Schulkleidung: Nimmt Schuluniform Druck von den Kindern?

Immer mal wieder wird in Deutschland Schulkleidung diskutiert. Wenn alle die gleichen Klamotten tragen, gibt es auf den ersten Blick keine sozialen Unterschiede. Stimmt das?

Schulkleidung - ja oder nein?


In Deutschland hat man noch nie eine Schuluniform getragen. Die angehende Aversion gegen eine Uniform könnte daher rühren, dass man vor achtzig Jahren schon Kinder in Hitlerjugend-Uniformen steckte. Kinder in gleichmachender Kleidung - das hinterlässt für einige einen schlechten Beigeschmack. Schuluniformen oder Schulkleidung, wie man sie auch nennen kann, hat aber nichts mit totalitären Staaten zu tun, doch elitär war es schon: Großbritannien führte im 16. Jahrhundert in Cambridge die Schulkleidung ein, damit sich die jugendlichen Schüler überlegener gegenüber ihrer Umgebung fühlen konnten. Die Uniform setzte sich dann im Laufe der nächsten Jahrhunderte im britischen Empire durch und blieb bis heute - auch in den Ländern, die sich längst unabhängig vom Vereinigten Königreich gemacht haben. Britische Schüler und Schülerinnen kennen es also gar nicht anders. Ebenso Kinder in Irland, Asien, Südamerika und einigen afrikanischen Regionen.

Schuluniform schafft Identität

Die Intention hinter einer Schuluniform war also nicht nur, dass sich alle Schüler gleich fühlten, sondern dass sie eine Identität bekamen. Für die Jungen im 16. Jahrhundert war es ein Gefühl der Überlegenheit und dieses Gefühl haben bestimmt auch noch viele heute in den sehr teuren britischen Privatschulen. Aber es soll auch ein Zusammengehörigkeitsgefühl schaffen - man soll den Kindern schon von weitem ansehen, auf welche Schule sie gehen. Mit der Schulkleidung kommt also auch die Identität. Was nicht verkehrt ist, denn Menschen neigen im Allgemeinen dazu, sich einer Gruppe zugehörig fühlen zu wollen. Für Kinder gilt das wahrscheinlich noch stärker - sie möchten dazugehören. Und mit einer Schuluniform bekommen sie zumindest von außen diesen Wunsch erfüllt.

Schulkleidung: Die große Gleichmacherin?

Für Eltern von Kindern mit Schuluniformen bedeutet dies, dass es morgens kein Theater gibt, was der Nachwuchs denn anziehen soll - die Uniform liegt bereit. Weniger Kleidung muss gekauft werden, aber eine Uniform kostet auch etwas. Wie teuer die Schuluniform ist, kommt ganz auf die entsprechende Schule an. Zumindest für die Hosen, Röcke und Hemden gibt es in den meisten Ländern billigere Alternativen - wenn sie in gängigen Farben gehalten werden. Ist die Uniform spezieller oder besteht die Schule darauf, dass nur ihre Sachen getragen werden dürfen, benachteiligt dies Eltern mit geringerem Einkommen. In einer Umfrage für die BBC berichteten Eltern, dass sie umgerechnet bis zu knapp 300 Euro für eine Schuluniform hinblättern müssen. Einige Schulen unterstützen finanziell schwächere Familien, aber nicht überall passiert dies.

Von außen sehen die Kinder auf den ersten Blick gleich aus. Das ist nicht zu unterschätzen, denn die Kinder können nicht wegen ihrer Klamotten gehänselt werden - für einige ist das ein großes Plus. Aber es wäre naiv anzunehmen, dass die Kinder die Unterschiede im sozialen Status nicht auch so kennen würden. Da brauchen sie nur hinzuhören, wo ihre Schulkameraden im Urlaub waren oder in welchem Stadtteil sie wohnen. Trotzdem nimmt eine einheitliche Schulkleidung für eine Vielzahl von ihnen den Druck, kostspielige modischen Trends mitzumachen.

Schuluniform: Druck für Transkinder

Für Transkinder kann eine Schuluniform allerdings sehr einschränkend sein. An vielen britischen Schulen ist die Kleiderordnung zum Beispiel sehr restriktiv. Im Sommer müssen die Jungen in langen Hosen kommen und dürfen keine Shorts tragen. Auf der anderen Seite dürfen Mädchen nicht in langen Hosen zum Unterricht gehen und müssen Röcke tragen. Für Kinder und Jugendliche, die ihre sexuelle Identität noch suchen, ist diese Uniformierung eine Bürde, denn sie werden durch die Uniform in ein Geschlecht gesteckt, das für sie nicht passt. Für die Betroffenen kann dies noch mehr Druck und psychische Probleme erzeugen.

Schulkleidung Modell für Deutschland?

Damit sich die Schuluniform in Deutschland durchsetzt, muss die Initiative von allen Seiten kommen. Schule ist Ländersache und diese lassen ihren Schulen mal mehr oder weniger Spielraum, was die Schulordnung betrifft. Hamburg ist Vorreiter, einige Schulen haben Schulkleidung eingeführt, aber sie ist nicht verpflichtend. Privatschulen, die sich an Eliteschulen wie dem britischen Eton orientieren, können Schulkleidung vorschreiben.

Eltern, die gerne eine Schuluniform haben möchten, bringen den Stein ins Rollen, indem sie sich die nötige Unterstützung von anderen Eltern holen und ihren Vorschlag dann in den entsprechenden Schulgremien wie der Schulkonferenz vorlegen. Sie brauchen auf alle Fälle einen langen Atem und viel Überzeugungswillen.

Schuluniformen wären eine kulturelle Änderung und solche Sachen brauchen lange, bis sie von der Mehrheit akzeptiert wird. Noch sieht es jedenfalls nicht so aus, als ob man flächendeckend in Deutschland Schulkinder in einheitlicher Schulkleidung sehen wird.

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