Immer mehr Kitas werden gebührenfrei

Zwei Bundesländer gehen mit gutem Beispiel voran und schaffen die Kita-Gebühren ab. Wenn es nach dem Willen der neuen Bundesregierung geht, sollen die restlichen Bundesländer bald folgen. Für Eltern ist das erstmal eine gute Nachricht, denn über das Plus auf dem Konto freuen sich alle Familien. Die kostenlose Kita hat aber auch Schattenseiten.


(0)

Melden Sie sich in unserer Community an, um Beiträge zu Ihren Favoriten hinzuzufügen.

Jetzt anmelden

Kostenloser Kitaplatz: Nicht nur Vorteile


Niedersachsen will ab August 2018 auf die Kitagebühren verzichten, und auch Hessen hat, ebenfalls ab August, eine kostenlose Kita-Betreuung für sechs Stunden täglich beschlossen. Das dritte Kindergartenjahr ist hier jetzt schon beitragsfrei, zumindest für fünf Stunden am Tag. Der Kurs der neuen Bundesregierung ist klar: Für Eltern sollen die Kitakosten deutlich sinken. Im Koalitionsvertrag ist das schriftlich festgehalten, 2,5 Milliarden Euro sind für eine bessere Kita-Qualität und den Abbau von Kita-Gebühren eingeplant.


© iStock
Die Sonnen- und Schattenseiten der kostenlosen Kita-Betreuung

Großartig, finden wir Eltern! Kita-Gebühren sind ein dicker Batzen auf der Liste der monatlichen Aufwändungen - über das Plus auf dem Konto freuen sich alle Familien. Frühkindliche Bildung ist wichtig und eine kostenlose Kitazeit könnte dabei für mehr Bildungsgerechtigkeit sorgen. Das Beispiel Hamburg zeigt (hier ist ein Kitaplatz seit Mitte 2014 für eine Betreuungszeit von fünf Stunden täglich gratis), dass ein kostenloser Kitaplatz die Kinderzahlen in der Kinderkrippe und im Kindergarten ansteigen lässt.

Großartig, findet auch die Wirtschaft, sie hofft dadurch langfristig auf eine höhere Beteiligung von Frauen im Job. Mütter könnten somit mehr Einkommen erwirtschaften und die Chancen auf eine bessere Rente erhöhen.

Ein Manko haben die gebührenfreien Kitaplätze aber: Besserverdiener werden dabei finanziell stärker entlastet als einkommensschwache Familien. Die profitieren auch jetzt schon häufig von deutlich geringeren Kitagebühren im Vergleich zu gutverdienenden Familien.
Wie hoch die Ersparnis für die einzelnen Familien tatsächlich ausfallen könnte, lässt sich nicht sagen, denn alle Kommunen haben ihre Beitragssätze für Kitaplätze ganz unterschiedlich organisiert und gestaffelt. Nach einer Berechnung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) geben Eltern für den Kitaplatz ihrer unter dreijährige Kinder monatlich durchschnittlich 170 Euro aus (Quelle: welt.de). Schon heute sind Familien mit ganz geringem Einkommen in vielen Städten und Gemeinden gänzlich von den Kitagebühren befreit.
Gebührenbefreiung: Die aktuelle Lage
Viele Bundesländer haben schon dezidierte Pläne zur Abschaffung, bzw. zur Senkung der Kitagebühren: Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen haben bereits Beschlüsse gefasst, in Hamburg sind schon heute fünf Stunden Betreuung am Tag kostenlos. Und Bremen hat beschlossen, dass Eltern ab August 2019 keine Gebühren mehr bezahlen müssen.
Noch ist unklar, wie die fehlenden Elternbeträge aufgefangen und finanziert werden sollen. Geplant ist, dass die Länder ihre Zuständigkeit für Krippen und Kindergarten weiterhin behalten, der Bund soll und will sich aber künftig stärker finanziell engagieren.
Was ist mit der Qualität?
Bildungsexperten und auch vielen Eltern wäre eine bessere Qualität – sprich mehr Personal und ein höherer Betreuungsschlüssel - wichtiger als eine allgemeine Beitragsbefreiung. "Umfragen ergeben, dass Haushalte mit höheren Einkommen bereit sind, für eine Kita noch mehr zu zahlen als bisher. Gelänge es, die Kita-Qualität zu steigern, wären die Zahlungsbereitschaften sogar noch höher. Deshalb sollte die erste Priorität sein, öffentliche Gelder statt für Beitragsbefreiungen für einen Ausbau der Kita-Qualität zu verwenden", so die Bildungsökonomin Katharina Spieß, Leiterin der Abteilung Bildung und Familie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Heute schon besuchen fast alle Kinder ab drei Jahren (93 Prozent) eine Kita, die Nutzungsquoten können also kaum noch gesteigert werden. Von einer Investition in die Kita-Qualität würden alle Kinder profitieren - vor allem die mit Förderbedarf, die sonst in großen Gruppen mit Erzieherinnenmangel leicht untergehen. Und noch ein Punkt, der bedacht werden muss: Wenn mehr Kinder einen Kitaplatz benötigen, sind für deren Betreuung weitere Erzieherinnen notwendig. Problematisch in der Umsetzung, denn schon heute werden vor allem in den Großstädten Erzieherinnen händeringend gesucht - und nicht gefunden.

 Das könnte Sie interessieren: Kita-Ausbau: Die Fakten

Die Bemühungen der letzten Jahre tragen erste Früchte: Der Personalschlüssel in den Kitas hat sich verbessert. Doch das reicht noch lange nicht.


Ihre Meinung ist gefragt

Wenn Sie die Wahl hätten: Was wäre Ihnen wichtiger - ein beitragsfreier Kitaplatz oder eine bessere Betreuungsqualität (höherer Personalschlüssel, bessere Bezahlung der Erzieherinnen)?




 Das könnte Sie interessieren: Kindergarten und Kita für unter-3-Jährige

Der Kita-Ausbau für unter-3-Jährige schreitet in großen Schritten voran und wird von der Bundesregierung auch weiterhin unterstützt.






mehr zum Thema
Kinderbetreuung kontrovers