Ausschabung nach Fehlgeburt: Notwendig oder überflüssig?

Nach einer Fehlgeburt wird häufig eine Ausschabung der Gebärmutter vorgenommen. Was sind die Gründe und muss die Prozedur wirklich sein?

Eine Fehlgeburt zu erleben, ist oft traumatisch. Die nachfolgende Ausschabung empfinden nicht wenige Frauen jedoch als zusätzlichen Schock. Sie fragen sich, ob man der Natur nicht einfach ihren Lauf lassen könnte. Was spricht für eine Ausschabung und warum sieht man dieses Thema in manchen Ländern anders?

Ausschabung nach Fehlgeburt: Gynäkologischer Stuhl

Ausschabung nach Fehlgeburt: in Deutschland ein häufig vorgenommener Eingriff.


Ausschabung nach Fehlgeburt: Was passiert da eigentlich?

Bei einer regulären Geburt löst sich die komplette Plazenta aus der Gebärmutter und wird nach dem Baby ausgeschieden. Bei einer Fehlgeburt oder Totgeburt ist das jedoch meist anders. Bei der Ausschabung, auch Kürettage oder Curetage genannt, wird die Schleimhaut der Gebärmutter mit einem scharfen Instrument abgetragen, um alle Überreste zu entfernen. Die kleine Operation kann bei örtlicher Betäubung, auf Wunsch jedoch auch unter Vollnarkose durchgeführt werden.

Eine Ausschabung wird meist in der gynäkologischen Abteilung eines Krankenhauses oder in einer gynäkologischen Praxis, die solche Eingriffe vornehmen kann, durchgeführt. Vor der OP wird oft der Muttermund geweitet; dafür wird das Medikament Misoprostol verabreicht, entweder vaginal oder in Tablettenform. Der eigentliche Eingriff dauert nur zehn bis fünfzehn Minuten.

Nach einer Ausschabung sollte man mindestens einen Ruhetag einplanen, allerdings können körperliche Schwäche, Unwohlsein und psychische Folgen sehr viel länger anhalten. Es können Unterbauchkrämpfe auftreten; weitere mögliche Komplikationen und Nebenwirkungen sind  Entzündungen, leichte Blutungen und Ausfluss. Bei starken Blutungen, Fieber, übelriechendem Ausfluss oder  länger als zwei Tagen anhaltenden Krämpfen sollte man unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Fehlgeburt und andere Gründe für eine Ausschabung

Eine Fehlgeburt ist nicht der einzige Grund, warum Ärzte zu einer Ausschabung raten; sie wird zum Beispiel auch zu Diagnosezwecken durchgeführt. Andere Gründe sind:

  • Nach der Geburt, falls sich die Plazenta nicht vollständig abgelöst hat
  • Zur Entfernung von Polypen in Gebärmutter oder Gebärmutterhals oder von Blasenmolen (Tumor, der sich nach Einnistung einer fehlerhaft befruchteten Eizelle bilden kann)
  • Bei unklaren Blutungen (extrem starke Regelblutung, Zwischenblutung, Blutungen nach der Menopause)
  • Zur Diagnose von Gebärmutter- und Gebärmutterhalskrebs
  • Zur Beendigung einer Schwangerschaft (Abtreibung)

Warum raten Ärzte zur Ausschabung nach Fehlgeburt?

Oft wird zu einer Ausschabung geraten, um eine Infektion oder Sepsis (Blutvergiftung) zu verhindern. Außerdem nutzt man diese Gelegenheit, um das abgetragene Gewebe zu untersuchen – gibt es bösartige Zellen oder bislang unbekannte Gründe für eine Fehlgeburt?

Während die Ausschabung nach Fehlgeburt in Deutschland sehr häufig durchgeführt wird, selbst wenn die Fehlgeburt in der Frühschwangerschaft auftritt, sieht man in manch anderem Land weniger Handlungsbedarf. In Frankreich wird in der Regel erst einmal gewartet und beobachtet, wie sich die Gebärmutter der Frau nach einer Fehlgeburt entwickelt und ob wirklich Handlungsbedarf besteht.

In Großbritannien empfiehlt der staatliche Gesundheitsdienst NHS, zunächst ein bis zwei Wochen zu warten. Hat sich das Gewebe dann noch nicht von alleine gelöst, wird medikamentös nachgeholfen. Eine Ausschabung wäre erst die dritte Option, wenn alles andere nicht funktioniert hat.

Beeinträchtigt eine Ausschabung die Chancen auf eine erneute Schwangerschaft?

Experten und betroffene Laien diskutieren diese Frage seit vielen Jahren. Mehrere wissenschaftliche Untersuchungen wie diese US-Studie deuten darauf hin, dass die Aussichten, nach einer Ausschabung nach Fehlgeburt erneut schwanger zu werden, sich nicht verschlechtern.

Falls du Zweifel hast, wenn dein Arzt oder deine Ärztin zu einer Ausschabung nach Fehlgeburt rät, frage jedoch ruhig nach, ob dies in deinem Fall unbedingt nötig ist oder ob man erst einmal abwarten kann.

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