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Frustrationstoleranz: Wie ihr euren Kindern lernt, mit Frust umzugehen

Frustrationstoleranz: Wie ihr euren Kindern lernt, mit Frust umzugehen

Trotz und Wut

Ein kompliziertes Wort für einen noch komplizierteren Entwicklungsschritt. Frustrationstoleranz ist etwas, das Kinder lernen müssen, was aber auf allen Seiten für ordentlich Frust sorgt. Manchmal hilft uns Eltern aber das Wissen, wieso Kinder manche Entwicklungen durchmachen müssen, um gelassener zu bleiben.

"ICH WILL EIN EIS! UND ZWAR JETZT!" Welches Kind hat diesen Satz eigentlich nicht schon mal wütend gebrüllt und uns Eltern damit die Schweißperlen auf die Stirn getrieben? Wie habt ihr in der Situation entschieden, bei der oftmals ja auch alle Augen auf euch ruhen.

Habt ihr nachgegeben und das Eis gekauft, auch wenn ihr es eigentlich gar nicht unbedingt vorhattet? Oder seid ihr bei eurem Nein geblieben, habt es (versuchsweise) ausdiskutiert und ein frustriertes Kind nach Hause begleitet?

Zunächst mal vorweg: Es gibt hier keine richtige und keine falsche Antwort. Denn wie immer ihr die Situation aufgelöst habt, es war in diesem Moment die passende Entscheidung für euch. Ich habe das Beispiel gewählt, um auf etwas ganz anderes aufmerksam zu machen: Kinder müssen soviel lernen und etwas, das dabei elementar wichtig ist, ist Frustrationstoleranz.

Was ist Frustrationstoleranz?

Es handelt sich um die erlernbare Fähigkeit, frustrierende Erlebnisse auszuhalten. Das ist zeitlich begrenzt und muss tatsächlich altersangemessen erfolgen. Es ist total logisch, dass ein sechs Monate altes Baby sehr viel weniger Frust aushalten kann als ein siebenjähriges Kind. Tatsächlich ist es auch sehr individuell, wie viel Frust Kinder aushalten können. Das bedeutet aber nicht, dass wir das nicht mit ihnen lernen sollten.

Wann lernen Kinder Frustrationstoleranz?

Quasi ab ihrer Geburt. Aber sie lernen es nur, wenn ihr ihnen, altersgemäß, die Möglichkeit dazu gebt. Klingt ganz schön hart, oder? Ist aber überhaupt nicht so gemeint. Als ich für mein Buch über Schreibabys recherchierte, sprach ich mit einer Expertin darüber, dass gerade Babys ihre Bedürfnisse ja immer sofort erfüllt bekommen möchten. Und sie stellte klar: Ja, aber auch im Kleinen können wir Eltern hier Frustrationstoleranz üben.

Meist tun wir das sogar intuitiv, etwa, wenn unser Baby weint, während wir noch im Auto sitzen. Die allerwenigsten Eltern fahren sofort rechts ran, um ihr Baby auf den Arm zu nehmen. Stattdessen signalisieren wir mit Worten: Wir sind da, wir haben dich gehört, wir kümmern uns um dich. Und quasi nebenbei erfahren unsere Kinder, dass Warten manchmal nötig ist, sie aber keinen Schaden daran nehmen.

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Förderung der Frustrationstoleranz

Ihr sollt eure Kinder nicht absichtlich frustrieren. Aber sie auch nicht dauerhaft in Watte packen, weil ihr Angst vor ihren Reaktionen habt. Natürlich wird kein Kind die Ansage "Nein, wir gehen heute nicht mehr auf den Spielplatz" mit Jubel entgegennehmen. Das ist auch ok, denkt an euch selbst, wenn etwas, worauf ihr euch gefreut habt, dann doch nicht klappt.

Es ist die Aufgabe von uns Eltern, das auszuhalten. Und gleichzeitig zu ermöglichen, dass Kinder im geschützten Rahmen frustriert sein dürfen. Denn daran wachsen sie ja auch. Kinder müssen nicht alles bekommen, was sie sich wünschen. Das tut ihnen nicht gut.

In jedem Leben kommt der Punkt, an dem Eltern nicht mehr kontrollieren können, was Kinder frustriert, weil sie schlicht die Reaktion anderer Menschen nicht mehr bestimmen können. Und dann sollten eure Kinder eine Ahnung davon bekommen, wie sie mit ihren negativen Gefühlen umgehen.

Umgang mit frustrierten Kindern

Leider bleiben Frustrationen im Leben nicht aus. Und weil Kinder so unterschiedlich damit umgehen (und gleichzeitig nicht jederzeit abrufen können, was sie schon als Baby erfahren haben), müssen wir da als Familie den anstrengenden und meist lauten Weg gehen.

Denn Frust entlädt sich bei Kindern auf vielfältige Art. Manche Kinder schreien, andere hauen oder beißen. Oft sind es körperliche Reaktionen, die sich gegen das frustrierte Kind selbst oder uns als Erwachsene (und in ihren Augen fiese Bestimmer*innen) richtet. Das auszuhalten ist nicht leicht und kostet viel Kraft. Dennoch, es ist ein wichtiger Schritt und wenn wir Eltern das gut begleiten, geben wir unseren Kindern Stärke fürs Leben mit.

Wie aber begleiten wir wütende Kinder gut? Indem wir da sind und den Frust aushalten. Natürlich gibt es Regeln und Grenzen, die ihr familienintern festlegen solltet. Dazu kann zählen:

  • Nicht hauen oder um sich schlagen
  • Nicht beißen
  • Sich nicht selbst verletzen
  • Nicht mit Worten verletzen (kann aber schon mal passieren)
  • Wenn man im Unrecht war, entschuldigen (das gilt für alle Beteiligten!)

Wann sollten Kinder Frust aushalten können?

Mit Eintritt in die Grundschule sollten Kinder ihren Frust soweit im Griff haben, dass sie in der Lage sind, angemessen mit Enttäuschungen umzugehen. Natürlich hilft auch die Schule und die neuen Mitschüler*innen dabei, noch mal ganz anders mit Frust umzugehen. Aber es ist schon gut, wenn eure Kinder bereits Erfahrungen mit dem Thema im Vorfeld gesammelt haben.

Warum ist Frustrationstoleranz wichtig?

Wir wollen die Kinder fähig für das weitere Leben erziehen und mit der Erhöhung des Frustrationspotentials machen wir sie für das Miteinander fitter. Wir alle sind soziale Wesen und für ein harmonisches Miteinander ist es wichtig, dass wir alle lernen, dass es nicht immer nur um uns geht. Alle Menschen sind gleich wichtig.

Das lernen insbesondere Kinder dann sehr anschaulich, wenn sie erkennen, wie sie mit Enttäuschungen und Niederlagen umgehen. Wenn sie darüber reflektieren können, was schiefgelaufen ist und wo die Wut herkommt, die sie manchmal spüren.

Tatsächlich ist dieser Entwicklungsschritt auch eine gute Erinnerung für uns Erwachsene. Denn auch wenn wir gern so tun, als wüssten wir alles, bei der Frustrationstoleranz hapert es oft auch bei uns selbst.

Positives Verhalten sollte gestärkt werden

Positives Verhalten zu bestärken ist extrem wichtig: Wenn sich euere Kinder entspannt und tolerant verhalten, lobt sie. Nicht überschwänglich, aber so, dass sie merken, ihr seht, was passiert.

Wenn ihr mit gutem Beispiel vorangeht und erklärt, wie man aus Niederlagen lernt und dass man nicht gleich in die Luft gehen muss, wenn man mal verliert, bestärkt ihr die Frustrationstoleranz eurer Kinder.

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7 Tipps um die Frustrationstoleranz zu stärken

#1 Üben könnt ihr Frustrationstoleranz, indem ihr euren Kindern beispielsweise kleine Aufgaben übertragt. Das kann von Wäsche zusammenfalten bis Tisch abwischen alles sein. Es ist klar, dass nicht alles gelingen wird. Aber daran wachsen sie.

#2 Erfüllt nicht jeden Wunsch. Kinder brauchen nicht alles immer sofort, nur weil sie danach rufen. Zum einen ist es für sie eine wichtige Erfahrung auf einen Herzenswunsch auch einmal länger zu warten. Und zum anderen macht permanente, prompte Wunscherfüllung nicht glücklich.

#3 Keine Endlosdiskussionen. Kinder können uns, gerade wenn sie etwas nicht tun wollen, in laaaaange Diskussionen verstricken. Das Ziel ist klar: Die Kinder möchten einen Freifahrtschein und sich aus der Affäre ziehen. Lasst euch nicht auf diese Endlosdiskussionen ein, sondern macht deutlich, was ihr von euren Kindern erwartet (Tisch abräumen, Schuhe anziehen). Bietet keinen Verhandlungsspielraum an.

#4 Langeweile ist vollkommen ok. Eltern haben, vollkommen unbegründet, Angst vor der Langeweile ihrer Kinder. Natürlich kommen die erstmal zu euch, wenn sie keine Ahnung haben, was sie eigentlich machen sollen. Haltet das aus und bietet nicht von euch aus Lösungen an. Euer Nachwuchs darf kurz frustriert sein, bevor ihm oder ihr ganz sicher etwas Spannendes einfällt, was dringend ausprobiert werden sollte.

#5 Ausreden lassen üben. Tatsächlich hat auch sich gegenseitig zuhören und ausreden lassen mit Frustrationstoleranz zu tun. Denn Kinder lernen dadurch, dass nicht nur immer sie sprechen dürfen, sondern andere Meinungen ganz genauso wichtig sind. Im Übrigen ist das auch eine gute Vorbereitung auf die Schule, denn hier wollen ja alle Kinder mal drankommen.

#6 Beim Spielen auch mal verlieren. Ja, tun wir irgendwie alle nicht gern. Aber es bringt Kindern auch nichts, wenn wir Eltern sie immer nur gewinnen lassen. Denn andere Kinder werden das nicht tun. Und auch im weiteren Leben wird unser Nachwuchs niemals immer nur auf der Gewinner*innenseite stehen.

#7 Vorbild sein. Wie so oft im Familienalltag seid ihr das wichtigste und beste Vorbild für eure Kinder. Und das eben auch bei der Frustrationstoleranz. Werdet ihr schnell wütend, wenn etwas anders läuft als geplant? Könnt ihr gelassen bleiben, wenn eine Entscheidung nicht zu euren Gunsten ausgeht? Lasst ihr andere ausreden? Kinder lernen am meisten durch nachahmen, also achtet auch darauf, wie ihr euch verhaltet, wenn ihr eine Enttäuschung erlebt.

Meine Meinung

Meine drei Kinder fordern oft genug meine eigene Frustrationstoleranz heraus. Denn natürlich sind wir alle keine Roboter und Gefühle gehören dazu. Deswegen ist es auch so wichtig Kindern zu vermitteln, dass es keine schlechten Gefühle gibt. Auch Wut und Frust sollten gelebt werden. Die Frage ist nur: Wie genau.

Was mich übrigens richtig fuchsig macht, sind Eltern, die aus Angst vor der Wut und Enttäuschung ihrer Kinder niemals nein sagen. Das führte auf dem Spielplatz schon mehrfach zu unschönen Szenen.

Denn nur weil andere Eltern ihrem kleinen Franz-Ferdinand ein nein nicht zumuten wollen, sollen meine Kinder ihre Schippe teilen, mit der sie gerade spielen. Sorry, aber da hört ihr dann von mir ein sehr deutliches nein. (Obwohl ich teilen per se schon wichtig finde. Aber es gibt eben Grenzen.)

Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus / Nadezhda1906

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