Wimmelbücher: Kleinkinder entdecken Geschichten für sich

Warum Wimmelbücher nicht einfach nur Bilder sind, sondern Geschichten erzählen. Und was sie für Kleinkinder so faszinierend macht.


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Als Ali Mitgutsch eins der ersten Wimmelbilder Anfang der 60er Jahre malte, konnte er noch nicht ahnen, was er mit seinen Bildern anstieß. Der Künstler gilt als Begründer der Wimmelbücher. Seitdem ist das Prinzip Wimmelbild gleich geblieben: Auf einer detaillierten Zeichnung sind unzählige Dinge, Menschen oder Tiere abgebildet.

Ali Mitgutsch - Begründer des Wimmelbuchs


© Anja Köhler
Das Phänomen startet meist mit 1,5 Jahren: Das Kind beginnt gerade einigermaßen die Welt zu begreifen und sitzt fasziniert vor einem Bild, auf dem es so viel zu sehen gibt. Es entdeckt Autos, Kühe, Traktoren, Züge, Wälder, Pferde, die Feuerwehr. All diese Dinge kennt es aus dem Alltag oder vom Urlaub, deswegen ist die Freude umso größer, sie wiederzuentdecken, einzuordnen und Erlebtes zu reflektieren. Ungelogen: Unsere Tochter (2,5) sitzt manchmal mehr als 20 Minuten völlig fasziniert vor einem Bild. Von daher eignen sich Wimmelbücher im Kleinformat bestens für Autofahrten.

Wimmelbücher erzählen Geschichten



„Wimmelbücher sind Romane für Kinder, die noch nicht lesen können....”

von Rotraut Susanne Berner

Ein Wimmelbild erzählt auch Geschichten. Rotraut Susanne Berner, eine der bekanntesten Wimmelbuch-Illustratorinnen Deutschlands sagt darüber im Interview mit kinderbuch-fuchs.de: „Die Wimmelbücher sollen ein Roman für Kinder sein, die noch nicht lesen können.“ Dabei greift die Münchnerin auf ein einfaches, effektives Mittel zurück. „Ich habe einen anderen Blickwinkel als beispielsweise Ali Mitgutsch. Ich schaue aus der gleichen Distanz und nicht wie Mitgutsch aus dem 45-Grad-Winkel auf die Welt - ein bisschen von oben. Bei mir sitzt der Betrachter in der Zuschauertribüne und schaut auf Kulissen. Es gibt keine Perspektive. Die Geschichte steht im Vordergrund.“ Wer ihre Bücher kennt, erkennt ihren Stil wieder. Wir schauen direkt in das Haus hinein und begleiten die Personen an ihrem Nachmittag. Ein alleinerziehender Vater radelt mit seiner Tochter auf den Flohmarkt, die junge Frau Susanne verliert ihren Hut und die Feuerwehr rückt an, um ein brennendes Auto zu löschen. Susanne Rotraut Berner: „Die Idee war, dass sich die Hauptgeschichte vorne auf der Straße abspielt, auf einer Art von Laufband. Davon ausgehend habe ich ein Drehbuch geschrieben.“ All ihre Figuren kehren in ihren Jahreszeiten-Bücher immer wieder zurück. Damit erschuf die Künstlerin ihre eigene Stadt namens Wimmlingen.
New York, Tierpark oder Piraten - mehr als 500 Wimmelbücher


Mittlerweile lässt der Kinderbuchmarkt in Sachen Wimmelbuch keine Wünsche mehr offen. Ali Mitgutsch hat inzwischen dutzende Bücher in allen Formaten von Mini bis XXL veröffentlicht, Rotraut Susanne Berners Jahreszeiten-Zyklus steht in tausenden Kinderzimmern und Anne Suess hat sich insbesondere auf Tierbücher mit allen Details spezialisiert. Ob Ostern, Weihnachten, Kindergarten oder Piraten: Wer Wimmelbücher mag, kann aus mehr als 500 verschiedenen Büchern wählen! Selbst der Münchner Tierpark hat ein eigenes Wimmelbuch herausgebracht, aber auch von Städten wie Hamburg, Stuttgart, Potsdam oder New York gibt es eigene Bücher für kleine Entdecker.
Wimmelbücher eignen sich bestens für Kleinkinder ab 1,5 Jahren. Ab etwa vier Jahren mögen es die Kinder gern, wenn eine kleine Herausforderung mit den Büchern verbunden ist. Und so ist beispielsweise Martin Handfords Reihe „Wo ist Walter?“ auch bei größeren Kindern bis zum Schulalter weltweit der absolute Renner.

Das komplette Interview mit Rotraut Susanne Berner können Sie hier nachlesen. Wer Lust auf einen täglichen Buch-Tipp für Kleinkinder hat, ist herzlich eingeladen der Autorin auf Instagram zu folgen: instagram.com/kinderbuch_fuchs/.





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