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Grippeschutzimpfung für alle Kinder – ist das machbar?

Grippewelle x Corona

Grippeschutzimpfung für alle Kinder – ist das machbar?

Expert*innen raten aktuell, dass sich angesichts der Corona-Pandemie alle Kinder gegen die Grippe impfen lassen sollen. Grundsätzlich ein guter Gedanke, doch es gibt auch Bedenken. 

„Ich empfehle allen Eltern, ihre Kinder in diesem Jahr gegen Influenza impfen zu lassen.“ dieses Zitat macht im Netz aktuell überall die Runde. Professor Johannes Hübner, leitender Oberarzt der Kinderklinik der LMU in München, rief vor wenigen Tagen in der Welt dazu auf, dass alle Kinder die Grippeschutzimpfung bekommen sollen. Schließlich sei bekannt, dass Kinder den Influenza-Virus maßgeblich übertragen.

Gleichzeitig eine größere Grippewelle und die Pandemie kann das Gesundheitssystem nur schwer verkraften

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn

Grippeschutzimpfstoff muss priorisiert werden

Kinderarzt Dr. Till Reckert, baden-württembergischer Landespressesprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte e. V., schließt sich dem Vorschlag grundsätzlich an, bezeichnet ihn aber gleichzeitig als „politischen Schnellschuss mit Nebenwirkungen". Denn diese Empfehlung sei vor allem nicht ad hoc reibungslos umsetzbar. Es mangele an Impfstoffen für alle. Die begrenzte Verfügbarkeit des Impfstoffes mache es derzeit erforderlich zu priorisieren. „Risikopatienten rechtzeitig zu impfen und entsprechend der STIKO-Empfehlungen zu handeln ist daher das Gebot der Stunde", so Reckert.

Die STIKO (Ständige Impfkomission) schrieb bereits im Juli, dass „zum Schutz der Menschen und zur Entlastung des Gesundheitssystems in der kommenden Influenzasaison 2020/21 mit den verfügbaren Impfstoffmengen der größte Effekt erzielbar ist, wenn die Influenzaimpfquoten entsprechend der STIKO-Empfehlung vor allem in den Risikogruppen erheblich gesteigert werden."

Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung wird die jährliche Grippeimpfung von der STIKO allen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen empfohlen, die eine der folgenden Grunderkrankungen haben und so ein höheres Risiko für Komplikationen besitzen:

  • chronische Krankheiten der Atmungsorgane (inkl. Asthma und Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD))
  • Herz- oder Kreislaufkrankheiten
  • Leber- oder Nierenkrankheiten
  • Stoffwechselkrankheiten wie z. B. Diabetes
  • chronische neurologische Krankheiten wie z. B. Multiple Sklerose
  • angeborene oder erworbene Immundefekte
  • HIV-Infektion

Alle impfen, die es wünschen

Dennoch sei es natürlich das Ziel, alle zu impfen, die das wünschen, so Kinderarzt Dr. med. Till Reckert. Laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn solle deis auch möglich sein. Die Bundesregierung habe „zusätzlichen Grippeimpfstoff besorgt. Jeder, der sich und seine Kinder impfen lassen will, sollte und kann das tun", so Spahn.

Der CDU-Politiker empfiehlt aber ebenfalls, dass vor allem Risikogruppen die Grippeschutzimpfung nutzen sollten. Dazu gehören neben Menschen mit Vorerkrankungen auch Menschen über 60 sowie Schwangere.

Das Paul-Ehrlich-Institut schätzt die Mengen an Grippeimpfstoff zum Start der neuen Influenzasaison als ausreichend ein. Es werde davon ausgegangen, dass die Hersteller mindestens 21 Millionen Dosen bereitstellen werden. 13,6 Millionen Dosen seien nach Chargenprüfung bereits für Deutschland freigegeben. Für diese Jahreszeit sei das eine übliche Menge. 21 Millionen Dosen würde bedeuten, dass sich etwa 1/4 der Bevölkerung impfen lassen kann – sofern es nicht zu Lieferengpässen kommt.

Lisa Purrio
Das sagtLisa Purrio:

Maske tragen, Abstand halten

Nicht nur die Grippeschutzimpfung ist jetzt, wo der Herbst Einzug hält, extrem wichtig. Es ist genauso bedeutend, dass wir uns alle an die AHA-Formel halten: Abstand halten – Hygiene beachten – Alltagsmaske tragen. Denn so halten wir nicht nur das Corona-Virus in Schach, wir schaffen es vielleicht auch, die gewöhnliche Grippewelle möglichst klein zu halten.

Bildquelle: Getty Images/Geber86

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