Weihnachten im Schuhkarton – es ist wieder soweit

Die Advents- und Weihnachtszeit rückt näher, und wie alle Jahre wieder starten überall karitative Spenden- und Sammelaktionen. "Weihnachten im Schuhkarton" ist eine davon, die mit kleinen Geschenken Kindern in ärmeren Regionen große Freude machen will.


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Wohltätigkeitsveranstaltungen, Spendengalas und Hilfsaktionen haben Hochkonjunktur um diese Jahreszeit. Ganz vorne mit dabei: die Aktion "Weihnachten im Schuhkarton", international als "Operation Christmas Child" bekannt. Die Idee ist ebenso einfach wie erfolgreich: Ein kleiner Schuhkarton voll mit Geschenken tut uns in den reichen Industrieländern nicht weh – und macht Kindern in den ärmeren Ländern dieser Erde zu Weihnachten eine große Freude. 13 Länder beteiligen sich an diesem Projekt. Im vergangenen Jahr wurden im deutschsprachigen Raum mehr als 400.000 Päckchen gepackt. Weltweit waren es 11 Millionen. Davon allein 9 Millionen in den USA. Nach Angaben der Organisation wurden seit Beginn der Aktion Anfang der 1990er Jahre bereits 157 Millionen bedürftige Kinder beschenkt. Die Schuhkartons werden inzwischen in über 160 Länder verschickt - zu Kindern, für die es alles andere als selbstverständlich ist, in der Weihnachtszeit Geschenke zu bekommen. Hinter der Aktion "Weihnachten im Schuhkarton" steht hierzulande das christliche Hilfswerk "Geschenke der Hoffnung", das wiederum Teil der weltweit größten Geschenkaktion für Kinder in Not ist, "Operation Christmas Child" des amerikanischen christlichen Hilfswerks "Samaritan's Purse". Präsident seit 1979 ist Franklin Graham, der Sohn des erzkonservativen Baptistenpredigers Billy Graham - was bei vielen auf Kritik stößt. Unter anderem, weil er 2003 den Islam als "sehr böse Religion" bezeichnete.

Viele kleine Pakete, die anderswo auf der Welt große Freude machen.


© Getty Images

Weihnachten im Schuhkarton - die Verteilländer für 2018/2019

Millionen Menschen weltweit machen mit - und dadurch Millionen von armen Kindern eine Freude. Die Empfängerländer gehen von A bis Z, von Albanien Montenegro bis Zentralafrikanische Republik. In diesem Jahr wendet sich die Aktion vor allem an Länder mit hoher Armutsquote in Südosteuropa. Die Päckchen aus dem deutschsprachigen Raum werden voraussichtlich in folgenden Ländern verteilt (Änderungen sind dabei vorbehalten).

Verteilländer sind:
• Georgien
• Lettland
• Litauen
• Montenegro
• Polen
• Republik Moldau
• Rumänien
• Serbien
• Slowakei
• Ukraine

So packt man für Weihnachten im Schuhkarton

Der Schuhkarton sollte 30 x 20 x 10 cm groß sein und mit Geschenkpapier beklebt sowie hübsch dekoriert werden. Denn aus dem Schuh- soll ja ein Geschenk-Karton werden. Es wird ausdrücklich darum gebeten, nur neue Sachen zu verschenken - und pro Schuhkarton ist eine Spende in Höhe von 8 Euro zu leisten.

Hier sind die Geschenkempfehlungen:
• Kleidung (nur neu, nicht getragen und gewaschen)
• Auch Selbstgenähtes und Selbstgestricktes
• Kuscheltiere, Puppen
• Spielzeug (Bälle, Spielzeugautos, Puzzle, Kreisel, , Mundharmonika ...)
• Hygieneartikel (Duschcreme und Shampoo, wenn auslaufsicher verpackt,  Haarschmuck, Kamm, Bürste, Waschlappen ...)
• Originalverpackte Süßigkeiten (mind. haltbar bis März des Folgejahres)
• Schulmaterialien (Bastelmappe, Buntstifte, Malkasten, Block, Malbuch, Hefte ...)

Außerdem gibt es von "Geschenke der Hoffnung" für alle, die auch einen Weihnachts-Schuhkarton packen wollen, detaillierte Zusammenstellungen, welches geeignete Geschenke für die Kinder sein könnten. Die Organisation hat getrennte Listen für Jungen und Mädchen erstellt, ausgerichtet auf 3 Altersgruppen von 2 bis 14 Jahren. Diese Einkaufslisten gibt es zum Download.

Wegen teilweise strenger Einfuhr- und Zollbestimmungen in einigen Empfängerländern gibt es allerdings auch etliche Einschränkungen, die zu beachten sind.

Ausdrücklich nicht erlaubt sind:
• gebrauchte Gegenstände jeder Art, insbes. Kleidung
• Lebensmittel und Süßigkeiten mit pflanzlichen Füllungen (wie Nussschokolade, Popcorn, Lebkuchen, Müsliriegel etc.)
• Obst und Gemüse
• Medikamente und Vitaminbrausetabletten
• zerbrechliche Gegenstände
• scharfe, spitze und andere gefährliche Gegenstände (z. B. Messer, spitze Schere)
• Flüssigkeiten, die leicht auslaufen (z.B. Seifenblasen)
• stark riechende Seife (nur einpacken, wenn "duftsicher" verpackt)
• Glücksspielkarten (z. B. Skat)
• angstauslösende Dinge wie Kriegsspielzeug
• Hexerei- und Zaubereiartikel
• Literatur jeder Art
• Bargeld

Mitmachen bei Weihnachten im Schuhkarton

In den vergangenen Wochen gab es deutschlandweit schon etliche "Packpartys". So trafen sich in Berlin in der so genannten "Weihnachtswerkstatt" 1500 ehrenamtliche Helfer, die fast 120.000 Päckchen durchsahen, packten und versandfertig machten. Die Schuhkartons waren ihnen von 350 Sammelpunkten aus den verschiedensten Regionen oder direkt zugesendet worden. Hier findest Du die Sammel- und Abgabestellen in deiner Nähe.

Die Abgabe der Schuhkartonpäckchen ist leider nur bis 15. November möglich.
Doch bis 30. November hast du noch zwei andere Möglichkeiten, wenn du mitmachen möchtest:

1. Den Online-Schuhkarton bestellen, der dann von Freiwilligen in der "Weihnachtswerkstatt" für Dich gepackt wird
2. deinen Schuhkarton an eine der Zentralen in Berlin oder Graz schicken; das geht noch bis 30. November (Eingang des Paketes).
Die Adressen sind:
• Haynauer Straße 72A in 12249 Berlin
• Wickenburggasse 32, A-8010 Graz

Alle weiteren Informationen findest du auf der Webseite der Aktion "Geschenke der Hoffnung".

Kritik an der Aktion

Vielen ist die Tatsache, dass hinter der Aktion eine evangelikale-freikirchliche Organisation steht, ein Dorn im Auge. Bei der Aushändigung der Geschenkkartons vor Ort ginge es nur ums Missionieren, so der Vorwurf. Den Kindern würden, zusammen mit dem Schuhkarton, auch sogenannte "Bibelhefte" ausgehändigt.

Die Liste der Kritikpunkte im Einzelnen:
• offene, aktive Werbung für eine amerikanische Freikirche
• eine klare evangelikale Missionsaktion
• ein Viertel des Warenwertes geht für Administration drauf
• nicht nachhaltig; die Lebenssituation der Kinder vor Ort verbessert sich nicht
• ökologisch fragwürdig; aufwändiger Transport hunderttausender Schuhkartons
• durch den Geschenkekauf profitiert nur die Wirtschaft in den Geberländern

Die Organisation "Geschenke der Hoffnung" argumentiert dagegen: "Wir sind ein christlicher Verein und arbeiten national wie international mit Gemeinden aller Konfessionen zusammen." Und die Verantwortlichen können große Erfolge vorweisen. In der Forbes-Rangliste der 100 größten amerikanischen Wohltätigkeitseinrichtungen erreichte "Samaritan’s Purse" im vergangenen Jahr Platz 22.
Weihnachten im Schuhkarton - mit Spenden-Siegel
Immerhin hat auch das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) in Berlin, das Hilfsorganisationen und deren Geschäftsgebaren auf ihre Seriosität untersucht und bewertet, an "Geschenke der Hoffnung" ein Spenden-Siegel vergeben. Da die Organisation umfassend und transparent über ihre Arbeit informiere habe es keine Zweifel an der Seriosität und Vertrauenswürdigkeit von "Weihnachten im Schuhkarton" gegeben.

Ja, "alle Jahre wieder ..." kommt nicht nur das "Christuskind", sondern auch die Welle an Wohltätigkeitsaktionen und Spendengalas. Viele stehen dem skeptisch gegenüber und sehen darin höchstens einen Akt, mit dem das eigene, vielleicht schlechte Gewissen besänftigt werden soll. Eine andere unterstützenswerte Art, das ganze Jahr über Gutes zu tun, sind Kinderpatenschaften, wie sie von diversen Organisationen wie "Plan International", "World Vision" oder der "Kindernothilfe" auf dem deutschen Spendenmarkt angeboten werden.

Außerdem gilt: Gutes tun kann jeder - und jederzeit. Dazu braucht man weder eine große Hilfsorganisation, noch eine bestimmte Jahreszeit. Überall gibt es Kinder, denen es nicht so gut geht wie anderen; und die sich freuen, wenn jemand an sie denkt und ihnen etwas schenkt. Sei es Zeit oder Liebe oder eine kleine Überraschung - oder am besten alles zusammen.