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Oppositionelles Verhalten und ODD: Ab wann kindliche Blockadehaltung zum Problem wird

Oppositionelles Verhalten und ODD: Ab wann kindliche Blockadehaltung zum Problem wird

Blockadehaltung

Bei der Entwicklung von Kindern ist oppositionelles Verhalten grundsätzlich normal und wichtig. Wenn sich ein Kind mal schreiend im Supermarkt auf dem Boden wälzt, kann das anstrengend und vielleicht peinlich sein, ist aber noch lange kein pathologisches Verhalten. Ab wann die Blockadehaltung des Kindes zum Problem werden kann und was ihr als Eltern tun könnt.

Trotzphasen treten bei fast allen Kindern irgendwann mal auf. Sie werden von Fachleuten häufig als 'leichtes oppositionelles Verhalten' bezeichnet. Anders gesagt: Entwicklungsphasen, gerade des Gehirns, bedeuten häufig auch, dass Kinder bereits erlernte und erworbene soziale Fähigkeiten (noch) nicht nutzen können. Dann kommt es den Eltern gegenüber häufig zum Streit, zu Trotz und zu Verweigerungen.

Und das übrigens auf beiden Seiten. Dem „Ich will das nicht!“ des Kindes steht dann häufig das verunsichert-entnervte „Aber das konntest du doch schon!“ der Eltern gegenüber. Die gute Nachricht ist: Meist handelt es sich um einen ganz normalen Entwicklungsschritt.

Was bedeutet oppositionelles Verhalten?

Unter oppositionellem Verhalten wird aber eine ganze Verhaltensbandbreite verstanden, die auch schwerwiegendere Fälle umfassen kann. Die 'schwerwiegende Oppositionelle Verhaltensstörung', kurz ODD, bedarf einer klinisch gestellten Diagnose und gehört zu den psychosozialen Störungen oder auch den Störungen des Sozialverhaltens. Das ist wichtig, um ODD von anderen Faktoren wie beispielsweise ADHS abzugrenzen.

ODD ist nicht erblich bedingt, sondern sozialisiert. Leichter ausgedrückt: Hier gibt es keine körperliche Anfälligkeit, sondern es sind immer die Lebensumstände, die schweres oppositionelles Verhalten bei Kindern auslösen. ODD kann deshalb auch nur psychologisch betreut werden.

Gründe für oppositionelles Verhalten

Die Ursachen für oppositionelles Verhalten sind nicht zur Gänze bekannt. Überdurchschnittlich häufig scheint es in Familien aufzutreten, in denen es viele lautstarke Konflikte zwischen den einzelnen Familienmitgliedern gibt. Anders gesagt: Wenn die Kommunikation zwischen den Erwachsenen aggressiv und abwertend ist, spiegelt sich das im Verhalten der Kinder wider.

Gerade deshalb ist es bei der Suche nach Ursachen entscheidend, nicht dem Kind oder gar seiner Hirnstruktur die Verantwortung zu geben, sondern gründlich nach familiären Problemen zu suchen.

Vieles, was an Streit unter der Oberfläche brodelt, erreicht unsere Kinder und zeigt sich in zerstörerischem, gewalttätigen und verletzendem Verhalten, gerade den Autoritätspersonen gegenüber.

Wie äußert sich oppositionelles Verhalten gegenüber Eltern?

Aggressives uns oppositionelles Verhalten den Eltern gegenüber äußert sich folgendermaßen:

  • Wutausbrüche, die häufig auftreten und leicht ausgelöst werden
  • Streits und Krisensituationen mit Eltern und anderen Erwachsenen
  • Widerspruch und grundsätzliche Weigerung, Erwachsenen zu folgen
  • Weigerung, Regeln der Eltern anzunehmen
  • Bewusstes Provozieren anderer
  • Treten, Beißen, Schlagen der Eltern
  • Innere und äußere Unruhe und Unaufmerksamkeit
  • Schuld für das eigene Fehlverhalten den Eltern zuschieben
  • Nachtragende Rachsüchtigkeit
  • Impulsives Verhalten wie kleinere Diebstähle

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass vielen der Kinder, die oppositionelles Verhalten den Eltern gegenüber zeigen, eine Reihe an sozialen Kompetenzen fehlt. Mangelnde Selbstregulierung tut ihr Übriges. Durch Grenzüberschreitungen werden so die Rechte und die Würde anderer verletzt (beispielsweise durch Mobbing oder durch Gewalt gegen Tiere), was den Leidensdruck vieler Eltern erklärt – und auch die Suche nach einer Lösung.

Oppositionelles Verhalten und Hochbegabung

Wenn Kinder in ihrer sozialen Entwicklung eingeschränkt sind, Rückschritte machen oder Inselbegabungen unstetem emotionalen und körperlichen Verhalten gegenüberstehen, wird oft über die Verbindung von ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung), Autismus und Hochbegabung gesprochen.

Grundsätzlich ist es sehr schwer, hier definitive Aussagen zu treffen. ADHS oder Autismus haben eine klare erbliche Komponente und zeigen sich teilweise in der Hirnstruktur oder der Hirnchemie. Sie stehen dabei also im klaren Gegensatz zu rein sozialen Störungen.

Im Alltag überlagern sich allerdings häufig die Anzeiger oder ähneln sich. Das liegt zum einen daran, dass über ADHS und Autismus insgesamt nach wie vor viele Vorurteile kursieren (etwa, dass es sich um reine Aufmüpfigkeit handele oder die einzige Form von ADHS die des altbekannten „Zappelphilipps“ sei). So werden nur „sichtbare“ Elemente von ODD und ADHS miteinander verglichen, ohne beiden wirklich gerecht zu werden. Grundsätzlich stellt aber weder die Hochbegabung, noch ADHS oder Autismus ein Problem da, sollten sie denn zusätzlich auftreten oder diagnostiziert werden. Sie sind lediglich ein Aspekt der Persönlichkeit des Kindes, der ganzheitlich mit in eine Lösung einbezogen werden muss.

Was tun gegen oppositionelles Verhalten?

Da die Oppositionelle Verhaltensstörung eine psychosoziale Störung ist, sind die diagnostischen Kriterien sehr variabel. In erster Linie wird versucht, ODD von Depression, Angststörungen und ADHS abzugrenzen, da sich die Therapieansätze deutlich unterscheiden können.

In der Therapie wird nach grundlegenden Problemen in der Familie geschaut und versucht, begleitend auftretende Elemente wie Depressionen oder bestehende Situationen wie ADHS zu erkennen. So wird Raum dafür geschaffen, Probleme und Blockaden aufzulösen, die das schädigende Verhalten verstärken. Viele Aspekte oppositionellen Verhaltens, das überdurchschnittlich häufig bei Kindern auftritt, „verwachsen“ sich mit zunehmendem Alter.

Mein Fazit

Wer ein Kind daheim hat, das in einer schweren Krise steckt und emotional in Not ist, leidet, ganz gleich, ob es professionelle Hilfe gibt oder nicht. Für all diese Extremsituationen gilt folgender Merksatz: Dein Kind macht nichts gegen dich, sondern für sich.

Es geht bei der Betreuung oppositionellen Verhaltens beim Nachwuchs nicht darum, zu gewinnen, sondern ein Team mit dem eigenen Kind zu bilden. Die Autonomiephase, die Abgrenzung und die Hirnentwicklung des Kindes sind normale Elemente des Älterwerdens, selbst wenn eine leichte Form einer sozialen Störung vorliegt.

In Panik verfallen müssen wir bei einzelnen Wutanfällen auch nicht. Rebellion ist ein Zeichen besonders sicherer Bindung beim Kind. Es weiß, dass es protestieren und gegen die Eltern gehen kann und dabei trotzdem sicher ist und weiter geliebt wird. Wo immer der Widerstand und die Rebellion überhand nehmen, können Eltern vor allem in ihre Selbstfürsorge investieren, um die Ruhe zu behalten. Es ist wichtiger, als Eltern die Verbindung zum Kind zu stärken und dort mit viel Liebe Nähe aufzubauen, als in einem endlosen Kampf um Kontrolle gewinnen zu wollen. Wenn wir die Verbindung zu unserem Kind stärken, gewinnen wir letztlich alle.

Bildquelle: Getty Images/yamasan

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