UNICEF: Deutsche Kinder und Jugendliche sind unzufrieden

In keinem anderen der von UNICEF untersuchten Länder ist die Kluft zwischen den objektiven Lebensbedingungen und der subjektiven Lebenszufriedenheit der Kinder größer.


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Deutsche Kinder und Jugendliche sind im nationalen Vergleich sehr unzufrieden.


© Thinkstock
Objektiv haben sich laut der aktuellsten UNICEF-Studie* die Lebensumstände für deutsche Kinder und Jugendliche im Vergleich zu den letzten Datenerhebungen deutlich verbessert: Das Bildungswesen steht besser da, als noch vor 10 Jahren; die Jugendarbeitslosigkeit ist im Vergleich zu anderen Ländern sehr gering; die Zahl der kindlichen und jugendlichen Raucher ging stark zurück; weniger als 30% der befragten Kinder waren innerhalb des letzten Jahres in körperliche Auseinandersetzungen verwickelt.

Im internationalen Vergleich liegt Deutschland auf Platz 6 der Industrienationen hinsichtlich der von UNICEF bewerteten Lebensbedingungen. Dagegen steht allerdings das persönliche Empfinden der deutschen Kinder und Jugendlichen: "Jeder siebte Jugendliche in Deutschland ist mit sich und seiner Situation eher unzufrieden", heißt es im aktuellen UNICEF–Bericht. Damit landet Deutschland auf Platz 22 der 29 untersuchten Länder hinsichtlich der Selbsteinschätzung der Lebenszufriedenheit von Jungen und Mädchen.

Warum ist die junge Generation so unzufrieden?


Professor Hans Bertram (Humboldt-Universität Berlin) ist Mitglied des Deutschen Komitees für UNICEF und begründet den Kontrast zwischen Lebensbedingungen und Lebenszufriedenheit der Jugendlichen mit der "einseitige(n) Konzentration auf Leistung und formalen Erfolg". Anscheinend fühlen sich viele Kinder ausgeschlossen, wenn Sie die hohen Anforderungen der Gesellschaft nicht erfüllen können."Unsere an Ressourcen reiche Gesellschaft versagt offensichtlich dabei, allen Mädchen und Jungen Hoffnung und Perspektiven auf gerechte Teilhabe zu geben", so Hans Betram.
Was muss getan werden?
Dr. Jürgen Heraus, Vorsitzender von UNICEF Deutschland, betont, dass Jugendlichen besser zugehört und ihnen mehr Möglichkeiten zur Mitgestaltung eröffnet werden müssen. Auch müssen die politischen Anstrengungen gegen Kinderarmut verstärkt und dabei gezielt die wirtschaftlich schwächsten Familien unterstützt werden. Zudem muss die Kindergesundheit weiter gefördert werden. Übergewicht bei Kindern konnte in einigen Nachbarländern bspw. bereits reduziert werden, Deutschland hat dies noch nicht geschafft. Daher sollten Sport, Bewegung und eine ausgewogene, gesunde Ernährung einen höheren Stellenwert erhalten.


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Auch die Kinder und ihre Rechte dürfen nicht in den Hintergrund geraten. Der formale Druck und die bloße Konzentration auf die Leistungsfähigkeit der Kinder muss verringert werden und das Wohlbefinden der Heranwachsenden muss mehr in den Mittelpunkt rücken. Vor allem die Kommunen haben laut UNICEF-Bericht die Aufgabe, "für mehr Kindergerechtigkeit und Kinderfreundlichkeit im Alltag zu sorgen".


* UNICEF befragte 176.000 Kinder und Jugendliche zwischen 11 und 15 Jahren in 29 Ländern, davon 5.000 in Deutschland, nach ihrer subjektiven Lebenszufriedenheit. Die komplette Studie können Sie unter www.unicef.de einsehen.