, Ihr Kind dort keinen Gefahren ausgesetzt ist und die Kollegen nicht gestört werden.

3. Arbeitspflicht contra Aufsichtspflicht
Wenn Sie trotz aller Bemühungen keine Ersatzbetreuung für Ihr Kind organisieren können und es auch nicht möglich ist, Ihren Sprössling zur Arbeit mitzunehmen, sind Sie gezwungen, zu Hause zu bleiben. Ansonsten würden Sie Ihre Aufsichtspflicht verletzen.
4. Müssen die Kindergartengebühren anteilig erstattet werden?

Ein Erstattungsanspruch von Gebühren für den Kindergarten besteht nicht. Es handelt sich für die Betreiber der Einrichtungen praktisch um „höhere Gewalt“, zumal Streiks grundgesetzlich erlaubt sind. Wenn Kosten für einen Babysitter oder die Tagesmutter anfallen, müssen die Eltern diese selbst tragen.
5. Droht mir die Kündigung?

Gekündigt werden kann Ihnen in der Regel nicht - im Zweifel müssen Sie aber nachweisen, dass Sie sich um eine alternative Unterbringung für Ihr Kind bemüht haben. Die beste Lösung ist aber natürlich sich mit dem Arbeitgeber zu einigen und Streit zu vermeiden.

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