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Erfahrungsbericht

Kinderwunsch ohne Mann realisieren? Solomutter Hanna Schiller verrät, wie es wirklich ist

Was macht eine Frau mit Kinderwunsch, wenn der Partner oder die Partnerin absolut kein Kind möchte? Wenn die biologische Uhr tickt und man nur noch wenige Jahre fruchtbar ist, ist das eine schwere Entscheidung für oder gegen die Beziehung. Solomutter Hanna Schiller stand genau an diesem Punkt und traf nach längerem Ringen eine Entscheidung: Ich bekomme alleine ein Kind. Sie gibt in ihrem Buch viele Tipps, wie man den Kinderwunsch ohne Mann realisieren kann und hat mit uns über alle Herausforderungen des "Projekts Solomama" gesprochen.

Solomutter werden: Wenn der Märchenprinz keine Kinder möchte

Liebe Hanna, was ist eine „Solomutter“?

"Eine Solomutter ist eine alleinstehende Frau, die sich bewusst und aktiv, meist nach einer längeren Reflexionsphase, dazu entschlossen hat, ein Kind mithilfe eines Samenspenders zu bekommen. Sie ist von Anfang an finanziell, emotional, organisatorisch allein verantwortlich für das Kind und setzt nicht auf die Unterstützung eines zweiten Versorgers. Der Samenspender kann sowohl von einer Samenbank als auch aus dem privaten Umfeld stammen, wobei sich ein Privatspender – wie ein Spender von einer Samenbank – weder finanziell, etwa durch Unterhaltsleistungen, noch erzieherisch beteiligt. Frauen, die sich für die Solomutterschaft entscheiden, gründen also bewusst eine Ein-Eltern-Familie und sind somit Allein-Alleinerziehende."

Du hast deinen Kinderwunsch ohne Mann realisiert und bist jetzt Mutter eines kleinen Sohnes. Wie ist es dazu gekommen?

„Viereinhalb Jahre lang dachte ich, der Mann an meiner Seite wird der Vater meines künftigen Kindes. Mein Ex-Freund hat das jedoch anders gesehen. Er wollte gar keine Kinder. Nach zwei Jahren Beziehung dachte ich noch, er ändert irgendwann seine Meinung. Mit 34, als sich bei mir innerlich ein großer Druck breitgemacht hatte, habe ich ihn während eines Urlaubes gefragt, ob er ein Kind möchte. Und da sagte er sofort Nein. Das war zunächst ein großer Schock für mich, auch wenn ich es bereits länger geahnt habe. Aber mir einzugestehen, dass ich mit jemandem, den ich sehr liebe, den geplanten Weg nicht gemeinsam weitergehen kann, war bei mir ein längerer Prozess. Und hat auch viel mit Trauerarbeit zu tun, weil sich mit einem Schlag ein ganzes Lebensmodell verändert.

Nach viereinhalb Jahren habe ich mich dafür entschieden, mich nach alternativen Wegen umzuschauen, um mir meinen Kinderwunsch zu erfüllen. Zur gleichen Zeit begann ich eine Therapie. Ich wollte mich mit jemandem austauschen, der neutral auf meine Situation blickt. Parallel habe ich mich über Möglichkeiten von Co-Elternschaft informiert. Ich habe aber gespürt, das war nicht mein Weg. Ich hätte mich mit einem fremden Menschen an meiner Seite, zu dem ich emotional keinen tiefen Bezug hätte, sehr eingeengt und abhängig gefühlt. Dieser Zustand würde mich mindestens 18 Jahre lang begleiten, und das hätte mir sehr viel Raum genommen, den ich nicht mit einem fremden Menschen teilen wollte.

Dann bin ich 2016 auf Kliniken in Dänemark gestoßen, die Single-Frauen helfen, sich ihren Kinderwunsch mithilfe eines Samenspender zu erfüllen. Mit verschiedenen Kliniken habe ich Onlinegespräche geführt und mich dadurch intensiver über meine Möglichkeiten informiert. Mit 35 war es soweit, ich hatte meine erste Insemination, die jedoch noch nicht zur Schwangerschaft führte. Das war bereits einige Monate nach meiner Trennung. Der zweite Versuch hat dafür direkt geklappt – sogar in einer deutschen Kinderwunschklinik. Damals war mir noch nicht klar, dass es in Deutschland total legal ist, sich als Single in einer Klinik künstlich befruchten zu lassen. Dass es in meiner Klinik ging, erfuhr ich nur durch einen Zufall.

"Ich war damals wirklich in einem Loch und es füllte sich an wie eine leichte Depression mit sehr starken Selbstzweifeln. Denn ich merkte, dass der Weg, den ich gehen wollte, plötzlich abgeschnitten war. Die Verhaltenstherapie hatte mir sehr geholfen, mich selbst zu hinterfragen und mich nicht so schlecht zu reden. Da hab ich erst verstanden, dass es völlig okay ist, wenn zwei Menschen, die sich lieben, nicht dasselbe wollen. "

Kinderwunsch ohne Mann: Die passende Klinik finden

Viele Frauen wenden sich immer noch an ausländische Kinderwunschkliniken. Behandeln viele deutsche Kinderwunschkliniken, die auch Samenbanken haben, keine Single-Frauen mit Kinderwunsch?

Doch, teilweise. Ich zitiere da gern Ann-Kathrin Klym von der Berliner Samenbank: „Es war nie verboten, alleinstehende Frauen in Deutschland zu behandeln.“ Es ist allerdings so, dass es gar nicht so leicht ist, Kliniken zu finden, die keinerlei Vorbehalte gegenüber alleinstehenden Frauen mit Kinderwunsch haben. 2016 haben sich viele Ärzte und Ärztinnen wirklich angestellt. Es hat auch niemand offen auf der Website kommuniziert, wenn eine Kinderwunschklinik Alleinstehende behandelt.

Das hat unter anderem mit der „Musterrichtlinie zur Durchführung der assistierten Reproduktion“ zu tun, die 2006 von der Bundesärztekammer veröffentlicht wurde. In dieser wurde empfohlen, Singlefrauen und lesbische Paare von der künstlichen Befruchtung mithilfe von Spendersamen auszuschließen, weil Samenzellen eines Dritten nur mit einer medizinischen Begründung verwendet werden sollten. Es handelte sich jedoch nicht um ein Gesetz, sondern um eine Handlungsempfehlung, die die meisten Landesärztekammern – außer Bayern, Berlin und Brandenburg – übernommen haben. Hinzu kam für viele Ärzt*innen die Sorge, auf Unterhalt oder Schadensersatz verklagt zu werden, weil es bei Solomüttern nur einen rechtlichen Elternteil für das Kind gibt. Somit existiert auch nur ein Elternteil, der finanziell für das Kind sorgen kann, was zur Herausforderung wird, wenn die Mutter ihren Job verliert oder ihr etwas zustößt.

Obwohl es 2018 eine neue Richtlinie gab – dieses Mal wurde keine Angabe dazu gemacht, welche Personengruppen eine Samenspendenbehandlung machen dürfen –, gibt es auch 2022 immer noch Ärzte und Ärztinnen, die Angst haben, von ehemaligen Patientinnen verklagt zu werden, wenn diese sich ihr Kind nicht mehr leisten können. Einige sehen auch moralische Bedenken, wenn ein Kind ohne biologischen Vater aufwächst und lehnen deswegen eine Behandlung ab.

Die erste Hürde ist also zunächst, Kliniken zu finden, die sich auch an Alleinstehende richten. Um es den Frauen so einfach wie möglich zu machen, stelle ich auf meinem Blog Solomamapluseins eine Liste mit singlefreundlichen Kliniken zur Verfügung, die ich regelmäßig aktualisiere. Auch hier gibt es extreme Qualitätsunterschiede der einzelnen Einrichtungen, wie ich durch interne Umfragen unter den Frauen festgestellt habe, weshalb es nicht leicht ist, die richtige Klinik zu finden, um den Kinderwunsch ohne Mann zu realisieren. Ich kenne jedoch auch viele positive Beispiele von Kinderwunschkliniken, die aktiv mit mir kommunizieren und wirklich daran interessiert sind, eine gute Behandlungsumgebung für die Frauen zu schaffen.

Schiller, Hanna_3_© Wanja Chelmis
familie

Über Hanna Schiller

Hanna Schiller (Jahrgang 1981), wuchs in einer traditionellen
Familie mit zwei Geschwistern auf. Nach dem Abi tauschte sie
das Dorfleben auf dem niedersächsischen Land gegen ein
Studium der Anglistik/Amerikanistik und Romanistik in Berlin
ein und arbeitet heute als Projektmanagerin.
Nachdem sie Mutter wurde, gründete Hanna Schiller den
Blog "Solomamapluseins" und informiert andere Mütter ihre Erfahrungen und Schritte zur Mutterschaft. Mit der Plattform "Solomamawege", die
sie mit ihrer Geschäftspartnerin Katrin Förster betreibt, bietet sie außerdem Beratungs- und Dienstleistungen zur Unterstützung von (werdenden) Solomüttern an. Ihr findet Hanna auch auf ihrem Instagram-Kanal @solomamapluseins.

Es ist also in Deutschland möglich, aber durchaus herausfordernd, ohne Mann schwanger zu werden. Wie und wo findet man denn die passende Klinik und was sollte man darüber wissen?

"Es gibt in Deutschland regional unterschiedlich viele Kliniken: Die Länder Berlin, Brandenburg, Bayern haben schon lange alleinstehende Frauen behandelt. Doch in anderen Regionen sieht es schlechter aus, auch wenn sich erfreulicherweise immer mehr Kliniken für Alleinstehende öffnen. Es kann also sein, dass du in Thüringen oder im Saarland wohnst, aber in deiner Nähe keine Klinik findest. Ich würde mir für die Frauen wünschen, dass es in jedem Bundesland zwei bis drei Kliniken gäbe, wo man sich behandeln lassen kann. Es ist sonst ein enormer Kraftakt und eine finanzielle und emotionale Anstrengung. Denn viele Frauen, die diesen Schritt gehen, stehen unter einen enormen Zeitdruck – sei es, weil sie Ende dreißig sind, an vorzeitigen Wechseljahren leiden oder auch weil sie gerne jung Mutter werden wollen.

Daher wenden sich übrigens auch viele Frauen an Praxen oder Kliniken im nahen Ausland, etwa nach Spanien oder Dänemark. Dort gibt es meistens auch deutlich weniger Voraussetzungen, die die Frauen vor Behandlungsbeginn erfüllen müssen.

In Deutschland fordern beispielsweise fast alle Kliniken eine psychosoziale Beratung im Vorfeld der Kinderwunschbehandlung mithilfe einer Samenspende. Auch wenn ich diese durchaus für nützlich halte – hier wird beispielsweise besprochen, wie man sein künftiges Kind über seine Entstehung aufklären kann – , finde ich es schwierig, diese und andere Anforderungen als Zwangsberatungen zu verlangen.

Besonders kritisch sehe ich die Anforderung einer „Garantieperson“, die den Behandlungsvertrag mitunterzeichnen muss. Die Idee davon ist, dass diese Person – das könnte ein Familienmitglied oder eine Freundin sein – finanziell einspringen soll, wenn der Solomutter etwas passiert. Die Verträge sind teilweise so krass formuliert, dass Frauen bereits die Klinik gewechselt haben, anstatt einen solchen Vertrag zu unterzeichnen. Durch diesen würde sich quasi eine beliebige Person dem noch ungeborenen Kind gegenüber verpflichten, Unterhalt zu zahlen, obwohl sie rein gar nichts zur Schwangerschaft beigetragen hat. Das ist rechtlich überhaupt nicht zulässig und somit nützen diese teilweise sehr kostenintensiven Verträge niemandem – schon gar nicht der Wunschmutter oder ihrem künftigen Kind. Diese hohen organisatorischen und finanziellen Belastungen kommen zu der psychischen Herausforderung ­der Kinderwunschphase leider auch noch hinzu.“

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Solomutter sein: Darauf musst du dich vorbereiten

Wenn man jetzt tatsächlich dank Insemination und Samenspende schwanger geworden ist und das Kind gesund auf die Welt kommt: Welche rechtlichen Schritte sind denn nach der Geburt noch nötig?

"Mit der Geburtsurkunde war es sehr einfach, da sind rechtlich keine weiteren Schritte nötig, weil man nur als Mutter darinstehen muss. Das Feld für Vater wurde einfach freigelassen. Ich brauchte auch keine Vaterschaftsanerkennung. Ansonsten ist es wichtig, einen Ablehnungsbescheid für Unterhaltsleistungen zu bekommen – auch wenn ich später Wohngeld, den Kinderzuschlag oder andere Leistungen beantragen möchte. Aufgrund der Schwangerschaft durch einen Samenspender von einer Samenbank stehen Frauen weder Unterhalt noch der Unterhaltsvorschuss zu.

Außerdem ist es empfehlenswert, sich die sogenannte „Negativbescheinigung“ direkt nach der Geburt durch das Jugendamt ausstellen zu lassen. Hierfür benötigt man in der Regel eine Bestätigung der Kinderwunschklinik, dass man mithilfe eines Samenspenders schwanger geworden ist. In der Negativbescheinigung wird angegeben, dass man das das alleinige Sorgerecht für sein Kind hat. Bei Privatspendern ist man darauf angewiesen, dass der biologische Vater „mitspielt“, damit die Frau das alleinige Sorgerecht erhält. Die Negativbescheinigung ist auch deswegen wichtig, weil diese vor gewissen Eingriffen beim Kind (z.B. bei einer Operation), für bestimmte Behördengänge oder sogar längere Auslandsreisen erforderlich ist. Es könnte schließlich sein, dass ich mein Kind ohne Zustimmung des Vaters ins Ausland bringe und plane, dort zu bleiben. Die Bescheinigung dient also auch dem Schutz des Kindes.

Wie vieles, das mit Ämtern zu tun hat, können diese bürokratischen Abläufe sehr schnell gehen aber auch mal mehrere Wochen dauern und dadurch sehr anstrengend werden.

Noch komplizierter ist es mit einem Privatspender. Ich weiß von Frauen, dass sie Fragebögen vom Jugendamt oder der Unterhaltsvorschusskasse zu sehr intimen Details dazu ausfüllen mussten, woher sie den Spendersamen hatten und wie genau es zur Zeugung kam. Frauen, die einen Privatspender haben, müssen immer ihre Geschichte parat haben, warum es keinen zweiten Sorgeberechtigten gibt, da die Ämter im Zweifel sagen, dass dann der Privatspender für den Unterhalt aufkommen müsste. Dabei wollen die meisten gar kein Geld von ihrem Spender."

"Im Grunde muss man sich nach der Geburt nochmal total nackig machen und ständig offenbaren, wie es zu dem Kind gekommen ist."

Solomutter werden ist keine leichte Aufgabe. Wie kann man sich darauf vorbereiten und welche Charaktereigenschaften sollte man mitbringen?

"Ich habe den Eindruck, die Solomutterschaft und Kinderwunsch ohne Mann wird gerade medial zum Trend, wodurch der Eindruck entsteht: Diese Familienform ist für jede Frau geeignet, wenn sie alleinstehend ist und einen Kinderwunsch hat. Das finde ich ein bisschen schwierig, weil viele Frauen, die diesen Weg bisher gegangen sind, extrem reflektiert und geordnet sind. Die meisten haben sich über einen längeren Zeitraum mit der Thematik befasst, sich ein gutes finanzielles Polster zugelegt, innerlich „aufgeräumt“, sich ein Netzwerk aus Unterstützern aufgebaut und sich viel mit anderen Frauen ausgetauscht, die diesen Weg bereits gegangen sind, um besser zu verstehen, worauf sie sich einlassen.

Indem Solomutterschaft teilweise so gehypt wird – man darf ja nicht vergessen, dass wir gleichzeitig Alleinerziehende sind, eine eher marginalisierte Familienform –, werden die Herausforderungen und die Belastungen des Alleinerziehendseins heruntergespielt oder sogar komplett ignoriert. Jemand meinte mal zu mir: Wenn du das kannst, dann kann ich das auch.

Diesen Gedanken finde ich etwas gefährlich, weil jede Frau anders ist. Jede geht beispielsweise mit Stress komplett anders um, und damit, wie sie sich ihre Kräfte einteilen kann. Wenn ich z.B. gestresst bin, muss ich mir überlegen, was ich tun kann, damit mein Sohn das nicht zu sehr abbekommt. Gerade wenn es dem Kind mal nicht gut geht oder es schlecht schläft, dann sollte man sich vorher schon überlegen, wie man mit dem Schlafdefizit umgehen wird. Entweder hat man bereits ein gutes Unterstützungsnetzwerk an Menschen oder man weiß, wie man sich eines schaffen kann.

Auch emotionale Stabilität ist wichtig. Ich habe gemerkt, dass ich einige Dinge durch meine Therapie vorher für mich klären konnte. Ich möchte nicht sagen, dass Frauen mit psychischen Themen keine Solomutter sein können. Sie müssen sich nur klarmachen, was es für einen Kraftakt bedeutet, dass das Kind komplett abhängig von ihnen allein ist und wie sie damit auch mental umgehen können, ohne zu zerbrechen. Ein Kind braucht eine gewisse Stabilität und es ist hilfreich, wesentliche psychische Themen bereits vor einer möglichen Solo-Schwangerschaft geklärt zu haben.

Ganz grundsätzlich ist es sinnvoll, bereits vor der Geburt des Kindes ein Testament zu machen und sich damit zu befassen, wie das Kind abgesichert ist und wer sich kümmern kann, wenn der Frau während der Geburt oder später etwas passiert. Nach und nach sollten dann weitere Absicherungen hinzukommen, etwa der Abschluss einer Risikolebensversicherung, die Formulierung einer Sorgerechtsverfügung und die Regelung der Vormundschaft im Falle des eigenen Todes.“

Wie hast du deinem Sohn eigentlich erklärt, dass es keinen Vater gibt? Es ist sicherlich nicht einfach, all seine Fragen zu beantworten, wenn er von Menschen aus seiner Umgebung nach einem Vater gefragt wird.

„Anfangs war das noch nie ein Thema. Als er dann drei war, hat er gefragt, ob ein erwachsener Freund von uns sein Papa sei. Nach kurzem Zögern habe ich ihm erklärt, dass er nicht sein Vater sei und das war erstmal so gut für ihn. Ich habe dann immer etappenweise mehr hinzugefügt. Es gibt jedoch selten Situationen, wo es ihm stark auffällt, dass wir „nur zu zweit“ sind und die anderen nicht. Auf den Spielplätzen sind meist auch nur die Mamas mit den Kindern. Er weiß, dass es verschiedene Elternsituationen gibt. Aber natürlich sieht er die Papas seiner Freunde und dass die von ihren Kindern Papa genannt werden. Da hat er dann auch mal angefangen, Papa zu einem zu sagen, weil er einfach seinen Namen nicht kannte.

Als er dann knapp vier Jahre war kam immer wieder mal die Frage: Ich hab aber keinen Papa? Und ich hab ihm erklärt, dass es da einen Mann gab, der mir geholfen hat, ihn zu bekommen. Aktuell bin ich genau da dran, ihm zu erklären, wie das biologisch abläuft und man ohne Vater ein Kind bekommt. Da hat mir ein Aufklärungsbuch von Petra Thorn geholfen, das ihn aber noch gar nicht so sehr interessiert hat. Als Hilfe hab ich mir überlegt, dass wir seinem Spender einen Namen geben, damit mein Sohn das Gefühl hat, dass es greifbarer ist.

Wir haben durch verschiedene Facebook-Gruppen zwanglosen Kontakt zu den anderen Müttern, die vom selben Spender Kinder haben. Diese Gruppen fand ich z.B. sehr hilfreich: Donorbarn - sæddonor - ægdonor, Find donor siblings from European Sperm Bank (Nordic Cryobank) oder Cryos International Siblings Connect. Um Halbgeschwister von deutschen Samenbanken zu finden, bietet es sich an, mit der jeweiligen Samenbank in Kontakt zu treten.

Uns Müttern ist es ein Anliegen, dass unsere Kinder die Möglichkeit haben, dass sie sich gegenseitig kennenlernen können, wenn sie es möchten. Dadurch entsteht eine erweiterte Familie, mit der man sich austauschen kann, was ich als große Bereicherung empfinde. Einige Halbgeschwister meines Sohnes haben gerade ähnliche Themen, einige sind noch Babys und andere bereits einige Jahre älter und somit „weiter“. Dadurch können wir alle voneinander lernen."

Dir sind sicherlich einige Vorurteile auf dem Weg zur Mutterschaft begegnet. Was hat dich dabei am meisten genervt? Und was würdest du dir hier von der Gesellschaft wünschen?

"Mich nervt vor allem ein Satz, den ich letztens wieder gelesen habe: „Ist es egoistisch allein ein Kind zu bekommen?“ Das stört mich so, weil es immer egoistisch ist, ein Kind zu bekommen. Nicht nur, weil man es von Anfang an alleine aufziehen möchte. Selbst wenn es egoistisch ist, verstehe ich nicht, warum es negativ sein soll. Ich vermute, das hängt auch damit zusammen, weil bei Frauen Egoismus gleich eine negative Eigenschaft ist. Wohingegen das bei Männern eher als Stärke und Ehrgeiz gesehen wird. Ich hoffe, das löst sich mehr und mehr auf, wenn Geschlechterstereotype immer mehr durchbrochen werden.

Was mich außerdem stört ist dieser Vorwurf, ich würde dem Kind den Vater wegreißen. Das stimmt nicht, da es diesen Vater ja von Anfang an nicht gab und eine Bindung gar nicht da war, die auch nicht zerstört werden kann. Trennungsfamilien, in denen die Eltern nicht in Frieden auseinandergehen, werden oft mit Solomüttern in einen Topf geworfen. Dieser Vergleich hinkt für mich komplett, denn wir Solomütter versuchen ja von Anfang an ein sicheres Umfeld zu schaffen, im dem sich das Kind geborgen und bedingungslos geliebt fühlt."

Alles solo oder doch besser mit einem Co-Partner?

Dein Tipp für die Entscheidungsfindung, wie man den richtigen Weg für den persönlichen Kinderwunsch geht? Wann war bei dir der Zeitpunkt, da du wusstest, dass der Kinderwunsch ohne Mann dein Weg ist und z.B. nicht Co-Parenting?

„Ich habe mir die Frage gestellt: Wenn ich jetzt fünf Jahre weiter gucke, was würde ich am meisten bereuen? Dass ich keine Mama bin oder dass der Mann nicht mehr an meiner Seite ist? Und da ging es darum, was mir persönlich wichtig ist in meinem Leben. Da ich schon mehrere Partner vorher hatte, war mir klar, es gibt ja nicht nur den einen Mann und ich habe noch Zeit, jemanden kennenzulernen, selbst im Alter, wenn ich es wollen würde. Aber ein Kinderwunsch ist eben nicht ewig realisierbar. Als ich darüber nachgedacht habe, wie ich mich fühlen würde in der Zukunft ohne ein Kind, habe ich gemerkt, dass mir das wichtig ist und ich es unbedingt versuchen will. Mein Tipp wäre daher für andere Frauen in ähnlicher Situation, sich zu fragen: Was wäre dein größter Schmerz: der Verlust deiner Beziehung oder dass du deinen Kinderwunsch für immer begräbst?

Ob man sich für Co-Parenting entscheidet oder für die Solomutterschaft, ist auch typabhängig: Ist man jemand, der gern seinen Weg mit anderen geht, die Kontrolle auch mal abgeben kann und Aufgaben teilt oder will man das lieber alles eigenverantwortlich tun? Auch wenn sich eine Frau für die Co-Elternschaft entscheidet, kann es passieren, dass die Frau schon älter ist und bei der Wahl ihres Co-Partners nicht mehr so genau hinschaut und eher Kompromisse macht, weil der Kinderwunsch so drängend ist, dass sie im Zweifel „irgendjemanden“ nimmt. Aus meiner Sicht ist es, – ähnlich wie beim Privatspender – das Fatalste, das passieren kann, dass man dann so eine wichtige Entscheidung unter Druck fällt und sie nachher bereut.

"Extrem wichtig ist die Ehrlichkeit zu sich selbst. Ich habe mir in meiner Beziehung damals auch zwischendurch einzureden versucht, ich will vielleicht auch gar kein Kind. Doch das war nicht wirklich mein Wunsch. Darüber muss man sich klar werden und sich im Zweifel Hilfe holen wie z.B. in einer Therapie, wie es mir geholfen hat. Dann sieht man einfach klarer und kann besser entscheiden."

Liebe Hanna, vielen Dank für das spannende Gespräch über dein ungewöhnliches Familienmodell und deine offenen und klaren Worte!

Es gibt so viel mehr Familienmodelle als Vater-Mutter-Kind. Traut euch, das zu leben, was für euch und eure Situation richtig erscheint. Familie basiert auf Liebe und Zusammenhalt und diese sind in jeder Konstellation möglich.

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Bildquelle: Autorin: Wanja Chelmis, Cover: Topicus Verlag

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