Depressionen bei Kindern erkennen

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Depressionen bei Kindern erkennen

Wenn Kinder zurückhaltend und still sind, fürchten viele Eltern eine Depression. Depressionen bei Kindern sind jedoch selten. Wie Eltern bei Verdacht auf Depression vorgehen sollten.

Stillere Kinder irritieren Eltern

Auf Erwachsene wirken stillere Kinder oft irritierend oder verunsichernd, weil ihnen die Fähigkeit zu fehlen scheint, sich spontan zu freuen. Manchmal steht in solchen Fällen irgendwann sogar das Wort „Depression“ im Raum. Eltern fürchten verständlicherweise diese Krankheit: Eine Depressionen bei Kindern sind schwer zu fassen, ist nicht einfach und schnell behandelbar wie etwa ein gebrochener Arm. Depressionen bei Kindern geben Eltern das Gefühl, bei der Erziehung der Kinder etwas grundlegend falsch gemacht zu haben.

Depressionen bei Kindern kaum vertreten

Beruhigend zu wissen: richtige Depressionen bei Kindern sind selten, wie Prof. Michael Schulte-Markwort bestätigt. Der Hamburger Kinderpsychiater von der Uniklinik Eppendorf ist als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psycho­somatik und Psychotherapie (DGKJP) einer der führenden Forscher auf dem Gebiet Depressionen bei Kindern. Depressionen bei Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter gibt er mit maximal zwei Prozent an. Das Spektrum auffälligen, aber gesunden Verhaltens ist breit: Die sogenannte Normvarianz umfasst ausgelassene Temperamentsbündel ebenso wie die ernsthaften und schweigsamen Charaktere. „Hoch lebe die Vielfalt!“, meint der Hamburger Psychologe Michael Thiel dazu – und Schulte-Markwort bestätigt: „Es gibt Menschen, die sehr offen in ihren Sozialkontakten sind, es gibt aber auch Menschen, die erst einmal gründlich nachdenken, bevor sie handeln.“

Was zu Depressionen bei Kindern führen kann

An dieser Stelle kommen die Eltern ins Spiel – denn bei der Ausbildung solcher charakteristischer Verhaltensweisen spielt auch die Erblichkeit eine Rolle. „Pränatale Faktoren“, erklärt Schulte-Markwort, „führen zu Vulnerabilität, also zu einer Anfälligkeit. Und in Abhängigkeit von entlastenden oder belastenden Faktoren bildet sich eine Depression aus – oder eben nicht.“ Damit ist gemeint: Die Umwelt des Kindes ist ebenfalls ein erheblicher Faktor.

Depressionen bei Kindern

Eltern können Depressionen bei Kindern erkennen

Scheint Eltern das Verhalten der Kinder ungewöhnlich ernst, sollten sie sich zunächst einmal fragen, inwieweit sie ihre eigene Grundstimmung darin wiederfinden. Wichtig ist außerdem, sich die Lebensumstände der Kinder genau anzuschauen und belastende Faktoren zu erkennen – seien es Streitigkeiten in der Familie, sei es eine neue Situation wie ein Umzug oder der Kindergartenbeginn, sei es Trauer um einen nahen Verwandten. „Eine solche depressive Episode oder Verstimmung muss noch lange keine depressive Störung sein“, sagt Michael Schulte-Markwort. In diesem Zusammenhang liegt es bei den Eltern, zu beurteilen, ob es sich um eine einmalige Erscheinung handelt, oder ob die Kinder dauerhaft bedrückt wirken. Prof. Schulte-Markwort: „Ich appelliere immer an das Expertentum der Eltern, festzustellen: Ist mein Kind aggressiv? Macht es einen verzweifelten Eindruck?“

Stillere Kinder genau beobachten

Soweit Eltern Möglichkeiten sehen, besonders ernste Kinder seelisch zu entlasten, sollten sie diese auch ausschöpfen, sagt Michael Thiel: „Zu sagen: ,Nun werd mal fröhlich‘, reicht da sicherlich nicht. Es geht vielmehr darum, eine positive Grundeinstellung auch vorzuleben. Wenn man so will, ist die beste Maßnahme gegen übermäßige Ernsthaftigkeit ein fröhlicher Familienalltag. Achten Sie darauf, dass es dort mehr zu lachen gibt!“ Lassen sich bei den Lebensumständen der Kinder keine konkreten negativen Faktoren, die Depressionen bei Kindern begünstigen, ausmachen, ist der Weg zum Kinderarzt sinnvoll. „Man soll das Kind aber nicht gleich auf die Psychiatercouch legen. Der Kinderarzt hat schon einen Überblick, was im Rahmen ist und was nicht“, sagt Psychologe Michael Thiel. Der Arzt kann den Eltern auch die Sorge nehmen, Fehler bei der Erziehung gemacht zu haben. Denn in fast allen Fällen wird die Diagnose „ohne Befund“ lauten. Und damit sollten sich Eltern auch zufriedengeben.

Stillere Kinder nicht mit anderen vergleichen

Ständig Vergleiche anzustellen und das eigene Kind als Normabweichler zu betrachten, ist auf jeden Fall kontraproduktiv. Michael Thiel empfiehlt: „Die Grundhaltung sollte sein: Mein Kind ist anders als die anderen – und das ist in Ordnung so!“ Denn die meisten ernsten Kinder fühlen sich wohl in ihrer Haut – solange ihre Umwelt ihnen zeigt: Wir mögen dich – so wie du bist!

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