Otto Waalkes: Es gibt kein Idealbild einer Familie

Der Komiker Otto Waalkes, der im Film 'Der Grinch' dem grünen Weihnachtshasser die Stimme leiht, spricht über Familie und Einsamkeit.


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Otto Waalkes (70) kann den Grinch verstehen. Muss er auch, denn er leiht bei "Der Grinch" dem mürrischen grünen Wesen seine Stimme. In dem Film will der Grinch den Menschen Weihnachten klauen, weil er selbst keine Familie hat, mit der er das Fest der Feste feiern kann. Otto selbst ist mit einem großen Bruder aufgewachsen und hat einen erwachsenen Sohn. Mit familie.de spricht er darüber, was alles eine Familie sein und wie man der Einsamkeit entkommen kann.


Der Grinch wuchs in einem Waisenhaus auf. Er träumte immer von einer perfekten Familie. Was ist für Sie das Idealbild einer Familie?
Vater, Mutter, Kinder und ein Hund, vielleicht noch eine Katze, ein Karnickel und ein paar Meerschweinchen, Hühner, Löwen, Tiger, Ottifanten – eine Farm mitten in der Stadt. Quatsch. Es gibt kein Idealbild. Wenn zwei sich gut verstehen, reicht das ja schon. Ideal, wenn man einander auch noch vertraut. Hauptsache, dass man nicht allein gelassen wird, wenn es Probleme gibt. Mein Vater hat immer sofort alle Probleme aus der Welt geschafft. "Was ist los? Komm, rede mit mir darüber!" Wir haben kurz drüber geredet und die Probleme waren verschwunden. Mein Vater war in der Beziehung ein Zauberer.

Im Film geht es zum Teil auch um die Einsamkeit, weil der Grinch Angst hat, an Weihnachten allein zu sein.
Es geht um den Grinch, der den anderen das Weihnachtsfest versauen will. Er wirkt nicht sehr einsam, er hat ja seinen Hund bei sich und noch so ein paar Sachen, mit denen er sich seine Zeit vertreibt. Erst dann stellt sich heraus: So bösartig ist dieses Wesen aber gar nicht. Er entlarvt sich zusehends als gutartig. Selbst die Menschen, die Weihnachten feiern, verachtet er gar nicht so sehr. Am Schluss, wenn es zum Gesinnungswandel kommt, wird endgültig klar, dass er nicht Weihnachten hasst, sondern die Einsamkeit. Er kennt das Alleinsein, weil er im Waisenhaus allein war und mitansehen musste, wie Familien zusammengeführt wurden und alle zusammen Weihnachten feierten – Kein Wunder, dass er Angst vor diesen Tagen hatte, an denen er allein nicht mitfeiern durfte. Das erklärt dann seine ablehnende Haltung diesem besonderen Fest gegenüber.

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Wie hätte der Grinch seine Einsamkeit bekämpfen können? Wie gehen Sie mit der Einsamkeit um?
Man muss immer offen sein für Gespräche. Wenn man das Gespräch sucht, findet man es meist auch. Man muss natürlich unter Menschen gehen, sich nicht isolieren, sich nicht zurückziehen, man sollte offen mit den Menschen umgehen, mit Bekannten und Unbekannten! Das ist nicht einfach. Jeder kennt seine Hemmungen und die führen dann zu Kommunikationsbarrieren: "Oh Gott, das darf ich niemals fragen." Das ist falsche Scham, so käme zum Beispiel dies Interview nicht zustande. Manchmal kostet mich das auch Überwindung. Ich bin hier ganz allein reingekommen und plötzlich wollen alle was von mir wissen. Mancher verkriecht sich da und denkt: "Oh Gott, was wollen die alle von mir? Hoffentlich werde ich sie nicht enttäuschen..." Aber das Gefühl vergeht schnell, plötzlich sprudeln die Fragen, und wir werden eine Gruppe, eine große Einheit und keiner ist mehr allein in diesem großen modernen Gebäude mit den vielen digitalen Bildschirmen. Mein Gott, ich hätte Prediger werden sollen! Gerade daher kann es zu einer großen Einsamkeit kommen, wenn man allein immer vor so einer Röhre hockt. Lieber mal ins Kino gehen!

Gleich in der ersten Szene ist zu sehen, wie der Grinch aus Frust all seine Vorräte aufgegessen hat. Geht es Ihnen auch manchmal so?
Nein, überhaupt nicht. Ich esse mit Genuss. Ich ernähre mich so, wie ich mich gerade fühle. Ich frühstücke reichlich, mittags esse ich besonders gern, und, wenn's etwas Gutes gibt, auch am Abend, wenn ich Lust habe, mit Freunden auszugehen. Ein Glas Wein trinke ich auch mal zur Gesellschaft, das gebe ich ehrlich zu. Jetzt ist es also raus: Oh, Otto trinkt Wein. Doch ich kann Sie beruhigen: Nicht nur! Auch Faber Krönung, Deinhard Lila, Grappa, Calvados, Tequila, Asbach Uralt, Spätburgunder, Wermut und Pernod – und zwar in dieser Reihenfolge.
Danke für das Gepräch.