ICSI - Hilfe bei Unfruchtbarkeit beim Mann

Kinderwunsch

ICSI - Hilfe bei Unfruchtbarkeit beim Mann

Die Intrazytoplasmatische Spermieninjektion, kurz ICSI, ist eine Form der In-Vitro-Fertilisation. Wie funktioniert die ICSI und für welche Paare kommt sie in Frage?

Die ICSI ist eine Form der In-Vitro-Fertilisation und ist die derzeit am häufigsten angewendete Form der Reproduktionsmedizin in Deutschland. Sie kommt hauptsächlich dann zum Einsatz, wenn im Ejakulat des Mannes zu wenig bewegliche Spermien für eine natürliche Befruchtung vorhanden sind. Unfruchtbare Männer haben so trotzdem die Möglichkeit, mit ihrer Partnerin genetischen Nachwuchs zu zeugen.

ICSI: Wie funktioniert's?

Bei der ICSI wird eine einzelne Samenzelle ausgewählt und mit einer feinen Nadel direkt in eine Eizelle injiziert, die zuvor dem Eierstock der Frau entnommen wurde. Nach erfolgreicher Befruchtung im Reagenzglas wird die Eizelle dann wieder der Frau eingesetzt. Im Jahr 2011 kam diese Methode bei 75 Prozent aller künstlichen Befruchtungen zum Einsatz und wurde damit bei unerfülltem Kinderwunsch in Deutschland häufiger eingesetzt, als die herkömmliche In-Vitro-Fertilisation.

Für wen eignet sich die ICSI?

Diese Methode wird vor allem Paaren empfohlen, bei denen die Frau funktionierende Eileiter und einen regelmäßigen Monatszyklus mit Eisprung hat, der Mann aber in seiner Fruchtbarkeit stark beeinträchtigt ist und daher auf natürlichem Weg keine Kinder zeugen kann. Bei 40 Prozent aller ungewollt kinderlosen Paare ist diese Situation der Fall.

Die ICSI kann angewendet werden, wenn:

  • eine irreversible Vasektomie (durchtrennte Samenleiter) vorliegt.

  • ein Verschluss der Samenwege verhindert, dass ausreichend Spermien in die Samenflüssigkeit gelangen können (obstruktive Azoospermie). Die Samenzellen können dann für die ICSI durch einen operativen Eingriff aus Hoden oder Nebenhoden gewonnen werden.

  • zu wenig oder gar keine Spermien in ausreichender Qualität im Ejakulat zu finden sind (unter eine Million beweglicher Samenzellen).

  • ein Problem mit Spermaantikörpern in der Samenflüssigkeit besteht.

  • die Bildung von Samenzellen in den Hoden gestört ist, so dass zu wenig oder gar keine befruchtungsfähigen Samenzellen im Ejakulat vorhanden sind (nicht- obstruktive Azoospermie). Spermien für eine ICSI können in diesem Fall durch die Entnahme von Gewebeproben aus den Hoden bereitgestellt werden.

  • eine In-Vitro-Fertilisation bereits mehrfach fehlgeschlagen ist.

  • bereits kryokonservierte (tiefgefrorene) Spermien des Mannes zur Verfügung stehen, beispielsweise nach einer Behandlung aufgrund einer Krebserkrankung.

Wie läuft die ICSI-Behandlung ab?

Der Ablauf und die Vorbereitung einer Intrazytoplasmatischen Spermieninjektion ist bis auf zwei Abweichungen nahezu identisch mit der der In-Vitro-Fertilisation (IVF). Lediglich die Gewinnung der Samenfäden und die Art der Befruchtung machen den Unterschied. Allerdings erfordert die ICSI im Vergleich zur IVF bei beiden Partnern eine gründliche Vorbereitung:

  • Vorbereitung der Frau: Der Frau werden Hormone verabreicht, die die Eizellenproduktion in den Eierstöcken anregt. Dafür wird zunächst, ebenfalls über die Einnahme von Hormonen, der Eisprung verhindert und der normale Zyklus unterbrochen. Etwa 14 Tage später folgt dann eine entsprechende Hormonstimulation, die dazu führt, dass in den Eierstöcken mehrere Eibläschen heranwachsen. Durch Verabreichung weiterer Hormone wird deren Wachstum gefördert und bei ausreichendem Reifegrad der Eisprung ausgelöst, der die Eibläschen auf eine Befruchtung vorbereitet. Bevor dieser jedoch stattfinden kann, werden die Eibläschen mit einer Nadel punktiert und die reifen Eizellen entnommen.

  • Vorbereitung des Mannes: Beim Mann wird zuerst eine Samenanalyse durchgeführt, um die Spermienqualität festzustellen. Diesen Vorgang nennt man Spermiogramm. Dafür wird das Sperma in eine Nährlösung gegeben und in einer Zentrifuge „gewaschen“. Dann werden für eine Befruchtung geeignete, einzelne Samenfäden ausgewählt. In der Regel wird der Mann mit einem Bluttest zudem auf eventuelle Erbkrankheiten untersucht, um die Weitergabe dieser Defekte auf das Kind zu vermeiden. Sollte der Mann unter Azoospermie leiden, können die für die ICSI nötigen Spermien mit einem mikrochirurgischen Eingriff direkt aus den Hoden, Nebenhoden oder über Gewebeproben gewonnen werden. Diese Methoden heißen TESE bzw. MESA.

  • Befruchtung der Eizelle: Während bei einer In-Vitro-Fertilisation einfach einige zehntausend Samenzellen zusammen mit einer Eizelle in eine Petrischale gegeben werden und die Befruchtung ohne weitere „Unterstützung“ abläuft, wird bei der ICSI pro Eizelle ein einziger Samenfaden ausgewählt und in das Zytoplasma der Zelle gespritzt. Dafür wird die Eizelle unter dem Mikroskop fixiert und das Spermium mithilfe einer sehr feinen Nadel in den Zellkern injiziert. Damit wird die Eizelle sozusagen „gezwungen“, sich von diesem Samen befruchten zu lassen. Dieser Vorgang wird mit mehreren Eizellen und Samenfäden durchgeführt, um im Idealfall mehrere Embryonen zu erhalten.

  • Einsetzen der Eizelle in die Gebärmutter: Nach etwa 18 Stunden im Brutschrank kann festgestellt werden, bei welchen Eizellen die Befruchtung tatsächlich Erfolg hatte. Nach 24 bis 72 Stunden liegt dann bereits eine ausreichende Zellteilung vor und die befruchtete Eizelle ist ins Embryonenstadium eingetreten. Nun kann der Transfer in die Gebärmutter der Frau stattfinden. Wie bei einer normalen IVF wird die Eizelle ambulant mit einem Katheter über Scheide und Muttermund in der Gebärmutter platziert. Dort kann sich der Embryo in die Gebärmutterschleimhaut einnisten und es kommt zu einer Schwangerschaft. Je nach Alter der Frau werden bis zu drei befruchtete Eizellen eingepflanzt, um die Erfolgswahrscheinlichkeit der Behandlung zu erhöhen.

 

Erfolgschancen und Kosten der ICSI

Die spannende Frage lautet jetzt: Hat sich der Embryo erfolgreich eingenistet? Ihre Erfolgschancen in Zahlen und mit welchen Kosten Sie rechnen müssen.

Etwa zwei Wochen nach dem Embryonen-Transfer wird mit Hilfe eines Bluttestes überprüft, ob es tatsächlich zu einer Schwangerschaft gekommen ist. Fällt dieser erste Test positiv aus, dann dürfen Sie sich erst einmal freuen. Allerdings gilt es auch abzuwarten: Die Embryonen müssen sich noch ein paar Wochen entwickeln, bis der Arzt mittels Ultraschall sagen kann, ob wirklich alles gut gegangen ist. Auch erst jetzt wird klar, ob sich nur ein Embryo eingenistet hat oder ob es sich sogar um einen Mehrlingsschwangersachaft handelt.
Allerdings sollten Sie sich trotz der Vorfreude bewusst machen, dass eine ICSI eine sehr komplexe Behandlung ist und keinen Erfolg garantieren kann. Im Schnitt wird die Geburtenrate pro Versuch auf 15 - 20 Prozent festgelegt. Es können also durchaus mehrere Behandlungszyklen notwenig werden. Allerdings werden aus diesem Grund befruchtete Eizellen im Vorkern-Stadium, also bevor das genetische Material von Eizelle und Samen miteinander verschmolzen sind, häufig gleich eingefroren. So können Sie sich ein Paar Schritte des Prozederes sparen, wenn ein weiterer Versuch durchgeführt werden muss.

Erfolgschancen und Kosten der ICSI

Allerdings kommt nicht jede Krankenkasse für die Kryonosierung, also das Einfrieren der Zellen, auf. Die Kosten der künstlichen Befruchtung werden hingegen von den Kassen in der Regel erstattet - zumindest die Hälfte. Daran sind aber einige strenge Bedingungen geknüpft. Welche Kriterien Paare genau erfüllen müssen, das haben wir hier für Sie zusammengerfasst ➤ Kinderwunschbehandlung: Die Kosten
Auch werden nur maximal drei Behandlungszyklen von den Kassen mitfinanziert. Alle weiteren Versuche zahlen Paare komplett aus eigener Tasche. Pro ICSI-Behandlung müssen Sie etwa mit 5.000 Euro rechnen. Die Kosten können natürlich von Klinik zu Klinik variieren. Lassen Sie sich vorher auf jeden Fall von Ihrer Krankenkasse beraten. Oder Sie suchen sich Hilfe bei fachkundigen Netzwerken und Beratungsstellen. Eine kleine Auswahl haben wir nebenstehen für Sie zusammengestellt.

Risiken und Nachteile der ICSI

Neben einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für eine Mehrlingsschwangerschaft, bei der das Risiko von vorzeitigen Wehen und Frühgeburten deutlich größer ist, gibt es noch weitere kritische Aspekte. Das Fehlbildungsrisiko ist leicht erhöht, auch wenn sich die allermeisten Kinder, die mit einer ICSI entstanden sind, ganz normal entwickeln.
Da diese Methode der Reproduktionsmedizin erst seit den frühen Neunzigerjahren angewendet wird, gibt es zudem bisher kaum Langzeitstudien, die eine Aussage über auftretende Missbildungen oder mentale Krankheitsbilder bei ICSI-Kindern treffen können. Allerdings weisen Kritiker der ICSI immer wieder darauf hin, dass durch die gezielte Auswahl eines Spermiums die natürliche Selektion durch die Eizelle verhindert wird. Da nach wie vor nicht bekannt ist, nach welchen Prinzipien diese biologische Selektion stattfindet, vermuten die Kritiker, dass bei der Wahl der Samenzelle durch den Menschen wichtige Kriterien außer Acht gelassen werden und dadurch bei der Befruchtung zwangsläufig Fehler passieren. Dennoch gibt es inzwischen viele Beispiele - quasi lebende Beweise - die zeigen, dass eine ICSI gesunde Kinder hervorbringen kann. Dass macht Mut, auf dem eigenen Weg zum Wunschbaby. Doch sollten Sie sich des Risikos immer bewusst sein.

Bildquelle: Thinkstock

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