Biologische Uhr tickt auch bei Männern

Nicht nur Frauen mit Kinderwunsch hören die biologische Uhr ticken und werden nervös, wenn kein Partner für die Familiengründung in Sicht ist. Auch das Alter des Vaters ist für die Fruchtbarkeit und die Gesundheit des Babys relevant.

Die biologische Uhr kennt kein Geschlecht: Mit steigendem Alter sinkt die Fruchtbarkeit bei Frauen, das ist hinlänglich bekannt. Doch nicht jedem ist bewusst, dass auch bei Männern das Alter eine Rolle spielt und dass bei älteren Vätern die gesundheitlichen Risiken für das Baby und die Wahrscheinlichkeit von Schwangerschaftskomplikationen steigen.

Biologische Uhr tickt auch bei Männern: Vater und Kind

Biologische Uhr: Das Alter des Vaters hat Auswirkungen auf die Schwangerschaft und die Gesundheit des Kindes.


US-Studie: Über 45 wird es kritisch

Nicht nur die Mütter, auch die Väter werden im Durchschnitt immer älter. Eine aktuelle Metastudie, die im Fachmagazin 'Maturitas' erschien, warnt, dass auch Männer auf das Ticken der biologischen Uhr hören sollten. Doch in den letzten 40 Jahren stieg die Zahl der Väter, die bei der Geburt ihres Kindes 35 Jahre alt oder älter waren, in den USA von vier Prozent auf zehn Prozent.

Die Studie belegt, dass der Nachwuchs bei älteren Vätern häufiger untergewichtig auf die Welt kommt. Die Wahrscheinlichkeit von Geburtsfehlern wie angeborenen Herzkrankheiten oder Gaumenspalten nimmt mit steigendem Alter des Vaters zu. Und auch für das weitere Leben sind diese Kinder mit höheren Risiken belastet, beispielsweise an Autismus zu leiden oder in jungen Jahren an Krebs zu erkranken.

Krankheitsrisiko steigt, je älter der Vater ist

"Obwohl es belegt ist, dass Kinder älterer Väter mit höherer Wahrscheinlichkeit an Schizophrenie leiden werden – eines von 141 Kindern mit Vätern unter 25 im Vergleich zu einem von 47 Kindern mit Vätern über 50 –, sind die Gründe dafür noch nicht hinreichend bekannt", erklärte Gloria Bachmann, Direktorin des Women's Health Institute an der Rutgers Robert Wood Johnson Medical School und Autorin der Studie in dem Fachmagazin 'ScienceDaily.com'. "Es gibt auch Studien, die zeigen, wie das Autismusrisiko steigt, wenn der Vater über 30 ist, sich ab 40 stabilisiert und mit 50 weiter ansteigt."

Eine Studie der Universität Aarhus in Dänemark kam zu dem Ergebnis, dass Kinder von Vätern, die 45 oder älter sind, einem fast doppelt so hohen Risiko ausgesetzt sind, schwer zu erkranken oder früher zu sterben.

Wie das Alter des Vaters die Schwangerschaft prägen kann

Nicht nur das Kind ist durch einen älteren Vater Risiken ausgesetzt, auch für die werdende Mutter kann es gefährlich werden. Komplikationen wie Schwangerschaftsdiabetes oder Präeklampsie treten häufiger auf, wenn der Kindsvater bereits älter ist, zeigten die Forscher aus New Jersey. Die Kinder kommen öfter zu früh oder auch zu spät auf die Welt.

Das heißt, dass ein älterer Vater selbst eine junge und gesunde Mutter erheblichen gesundheitlichen Risiken aussetzt. Schwangerschaftskomplikationen sind keine Kleinigkeit, sondern können im Extremfall lebensbedrohlich sein.

Fruchtbarkeit sinkt auch bei Männern

Nicht nur Frauen können am ehesten schwanger werden, wenn sie jünger sind. Auch bei Männern nimmt die Fruchtbarkeit mit steigendem Alter ab. Schon ab 40 sinkt der Testosteronspiegel und die Spermienqualität nimmt ab. Das heißt, die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Befruchtung sinkt, während das Risiko, dass sich die befruchtete Eizelle nicht gesund weiterentwickelt, zunimmt.

Anders als Frauen, deren fruchtbare Zeit mit den Wechseljahren endet, bleiben Männer zumindest theoretisch noch bis ins hohe Alter zeugungsfähig. Ob man alles tun muss, was man noch tun kann, ist eine wichtige Frage, die jeder für sich selbst beantworten sollte: Wie lange kann man, ausgehend von einer normalen Lebenserwartung, für sein Kind noch da sein? Oder bürdet man ihm in jungen Jahren bereits ein Leben mit sehr alten Eltern, die es früh verlieren könnte, auf?

Viele Männer ignorieren die tickende Uhr

Auch in fortgeschrittenem oder gar hohem Alter noch einmal Vater zu werden, sehen allzu viele Männer als gänzlich unproblematisch an. Bei so manchem mag es auch dem Ego schmeicheln, denn Zeugungskraft und Potenz gelten immer noch vielen als Indizien ihrer Männlichkeit. Hier sollte mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden, fordern die Wissenschaftler, die die Studie durchführten.

"Obwohl allgemein anerkannt ist, dass physiologische Veränderungen, die bei Frauen nach 35 auftreten, die Empfängnis, die Schwangerschaft und die Gesundheit des Kindes beeinträchtigen können, erkennen die meisten Männer nicht, dass ihr fortgeschrittenes Alter eine ähnliche Auswirkung haben kann", beklagt Gloria Bachmann diesen Umstand.

Männern, die sich Nachwuchs wünschen, ihre Vaterschaft aber verschieben müssen oder wollen, rät sie sogar schon ab einem Alter von 35 Jahren dazu, Sperma einfrieren zu lassen, spätestens jedoch mit 45. Von Hausärzten und Fachärzten wünscht sie sich mehr Patientenaufklärung über die Auswirkungen des Alters auf Schwangerschaft und Gesundheit des Kindes, wie sie für Frauen selbstverständlich ist. Die biologische Uhr macht zwischen Männern und Frauen eben keinen großen Unterschied.

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