Wenn Kinder Geheimnisse haben

Sie schweißen zusammen, wecken die Kreativität und sind einfach spannend: Geheimnisse. In welchem Alter sie besonders wichtig sind...

Wenn Kinder Geheimnisse haben


Geheimnis - das Zauberwort für Kinder

„Geheimnis“ - das ist ein Zauberwort. Alles, was mit „Geheim-“ beginnt, lässt Kinderaugen glänzen. Und das können ganz einfache Dinge sein: Zwei beste Freunde erfinden eine Geheimsprache und schreiben in Geheimschrift. Schon wird die Verabredung zum Fußball richtig spannend! Oder sie finden ein Geheimversteck auf dem Dachboden, von dem sie niemandem erzählen. Und der klassische Schlusssatz „… aber niemandem weitersagen, das ist unser Geheimnis!“ wertet vertrauliche Gespräche unter Freundinnen enorm auf - und damit auch die Freundschaft. Geheimnisse sind die Schätze der Kindheit. Gerade im Grundschulalter sind sie unglaublich wichtig. Erst mit dem Ende der Pubertät verlieren Jugendliche allmählich das Interesse daran, haben die Wissenschaftlerinnen Renate Valtin und Elisabeth Flitner herausgefunden.

Geheimnisse als inneres Eigentum der Kinder

Denn Geheimnisse dienen dazu, sich von der Erwachsenenwelt abzugrenzen. „Das ist ein wichtiger Schritt zur eigenen Identität“, erklärt Michael Schnabel vom Staatsinstitut für Frühpädagogik in München. „Mit etwa fünf Jahren erfahren Kinder die Grenze zwischen dem Ich und den anderen bewusst und erlangen das Wissen von einer eigenen inneren Welt“, ergänzt Prof. Renate Valtin, Psychologin und Erziehungswissenschaftlerin aus Berlin. „Sie erkennen, dass andere Personen Standpunkte, Wünsche, Absichten, Motive und Informationen haben, die sich von ihren eigenen unterscheiden können“, präzisiert Renate Valtin, die in einer Studie Fünf- und Sechsjährige fragte, was sie unter einem Geheimnis verstehen. Und von allen Kindern Antworten bekam wie: „Ein Geheimnis ist etwas, das man nicht verraten darf.“ Oder: „… nicht verraten will.“ „Kleinere Kinder betrachten ein Geheimnis als ihr inneres Eigentum. Einmal mitgeteilt, ist es schon kein Geheimnis mehr“, erklärt die Psychologin. Erst im Alter von etwa acht Jahren bekommt ein Geheimnis seine soziale Funktion, indem es zwei Freunde zusammenschweißt. Dann wird es immer wichtiger: „Für Kinder ab etwa zehn Jahren nehmen das Teilen und Bewahren von Geheimnissen einen wichtigen Stellenwert in der Freundschaft ein.“