Vegane Kita in Frankfurt: Was bedeutet das?

Karotte statt Käsebrot, Salat statt Salami: In Frankfurt eröffnet im August die erste vegane Kita Deutschlands. Was es damit auf sich hat:


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Erste vegane Kita in Deutschland


© iStock
Fünf Jahre ist es nun schon her, dass sich einige Elternpaare, die sich allesamt rein vegan ernährten, zusammen taten und feststellten: In Frankfurt fehlt eine Kita mit rein pflanzlichem Essen. Sie beschlossen dies zu ändern, gründeten einen Verein und suchten ein geeignetes Gebäude für ihre Pläne.

Veggie-Kids nennt sich die von ihnen gegründete Elterninitiative, die mittlerweile Räumlichkeiten für ihre vegane Kita in Frankfurt gefunden hat.

Frische Produkte statt "Alufolien-Dings"


Im Sommer soll es nun so weit sein: "Mokita" wird mit insgesamt 40 Kindern starten. (Der Name der veganen Kindertagesstätte – "Mokita" – stammt übrigens aus der Sprache der Papua-Neugineer und bedeutet so etwas wie „Die Wahrheit, die jeder kennt, aber keiner ausspricht“).

Der Fokus soll auf saisonalen und regionalen Lebensmitteln liegen. Das Essen soll täglich frisch zubereitet werden: "Wir wollen nicht so ein Alufolien-Dings", sagt Lucien Coy von der Elterninitiative in einem Gespräch mit dem Focus. Das Ernährungskonzept soll von einem Koch, der schon viele Erfahrungen mit pflanzlicher Ernährung gesammelt hat, und einer Ernährungsberaterin ergänzt werden. Und auch die Eltern sollen in Elternabenden an das Thema Ernährung herangeführt werden.

Auch abseits vom Thema Ernährung will die Kita die vegane Lebensweise leben und weitergeben. So soll Umwelterziehung einen wichtigen Platz einnehmen. Inklusion soll selbstverständlich sein. "Ich wünsche mir, dass es da um wesentlich mehr geht als um vegane Ernährung", erläutert Coy.

Das heißt zum Beispiel, dass die Kinder der veganen Kita keine Zoos besuchen werden. Stattdessen sollen Ausflüge in die Natur eine große Rolle spielen.

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Vom Bildungsdezernat genehmigt

Der Verein hatte sich mit seiner Idee für das „Sofortprogramm Kinderbetreuung“ der Stadt Frankfurt beworben, bei welchem private Träger bei der Einrichtung einer Kindertagesstätte unterstützt werden sollen. „Mit dem veganen Kindergarten schaffen wir ein Nischenangebot für interessierte Eltern“, erklärt Jetta Lüdecke vom Bildungsdezernat der Frankfurter Rundschau. Bedenken wegen des Ansatzes gäbe dabei nicht: „Der Träger leistet vorbildliche Aufklärungsarbeit zu seinem Ernährungskonzept. Außerdem zwingen wir ja niemanden, das Angebot anzunehmen“, erläutert Lüdecke den Standpunkt des Bildungsdezernats.


Vegane Ernährung bei Kindern

Sollte man Kinder überhaupt vegan ernähren? Ein sehr kontroverses Thema, das von vielen Seiten betrachtet werden muss. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt rein pflanzliche Kost weder für Kinder noch für Schwangere, Babys und Jugendliche. Die Begründung: Vegane Kost sei zu einer ausreichenden Versorgung dieser Personengruppen nicht geeignet. Denn gerade die zuvor genannten Gruppen benötigen eine gesteigerte Nährstoffzufuhr, die mittels veganer Ernährung schwieriger zu decken sei. Sollten sich Eltern dennoch für diese Ernährungsform entscheiden, sollten sie nicht nur auf die Zufuhr bestimmter Nährwerte achten (z.B.: B12, Eisen, Kalzium, Jod, Zink), sondern auch regelmäßig die Blutwerte ihres Kindes beim Kinderarzt kontrollieren lassen.

Der Ernährungswissenschaftler Markus Keller von der Fachhochschule des Mittelstandes in Köln arbeitet momentan an einer Studie, die konkrete Ergebnisse zum Thema vegane Ernährung bei Kindern liefern soll. Seiner Meinung nach sei rein pflanzliche Ernährung bei Kindern durchaus möglich – wenn auf eine ausreichende Zufuhr von kritischen Nährstoffen (siehe oben) geachtet wird. Seiner Erfahrung nach, sei dies meist aber sowieso der Fall, da Eltern, die diese Ernährungswiese verfolgen, oftmals schon gut informiert sind.

Auch in der "Mokita" soll auf die Nährstoffversorgung besonderen Wert gelegt werden. Die Betreiber haben ein spezifisches Ernährungskonzept entwickelt, dass sie mithilfe des Kochs und der Ernährungsberaterin umsetzen wollen.

Trotz Anfeindungen in den sozialen Netzwerken sind bereits jetzt fast alle Plätze in der veganen Kita vorgemerkt.

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von Nicole Metz