Die Idee der Waldorfschule

Das Waldorfschulen-Konzept ist eines der bekanntesten Schulkonzepte aus der Reihe der Freien Schulen. Dennoch wissen die meisten nicht viel über diese Schulform. Warum Waldofschule nicht heißt, seinen Namen zu tanzen.


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Was ist eine Waldorfschule?


Viele Eltern suchen eine Alternative zur Regelschule, da sie ihr Kind verstärkt im kreativen Lernen unterstützen und vor dem früh einsetzendem Leistungsdruck verschonen wollen.

Waldorfschulen gehören zu den sogenannten freien Schulen, die nach ihrer eigenen Methode unterrichten. Neben den Montessori-Schulen zählen Waldorfschulen zu den bekanntesten Schulkonzepten der Alternativpädagogik.

Waldorfkinder tanzen

Tanz ist fester Bestandteil des Stundenplans an der Waldorfschule


© iStock
In Waldorfschulen wird großer Wert darauf gelegt, dass Schüler ganzheitlich unterrichtet werden. Das bedeutet, dass im Gegensatz zu öffentlichen Schulen der Schwerpunkt neben der Vermittlung von geistigem Wissen gleichermaßen auf musischer, künstlerischer, handwerklicher und gymnastischer Lehre liegt.
Waldorfschule – Definition: Pädagogischer Ansatz
Waldorfschulen unterrichten nach dem Konzept des Publizisten und Esoteriker Rudolf Steiner. Sein Ansatz: „Das Kind soll in Ehrfurcht aufgenommen, in Liebe erzogen und in Freiheit entlassen werden.“ In der Praxis bedeutet das, dass jedes Kind nach seinen individuellen kindlichen Bedürfnissen unterrichtet wird. In Waldorfschulen gibt es daher keine Noten, sondern ausführliche schriftliche Beurteilungen.

In der Waldorfpädagogik geht es also vor allem darum, das Kind oder den Jugendlichen zu verstehen und seine individuelle Entwicklung zu fördern. So sollen sich die Schüler zunehmend selbst erziehen und ihre eigenen Fähigkeiten weiterentwickeln. In der Praxis heißt das, dass die Kinder und Jugendlichen die Lösung vieler Aufgaben selbst erarbeiten. Mit den Grundlagen, die ihnen ihr Lehrer beibringt, entwickeln die Schüler die Lehre selbstständig weiter. Bei Schwierigkeiten werden sie zunächst ermutigt, es weiter zu versuchen, statt sofort die Lösung vom Lehrer zu erfragen.

Um die Kinder individuell fördern zu können, werden an Waldorfschulen eine breite Vielfalt an Unterrichtsinhalten angeboten. Das bedeutet, dass es vergleichsweise viele handwerkliche und künstlerische Fächer gibt. In jedem Fach geht es dabei nie nur um die Wissensvermittlung, sondern auch um die Persönlichkeitsentwicklung der Schüler.
Die Form des Unterrichts hängt stark vom Lehrer und der Klassenstufe ab. So gibt es zum Beispiel in manchen Unterstufenklassen das Projekt "Bewegtes Klassenzimmer", bei dem alle Möbel aus dem Klassenzimmer geräumt oder umgestellt werden. Meist ist die Unterrichtszeit aber abwechslungsreich gestaltet: Gruppenarbeit wird dabei mit Frontalunterricht und praktischem Unterricht, wie zum Beispiel Gartenbau, gemischt.
Die Lehrer orientieren sich nicht an einem Lehrplan, der vorschreibt, wann was im Unterricht drankommt, sondern danach, wie weit die Klasse ist. Es wird verstärkt darauf geachtet, dass keiner zurückgelassen wird. Versteht ein Schüler etwas nicht, nimmt sich der Lehrer extra Zeit oder seine Mitschüler helfen.
Schulabschluss an der Waldorfschule
Da die Regelungen für den Schulabschluss von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt sind, empfiehlt sich, die Möglichkeiten im eigenen Heimatort und der dortigen Waldorfschule zu erfragen. So ist es beispielsweise in Hamburg möglich, einen staatlich anerkannten Abschluss zu machen. In Bayern dagegen machen die Schüler einen schulspezifischen Abschluss, also eine Prüfung, die nur Waldorfschüler ablegen. Da diese Prüfung in Bayern nicht staatlich anerkannt ist, machen die Waldorfschüler zusätzlich allgemeingültige Abschlüsse. Dazu schreiben sie die jeweilige Prüfung zum gleichen Termin wie die Schüler von einer staatlichen Schule mit. Der Bund der Freien Waldorfschulen bietet weitere Informationen und Kontaktadressen für den Einzelfall.
Worin unterscheiden sich Waldorfschulen von öffentlichen Schulen?
In herkömmlichen Schulen steht die Wissensvermittlung im Vordergrund. In Waldorfschulen wird dagegen der Vermittlung von kreativen, künstlerischen, praktischen und sozialen Fähigkeiten ein genauso großer Stellenwert eingeräumt, wie der reinen Wissensvermittlung. Handarbeit, Werken, Kunstunterricht und Theaterspielen nehmen einen wichtigen Teil im Stundenplan ein.

Ein Fach, das nur an Waldorfschulen unterrichtet wird, ist Eurythmie. Wörtlich übersetzt bedeutet es „schöner Rhythmus“ und ist eine Bewegungskunst, die an Waldorfschulen in allen Klassen unterrichtet wird. Für jeden Sprachlaut und jeden Ton gibt es in der Eurythmie eine Bewegung, wie eine in Bewegung übersetzte Sprache. Eine Zeichensprache ist es jedoch nicht. Wird zum Beispiel ein Gedicht in Eurythmie behandelt, wird auf die Betonungen, Inhalte und Sprachmelodie eingegangen und diese in Bewegung ausgedrückt. Während der Eurythmiestunden geht es aber auch schlichtweg um Bewegung, den Körper kennen und kontrollieren zu lernen und ein Raumgefühl zu entwickeln. "Meinen Namen habe ich in meiner gesamten Schullaufbahn kein einziges Mal getanzt!" erzählt Carolin, ehemalige Schülerin der Waldorfschule in Ismaning bei München. Stattdessen habe sie die Euythmiestunden als zwei zusätzliche Sportstunden erlebt, in denen in der Mittelstufe z.B. auch ein Standard-Tanzkurs abgehalten wurde.
Wenn ein Kind Sorgen hat, kann es auch im Tanz seine Gefühle ausdrücken, wenn ihm das Sprechen über sein Problem schwer fällt. Das nennt man dann „Heileurythmie“. Heileurythmie wird auch bei Konzentrationsproblemen, Schlafstörungen oder weitere Verhaltensauffälligkeiten und sogar bei Krankheitssymptomen angewandt.
Neben Eurythmie ist auch Gartenbau ein fester Bestandteil des Stundenplans.

Ein Lehrer betreut in einer Waldorfschule eine Klasse bis zu acht Jahre lang. Dadurch sollen die Kinder eine echte Bindung und Vertrauen zu ihrer Lehrerin oder ihrem Lehrer aufbauen. Die Beständigkeit, die die Kinder dadurch erleben, wird durch eine Klassengemeinschaft, in der die Eltern intensiv einbezogen werden, verstärkt.
Waldorfschule - Kosten

Einen Direktor, wie man es von öffentlichen Schulen kennt, gibt es in Waldorfschulen selten. Organisation, Leitung und Verwaltung der Schule werden von Lehrern und Eltern gemeinsam übernommen. Eine Beteiligung der Eltern am Schulalltag ist keine Pflicht oder Voraussetzug für die Aufnahme an einer Waldorfschule, jedoch lebt die Schule von der Zusammenarbeit von Eltern und Lehrern.
Da sich die Pädagogik deutlich von herkömmlichen Schulen unterscheidet, empfiehlt es sich, die Entscheidung für eine Waldorfschule für die gesamte Schullaufbahn zu treffen. Dafür arbeiten Waldorfschulen eng mit Waldorfkindergärten zusammen.

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Da die Waldorfschule zu den Freien Schulen gehört, müssen Eltern Schulgeld für ihr Kind bezahlen. Damit es aber nicht am Geld scheitert, orientieren sich die Beiträge bei den meisten Waldorfschulen am Gehalt der Eltern.
Waldorfschule: Kritik
Tanzen die Schüler in Waldorfschulen ihren Namen? Umarmen sie morgens erstmal ihren Baum? Womit Schüler der Waldorfschule wohl am meisten zu kämpfen haben, sind die Vorurteile, die die meisten bei dem Begriff der Waldorfschule haben.

Die Gewichtung der Fächer, die sich sehr deutlich von der Regelschule unterscheidet, macht den Wechsel zwischen Waldorfschule und Regelschule schwer. Waldorfschüler legen am Ende ihrer Ausbildung (in manchen Bundesländern zusätzlich zu ihrem eigenen Abschluss) die selben Prüfungen wie Regelschüler ab. Dabei wird allerdings die unterschiedliche Gewichtung der Lehrinhalte spürbar, da z.B. im Abitur andere Schwerpunkte gesetzt werden als im Unterricht der Waldorfschule. Fähigkeiten, die stattdessen in Waldorfschulen gefördert werden, werden hier nicht abgeprüft. Vertreter des Regelschulsystems üben deswegen massive Kritik an den Lerninhalten der Waldorfschule und den daraus resultierenden Defiziten der Schüler. Dabei sind es weniger Wissenslücken auf Seiten der Waldorfschüler, sondern die sich stark unterscheidende Methodik des Unterrichts. Dazu kommt, dass die Abschlussprüfungen die erste und einzige Möglichkeit sind, eine Bewertung in Form von Schulnoten zu erhalten. Relativiert sich in der Regelschule die Abschlussnote normalerweise durch die zuvor gesammelten Noten, hängt bei Waldorfschülern alles von der der letzten Prüfung ab.
Auf der anderen Seite zeigen Studien, dass ehemalige Waldorfschüler im Studium oder der Berufsausbildung keinerlei Nachteile aufweisen und durch ihre lebensnahe Schulbildung von Arbeitgebern sehr geschätzt werden.
Ist die Waldorfschule für mein Kind geeignet?
Bildungsdefizite, heile Welt - die Kritik kann Eltern durchaus verunsichern. Letzendlich können aber nur die Eltern entscheiden, welche Schwerpunkte und Entwicklungsziele besonderes Gewicht in der Schulzeit ihrer Kinder bekommen sollen. Die Waldorfschule befähigt Kinder und Jugendlich verstärkt, selbst kreative Lösungen zu finden, sei es in Mathe, bei einer kreativen Aufgabe oder einem Streit mit der besten Freundin. Der Unterricht ist sehr lebensnah ausgerichtet und beinhaltet viele praktische Kenntnisse, die im späteren Alltag von Nutzen sind. Da die Kinder Prüfungen wiederholen können, bis zum Schluss keine Noten gegeben werden und keiner die Klasse wiederholen muss, bleibt den Schülern der Leistungsdruck weitestgehend erspart.

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Sophia Gesierich

von Sophia Gesierich




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