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Sind unsere Kinder hoffnungslos überzuckert? Laut Foodwatch schon

Zuckerlimit

Sind unsere Kinder hoffnungslos überzuckert? Laut Foodwatch schon

Laut Verbraucherschutzorganisation Foodwatch haben unsere Kinder am 12. August bereits ihren empfohlenen Zuckerkonsum für ein ganzes Jahr ausgeschöpft. Sie warnt vor der steigenden Zahl übergewichtiger Kinder und fordert die Lebensmittelindustrie zum Handeln auf. Doch sind nicht auch wir Eltern in der Verantwortung?

Der 11. August ist Kinderüberzuckerungstag

Foodwatch deckt als Verbraucherorganisation die Lügen und Hintergründe der Lebensmittelindustrie auf. Aufgrund der hohen Zahlen an fettleibigen Kindern weist die Organisation darauf hin, dass das empfohlene Zuckermaß für Kinder bereits im August eines Jahres erreicht ist. Daher erklären sie den 11. August zum Aktionstag, um auf die Problematik zu verweisen. Grundlage für diese Berechnung seien Daten aus der sogenannten "Donald-Studie" von 2016. Diese untersuchte das Ernährungsverhalten von mehr als 1.000 Kindern und Jugendlichen.

Problematischer Zuckerkonsum

Unsere Kinder und Jugendlichen würden deutlich mehr Zucker konsumieren als die WHO sowie Fachorganisationen wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung oder die Deutsche Diabetes Gesellschaft empfehlen. Minderjährige sollten demnach höchsten 10 Prozent täglicher Kalorien an Zucker aufnehmen, verzehren jedoch tatsächlich über 16 Prozent an Zucker.

Mädchen nehmen etwa 60 Gramm pro Tag zu sich und Jungs im Schnitt ca. 70 Gramm. Das sind bei beiden über 20 Gramm zuviel. Dabei geht es um jenen Zucker, den Hersteller in Lebensmitteln einsetzen und nicht um natürlich vorkommenden Fruchtzucker in Früchten oder Milchprodukten. Die Problematik liegt demnach vor allem in Industriezucker in Getränken, Fertignahrung, Süßwaren und Snacks.

Das fordert Foodwatch von der Politik

Die NGO sieht hier die Problematik vor allem in der Lebensmittelindustrie. Diese fügt vielen Produkten, die Kinder täglich zu sich nehmen, viel zu hohe Mengen an Zucker hinzu, damit Kinder sie mögen. Dabei würden viele Fachgesellschaften seit Jahren Maßnahmen gegen diese Fehlernährung fordern. Ein anderer Aspekt liege im Marketing: Diese Produkte würden mit Strategien beworben, die gesunde Ernährung vortäuschen oder mithilfe von Comicfiguren und Influencern die Kinder direkt ansprechen, um die Lebensmittel attraktiv zu machen.

Süßwaren, Limo und Snacks bescheren der Lebensmittelindustrie besonders große Profite, daher fixt sie Kinder und Jugendliche auf allen Kanälen gezielt auf diese Produkte an. Dies fördert Übergewicht, Adipositas und ernährungsbedingte Krankheiten bei hunderttausenden Kindern und offenbart zugleich das Versagen der Politik, die Schwächsten der Gesellschaft vor den hinterhältigen Strategien der Konzerne zu schützen

Luise Molling, Foodwatch

Die Grünen hätten bereits wie nach dem Beispiel Großbritanniens eine Beschränkung von zielgerichteter Fernsehwerbung für Kinderlebensmittel gefordert. Bundesernährungsministerin Julia Klöckner sei offen dafür gewesen. Doch Foodwatch fordert eine solche Regelung auch für viele andere Marketingkanäle wie Social Media und Gewinnspiele.

Wir finden: Die Eltern sitzen mit im Boot

Die Lebensmittelindustrie ist hier definitiv gefordert. Zucker sollte stärker deklariert werden und es sollte klar sein, welche Produkte auch versteckten Zucker enthalten. Doch wir Eltern sind ebenfalls in der Verantwortung, denn wir kaufen diese Produkte unseren Kindern. Viele Eltern fallen auf solche Marketingstrategien ebenfalls herein, wenn es für Bonbons heißt "Mit allen Vitaminen aus Früchten" oder bei bestimmten Riegeln "der natürliche gesunde Gehalt an Milch" hervorgehoben wird.

Es ist wichtig, dass man beim Kauf jedes Produkts auf die Zutatenliste schaut und sich bewusst wird, was enthalten ist. Ein Riegel ist nie ein gesunder Snack. Die Alternative wäre Obst. Es geht nicht darum, das Kind vollkommen zuckerfrei ernähren zu müssen. Denn dann erreicht man womöglich das Gegenteil und das Kind holt sich den Zucker woanders. Aber bewusster Konsum bei Lebensmitteln ist wichtig und das gilt für Erwachsene und für Jugendliche gleichermaßen.

Katja Nauck
Das sagtKatja Nauck:

Es ist nicht leicht, aber machbar

Wie viel Zucker darf ein Kind essen? Das ist eine ganz schwierige und sehr individuelle Frage, die ihr als Familie für euch beantworten müsst. Heutzutage wissen wir alle, wie schädlich zu viel Zucker ist. Doch es bringt gar nichts, das Kind komplett davon fern zu halten. Sie sollten eher lernen Maß zu halten, aber alles probieren zu dürfen. Wenn sie sich einmal so richtig an Süßkram überfressen haben, wird ihnen das auch eine Lehre sein ... Meistens ;)

Aber viel wichtiger als der offensichtliche Zucker ist der versteckte. Da er sich meist in Fertiglebensmitteln und Getränken verbirgt, kann man hier als Familie noch am leichtesten gegensteuern, indem man frisch kocht und viel selber macht. Und wichtig finde ich: Was für die Kinder gelten soll, dass sollte auch für die Erwachsenen gelten. Wenn mein Kind keinen Kuchen essen soll, dann darf ich mich nicht kuchenmampfend vor ihm hinsetzen. Oder? Gemeinsam einen Obstquark oder gesunden Snack zu zaubern, macht viel mehr Spaß und ist gut für alle. Aber natürlich weiß ich, dass man im Alltag nicht immer die Zeit dafür hat und auf Snacks zurück greift. Dann könnt ihr genau auf die Zutatenliste schauen und konsequent bei der Anzahl sein. Ein Riegel ist ein Riegel und nicht zwei oder drei.

Bildquelle: Getty Images/tatyana_tomsickova

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