Kinderaugen, Sehstörungen und Kinderbrillen

Gesundheit

Kinderaugen, Sehstörungen und Kinderbrillen

Alles über Sehstörungen bei Kindern und die richtige Kinderbrille

Augen sind weit mehr als ein Sehorgan: Sie verraten viel über den Menschen und sind Ausdruck seiner Gefühle, seiner Verfassung und seiner Absichten. Gerade große Kuller-Kinderaugen faszinieren uns Erwachsene immer wieder: Wenn sie staunend auf eine Ameisenstraße blicken. Oder uns freudig anstrahlen. Oder ertappt blicken, wenn wir die Kleinen beim Aushecken eines Streichs erwischen. Augen sind der Spiegel der Seele, heißt es. Und sie erleichtern Kindern und Erwachsenen ungemein die Orientierung auf der Welt. Neben dem Hören, Riechen und Fühlen ist das Sehen sicher der bedeutendste Sinn, über den wir Menschen verfügen. Wie farblos die Welt ohne das Sehen wäre, merken wir auf einer Nachtwanderung bei Neumond oder beim Besuch eines „Blinden-Cafés“, das völlig abgedunkelt ist: alles schwarz. Wir erkennen nicht, wohin wir gehen und was um uns herum passiert. Unsicherheit kommt auf.

Interview mit Dr. Karoline Vanselow

Interview mit Dr. Karoline Vanselow

Kinderaugenärztin an der Universitätsklinik Frankfurt am Main Familie&Co: Wie bemerken Eltern eine Sehstörung ihres Kindes?
Karoline Vanselow: Manche Sehstörungen werden direkt durch Veränderungen des Auges sichtbar. Ein heller Punkt in der Pupille, ein hängendes Augenlid, Augenzittern, Schielen oder auffallend große Augen können Anzeichen für Augenerkrankungen sein. Auffälliges Verhalten des Kindes - wie nahes Herangehen an Gegenstände oder häufiges Anstoßen an Kanten - kann auf eine Sehstörung hinweisen. Manches kann auch nur der Augenarzt bei einer Untersuchung feststellen.

Welche Vorsorgeuntersuchungen gibt es?

Im ersten Lebensjahr sollten alle Kinder, in deren Familie eine Augenerkrankung bekannt ist, sowie Frühgeborene und Kinder mit Entwicklungsverzögerungen augenärztlich untersucht werden. Bis zum 24. Lebensmonat sollten auch alle anderen Kinder dem Augenarzt vorgestellt werden. Außerdem kontrolliert der Kinderarzt bei den zwei Vorsorgeuntersuchungen „U7“ und „U8“ routinemäßig die Augen.

Wie sollen Eltern reagieren, wenn sich Kinder am Auge verletzen?

Zunächst einmal Ruhe bewahren! Kleinere Verunreinigungen, z.B. durch Sand, können mit sauberem Wasser gespült oder vorsichtig herausgewischt werden. Kopfverletzungen, Augenprellungen, offene Wunden (vor allem durch Tierbisse) und stark schwellende Insektenstiche muss der Augenarzt untersuchen. Bei schwerwiegenden Verletzungen etwa durch umherfliegende Glassplitter sollte sofort eine Augenklinik aufgesucht werden. Interview: Claudia Mende

Anstrengung und Entspannung für Kinderaugen

Anstrengung und Entspannung für Kinderaugen

Ob mit oder ohne Brille: Augen werden oft größte Höchstleistungen abverlangt, und das beginnt schon im Kindesalter beim Lesen in der Schule und zu Hause, beim Arbeiten und Spielen am Computer oder beim Fernsehen. Mögliche Folge: Ermüdete Augen, in extremen Fällen Muskelkrämpfe. Abhilfe schafft eine kleine Entspannungsübung. Einfach den Blick öfters in die Ferne schweifen lassen und die Augen auf einen weit entfernten Gegenstand richten und ruhen lassen. Schüler, die während einer anstrengenden Schulstunde aus dem Fenster in den Schulhof schauen, tun ihrer Augen-Gesundheit somit durchaus einen Gefallen… Im Alter von etwa drei Jahren können Kinder fast so scharf und klar sehen wie Erwachsene. Allerdings hält die Verarbeitung des Gesehenen im Gehirn nicht ganz mit der Geschwindigkeit des Sehens Schritt. So können Kinder in diesem Alter stehende Autos nicht sicher von fahrenden unterscheiden, sie konzentrieren sich überwiegend auf Objekte in der Mitte des Sehfelds, und wenn sie ein Auto sehen, sind sie sich sicher, dass dessen Fahrer sie ebenfalls gesehen haben muss. Ein Trugschluss, der zu gefährlichen Situationen im Straßenverkehr führen kann! Eltern, Lehrer und Erzieher tun gut daran, den Kindern einzuschärfen, dass das Gesehenwerden längst keine Selbstverständlichkeit ist - auch wenn die Kinder selbst den großen Durchblick haben….

Sehstörungen bei Kindern erkennen

Sehstörungen bei Kindern erkennen

Fehlsichtigkeit tut nicht weh - deswegen sollten Eltern auf Veränderungen an den Augen oder auffälliges Verhalten achten und gegebenenfalls den Kinder- oder Augenarzt aufsuchen Schielen: Wenn die Augen eines Kleinkinds in verschiedene Richtungen blicken, kann das ein Hinweis auf Schielen sein. Manche Kinder schielen nur, wenn sie müde sind. Eltern sollten in jedem Fall die Ursachen abklären lassen, denn in den ersten Lebensjahren kann Schielen gut geheilt werden. Sonst drohen lebenslange Sehprobleme. Weitsichtigkeit: Kann schon im Kindergartenalter auftreten. Hinweise darauf können sein: Ungeschicklichkeiten vor allem beim Arbeiten im (unscharfen) Nahbereich und abendliche Kopfschmerzen, die vom angestrengten Schauen in die Nähe herrühren. Der Augenarzt kann schnell und schmerzlos feststellen, ob eine Weitsichtigkeit vorliegt und gegebenenfalls eine Brille verordnen. Kurzsichtigkeit: Kindern fällt eine Kurzsichtigkeit meistens im Schulalter auf, wenn sie nur schwer von der Tafel lesen können und die Augen zusammenkneifen. Wenn die Leistung Ihres Kinds in der Schule abfällt, kann dies also auch ein Hinweis auf eine beginnende Kurzsichtigkeit sein! Sie tritt in der Regel ab etwa acht bis zehn Jahren ein. Hornhautverkrümmung: Tritt oft gleichzeitig mit Kurz- und Weitsichtigkeit auf und verzerrt das Gesehene: Punkte erscheinen dann z.B. als unscharfe Linien. Brillen und Kontaktlinsen korrigieren diesen Sehfehler (auch Stabsichtigkeit und Astigmatismus genannt). Farbfehlsichtigkeit: Beim Erkennen von Farben werden Rot und Grün verwechselt, z.B. beim Malen oder dem „Lernen“ der Ampel. Diese Rot-Grün-Blindheit kann zwar nicht korrigiert werden, aber mit ein paar Kniffen lernen schon Kinder damit umzugehen.

Augen sind ein ausgeklügeltes System

Augen sind ein ausgeklügeltes System

Die Augen sind ein ausgeklügeltes System, das ein riesiges Farbspektrum erfasst, von ganz nah bis ganz weit blitzschnell scharf stellt, sich wechselnden Lichtverhältnissen automatisch anpasst und extrem detaillierte Bilder an das Gehirn weitermeldet. Dort werden die zwei „Aufnahmen“, die die beiden Augen machen, zu einer einzigen zusammengesetzt - deswegen können wir räumlich sehen. Ein Glück, dass diese wundervollen Organe von Geburt an bestens geschützt sind: Die Lider schließen im Bruchteil einer Sekunde, wenn Fremdkörper die Wimpern berühren, und Tränenflüssigkeit reinigt das Auge ständig von Staubpartikeln. Selbst gegen Sandkörner sind die Augen gewappnet: „Sand im Auge tut zwar sehr weh, gefährlich ist er aber nicht“, sagt der Berliner Augenarzt Dr. Tilo Gutzeit. Mit einer Spülung unter fließendem Wasser können die Körnchen meistens entfernt werden. Und entgegen einer weit verbreiteten Auffassung führt selbst das Lesen bei schummrigem Licht nicht zu „verdorbenen Augen“!

Erbsache: Sehstörungen bei Kindern

Erbsache: Sehstörungen bei Kindern

Gleichwohl kann es in den ersten Lebensjahren zu Fehlfunktionen des Sehorgans kommen. Die häufigsten sind Schielen, Kurz- und Weitsichtigkeit sowie Hornhautverkrümmung („Stabsichtigkeit“). Keine dieser Beeinträchtigungen fällt einem Kind auf Anhieb auf - es ist ja scharfes Sehen nicht gewohnt! Eltern sollten daher besonders auf Veränderungen an den Augen oder häufige Ungeschicklichkeiten ihrer Kinder achten - und dann einen Kinderarzt, Kinderaugenarzt oder Augenarzt mit dem Kind aufsuchen. In den ersten Lebensjahren sind die Chancen am besten, eine Fehlsichtigkeit zu korrigieren. Bei den Vorsorgeuntersuchungen „U7“ und „U8“ im Alter von zwei und vier Jahren überprüft der Kinderarzt zwar automatisch die Augen - doch viele Augenschäden könnten schon früher entdeckt und somit besser behandelt werden, schreibt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in München. „Vor allem stark kurz- oder weitsichtige Eltern oder solche von Frühgeborenen sollten ihre Kinder bereits im Alter von sechs bis zwölf Monaten untersuchen lassen“, sagt Sprecherin Gunhild Kilian-Kornell.

Kinderbrillen

Kinderbrillen

Brillen, die die optischen Fehler der jungen Träger ausgleichen, sind heute kein Grund mehr für Hänseleien - selbst Harry Potter trägt eine! Die Gestelle gibt es in einer modischen Vielfalt wie nie zuvor, und dickes „Panzerglas“ gehört dank hoch brechender Gläser der Vergangenheit an. Kinder sollten überdies leichte Kunststoffgläser benutzen - sie brechen nicht so schnell bei kleineren Unfällen. Auch beim Sport ist Kunststoff optimal; flexible Bügel oder ein Gummiband am Hinterkopf verhindern außerdem das Verrutschen. „Kinderbrillen, die zu einer Verbesserung der Sehleistung führen, werden von den Kindern meist ohne Probleme angenommen“, weiß Dr. Tilo Gutzeit. Kinder, die trotzdem ein „Nasenfahrrad“ scheuen, können auch auf Kontaktlinsen umsteigen: „Nach unseren Erfahrungen können Kontaktlinsen ab dem zehnten Lebensjahr problemlos getragen werden, denn Kinder können sie ab da selbst einsetzen und herausnehmen, und es gehen auch nicht so viele verloren“, so Dr. Gutzeit. Weiteres Plus: Die so genannten formstabilen Kontaktlinsen verlangsamen in vielen Fällen eine fortschreitende Kurzsichtigkeit.

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