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Kind-Krank-Tage: Alle Rechte und Pflichten für uns Eltern

Ausnahmezustand!

Kind-Krank-Tage: Alle Rechte und Pflichten für uns Eltern

Wenn unsere Kinder krank sind, fällt zu Recht die Betreuung durch Kita, Kindergarten oder Tagesmutter weg, an Schule ist nicht zu denken. Als Eltern haben wir dann unter bestimmten Bedingungen das Recht, zuhause zu bleiben - aber nicht immer mit finanzieller Unterstützung. Alles zu den Kind-Krank-Tagen, Kinderkrankengeld und Arten der Krankschreibung.

Besonders in den ersten Lebensjahren und zu den typischen Infektzeiten sind unsere Kinder häufig krank. Kein Wunder, denn ihr Immunsystem muss sich erst ausbilden. Dass dann die Fremdbetreuung wegfällt, ist klar, aber besonders für berufstätige Eltern nicht immer leicht. Selbstständige haben hier einen direkten Verdienstausfall. Seid ihr fest angestellt, dürft ihr laut Sozialgesetzbuch zuhause bleiben – eine Lohnfortzahlung ist da aber nicht garantiert.

Wem stehen Kind-Krank-Tage zu?

Gesetzlich steht allen Angestellten eine bezahlte Freistellung zu, wenn sie unverschuldet von der Arbeit wegbleiben müssen. Hierunter zählt auch die Pflege eines Familienmitgliedes und somit eures kranken Kindes. Allerdings gibt es viele Ausnahmen von der Regelung: So enthalten nicht wenige Tarifverträge und Arbeitsverträge Klauseln, die diese Regelung ausschließen. Das heißt nicht, dass ihr zur Betreuung eures Kindes nicht freigestellt werden könnt – aber, dass ihr in der Zeit nicht von eurem Arbeitgeber bezahlt werdet. Fehlt die Klausel, zahlen Arbeitgeber in der Regel fünf Kind-Krank-Tage pro Kalenderjahr, einige Unternehmen sogar mehr.

Wer zahlt die Kind-Krank-Tage?

Arbeitnehmer können in der Zeit, in der sie ihr krankes Kind betreuen, weiterhin ein Einkommen beziehen. Dieses kann, muss aber nicht vom Arbeitgeber kommen. Ansonsten springt die gesetzliche Krankenkasse ein – aber nur für eine bestimmte Anzahl von Tagen.

Wie werden die Kind-Krank-Tage berechnet?

Angestellte werden laut § 45 SGB V von der Arbeit freigestellt, wenn ihr Kind krank wird. Allerdings sieht das Sozialgesetzbuch keine Bezahlung vor. Seid ihr gesetzlich krankenversichert, springt unter bestimmten Bedingungen aber die Krankenkasse ein und zahlt sogenanntes Kinderkrankengeld. Diese Regelung sieht pro Jahr und Elternteil 10 Kind-Krank-Tage vor, allerdings könnt ihr die Tage auch gegenseitig übertragen. Die Regelung gilt für Kinder, die unter 12 Jahren alt oder pflegebedürftig sind und nur, wenn keine andere Person aus eurem Haushalt (Großeltern, Au-pair, Nanny etc.) sich um euer krankes Kind kümmern kann. Alleinerziehenden stehen 20 Kind-Krank-Tage zu. Bei jedem weiteren Kind in eurem Haushalt erhöht sich die Anzahl der Kind-Krank-Tage (s. unten).

Kind krank: Wie viel Kinderkrankengeld steht mir zu?

Seid ihr gesetzlich krankenversichert, stehen euch je Elternteil pro Jahr 10 Kind-Krank-Tage zu, in denen ihr Kinderkrankengeld von eurer Krankenkasse beziehen könnt. Dieses ist auf maximal 90 % eures Nettogehalts festgesetzt. Der Höchstbetrag wird jährlich neu festgelegt.

Die Voraussetzungen für Kinderkrankengeld:

  • Ihr seid angestellt.
  • Ihr seid (oder euer Kind ist selbst) gesetzlich krankenversichert.
    Euer Kind ist unter 12 Jahren oder behindert/pflegebedürftig.
  • Am ersten Tag der Krankheit muss ein ärztliches Attest vorgelegt und euer Arbeitgeber informiert werden.
  • Keine andere Person im Haushalt (z. B. Partner) kann euer Kind betreuen.
    Bei mehreren Kindern unter 12 Jahren wird der Anspruch auf maximal 25 Tage pro Jahr erhöht.
  • Als Alleinerziehende stehen euch dann maximal 50 Tage zu

Was kann ich tun, wenn die Kind-Krank-Tage aufgebraucht sind?

Sind eure Kind-Krank-Tage von Arbeitgeber und Krankenkasse aufgebraucht (geht gerade in den ersten Kitajahren ratzfatz), ist es wichtig, mit eurem Arbeitgeber zu sprechen und niemals unentschuldigt von der Arbeit fern zu bleiben. Sonst setzt ihr schnell eure Anstellung aufs Spiel.

  • Von zuhause arbeiten: Immer mehr Unternehmen setzen auf flexibles Arbeiten, sodass ihr gegebenenfalls kurzzeitig im Homeoffice arbeiten könnt.
  • Urlaub beantragen: Kurzfristig Urlaub zu beantragen ist eine Möglichkeit, weiterhin Einkommen zu beziehen.
  • Unbezahlte Freistellung beantragen: Unbezahlter Urlaub kann helfen, längere Fehltage zu überbrücken.
  • Kind-Krank-Tage eures Partners in Anspruch nehmen.

Wie kann man Kind-Krank-Tage übertragen?

Habt ihr eure Kind-Krank-Tage aufgebraucht und euer Partner kann nicht einspringen, besteht die Möglichkeit, einige oder alle Tage zu übertragen. Hier ist natürlich vorausgesetzt, dass dieser noch Kind-Krank-Tage übrig hat. Wichtig ist, mit eurem Arbeitgeber zu sprechen, denn dieser muss zustimmen, bevor ihr die Kind-Krank-Tage bei der Krankenkasse einreicht. Die Kassen selbst akzeptieren den Tausch, wenn sich Arbeitgeber und -nehmer einig sind.

Darf ich mich selber krankschreiben lassen, wenn mein Kind krank ist?

Sind die Kind-Krank-Tage aufgebraucht, macht sich bei uns oft Verzweiflung breit, denn bei vielen Familien reichen die Tage einfach nicht aus. Wer sich krankschreiben lässt, um für sein Kind zu sorgen, riskiert aber eine fristlose Kündigung! Anders sieht es aus, wenn ihr selber auch krank seid. In dem Fall, dass euer Partner nicht einspringen kann, steht euch dann übrigens auch eine Haushaltshilfe zu. Hier braucht ihr ein Rezept von eurem Hausarzt, das ihr bei eurer Krankenkasse einreicht.

Welche Notbetreuung ist möglich, wenn mein Kind krank ist?

Es gibt Fälle, in denen ihr euer krankes Kind nicht selbst betreuen könnt. Bei eurem Bürgeramt findet ihr Anlaufstellen für eine Notbetreuung. Die Kosten müsst ihr in der Regel selber tragen, aber sie sind steuerlich absetzbar. Es gibt auch Ausnahmen, in denen die ihr die Kosten nicht übernehmen müsst:

  • Ihr selbst seid krank: Hier können Krankenkasse oder Jugendamt einspringen. Erkundigt euch also direkt, wenn der Fall eintritt.
  • Euer Arbeitgeber beteiligt sich: Ggf. zahlt euer Unternehmen einen Teilbetrag oder zumindest die Vermittlung. Einige Betriebe arbeiten auch eng mit Betreuern zusammen, an die sie euch direkt vermitteln können und deren Kosten dann geringer ausfallen.

Weitere Anlaufstellen für Notbetreuung (vor allem in den großen Städten):

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Durchhalten ...

Ich kenne kaum eine Familie, die mit ihren Kind-Krank-Tagen am Anfang nicht an ihre Grenzen stößt: Mit ein oder mehreren Kids in der Kita sind die meistens schon in der ersten Jahreshälfte aufgebraucht. Denn selbst, wenn es unseren Mäuse wieder besser geht, müssen sie meistens noch einige Tage zuhause bleiben, um eine Ansteckung der anderen zu verhindern. Und so sind wir Eltern im totalen Stress von allen Seiten, wenn wir uns eigentlich um unsere Kleinen kümmern sollten. Toll ist, dass immer mehr Arbeitgeber familienfreundlichere Modelle anbieten. Wir brauchen mehr davon!

Bildquelle: Getty Images/ma-no

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