Mädchen und Mathe - na klar!

Kleinkind

Mädchen und Mathe - na klar!

Jungs schneiden in Mathe meist besser ab als Mädchen. Aber woran liegt das? Und wie können Eltern ihren Töchtern die Angst vor Mathe nehmen?

Mathematik gilt in der Schule als klassisches "Hassfach"- allerdings bei beiden Geschlechtern. Die negative Einstellung scheint sich aber vor allem bei Mädchen zu halten, die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Trotz aller Initiativen, wie beispielsweise dem bundesweiten Girl‘s Day, Mädchen für MINT –Berufe (Mathematik-Informatik-Naturwissenschaften-Technik) zu begeistern, sind Studentinnen in der Fächergruppe Mathematik und Naturwissenschaften immer noch unterrepräsentiert. Laut Statistischem Bundesamt lag der Anteil junger Frauen in diesen Fächern im Jahr 2011 bei nur 37 Prozent. Auch ein Blick in die deutsche Pisa-Statistik bestätigt: Jungen schneiden in Mathe besser ab als Mädchen. Aber woran liegt das?

Mythen über Mädchen und Mathe

Der Mythos vom mathematisch-naturwissenschaftlich minderbemittelten Mädchen lebt. Besonders in der Schule. Eine Studie von Psychologen der Universität Chicago zeigt Erschreckendes. Schon in der Grundschule wird Mädchen von ihren Lehrerinnen Angst vor der Mathematik vermittelt. Der Grund ist weniger in Geschlechterklischees zu finden, als in der persönlichen Einstellung der Lehrkräfte. Da die Grundschullehrerinnen selbst unsicher in Mathematik waren, gaben sie das auch an ihre Schülerinnen weiter. Jene Schülerinnen, die dieses Vorurteil glaubten, schnitten am Ende des Jahres in ihren Mathe-Noten schlechter ab. Jungen schienen dagegen vom stereotypen Denken unbeeinflusst. Die Wissenschaftler vermuten, dass der Grund für die leichtere Beeinflussbarkeit der Mädchen in ihrer höheren sozialen Sensibilität liegt. Die Auswirkung dieser Studie auf Grundschülerinnen hierzulande wird im Verhältnis der weiblichen Lehrkräfte deutlich: Um die neunzig Prozent aller Grundschullehrer sind Frauen.

Ich bin schlecht in Mathe!

Befragungen in Deutschland scheinen die Auswirkungen der US-Studie zu bestätigen. Mädchen haben deutlich größere Angst vor Mathe als Jungen. Mädchen schätzen ihre Fähigkeiten in Mathematik einer neuen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zufolge schon in der fünften Klasse schlechter als ein Jungen. Dagegen hielten sich viele Jungen in diesem Alter in Mathe für begabter, als es die Noten rechtfertigen.
Allerdings kommt es darauf an, wann man die Schüler befragt. Forscher der Universität Konstanz fanden besipielsweise heraus, dass der Unterschied in der eigenen Einschätzung sich je nach Situation ändert. Befragte man die Schüler und Schülerinnen während einer Mathe-Stunde nach ihrer Kompetenz, zeigten die Mädchen eine deutlich höhere Angst und bewerteten ihre Fähigkeiten gemäß der Geschlechterklischees deutlich niedriger als die Jungen. Wurden die Schüler und Schülerinnen jedoch in einer laufenden Prüfung gefragt, waren die Unterschiede zwischen den Geschlechtern plötzlich verschwunden. Zudem erbrachten Mädchen und Jungen die gleichen Prüfungsleistungen.
Diese Forschungsergebnisse legen den Schluss nahe, dass nicht unterschiedliche Begabungen zwischen den Geschlechtern Schuld an schlechten Rechenergebnissen und mathematisch-naturwissenschaftlichen Defiziten bei Mädchen sind. Allein weil Mädchen glauben, sie schwächeln in Mathe, rechnen sie auch schlecht - ein klassischer Fall des psychologischen Phänomens der selbsterfüllenden Prophezeiung. Erwartetes Verhalten wird durch eigenes Verhalten entsprechend herbeigeführt oder erfüllt. Das Frappierende: Die unterschiedliche Selbsteinschätzung zwischen Schülerinnen und Schülern bleibt im Fach Mathematik während der gesamten Schulzeit bestehen, wie die Untersuchung des DIW zeigt.
Der DIW-Bildungsforscher Felix Weinhardt erläutert, dass dies auch der Grund sei, warum Frauen mathematisch-naturwissenschaftliche Fächer weitaus seltener studieren als Männer. Mädchen unterschätzen schon sehr früh in ihrer Schulzeit ihre mathematischen Fähigkeiten und entwickeln deswegen Vorlieben für andere Fächer.
Um diesen Effekt auszugleichen, ist es zu spät, Mädchen erst in der Sekundärstufe oder kurz vor dem Studienbeginn für mathematische Fächer zu begeistern. Vielmehr schlägt Felix Weinhardt vor, Mädchen bereits in der Grundschule von ihren vorhandenen mathematischen Fähigkeiten zu überzeugen. Umgekehrt sollten Jungen speziell im Fach Deutsch gefördert werden.

Fit in Mathe: Mädchen richtig motivieren

In Mathematik und Naturwissenschaften sind Mädchen nicht schlechter als Jungen – nur nicht ausreichend motiviert und selbstbewusst genug.

Motivation und Selbstbewusstsein sind der Schlüssel

Zunächst macht es den Anschein, als müsse man sich um Mädchen und ihre schulischen Leistungen wenig Sorgen machen. Mädchen werden häufig angepasster erzogen. Sie werden schon früh, und oft konsequenter als Jungen, von ihren Eltern dazu angehalten, ihr Zimmer aufzuräumen und dafür zu sorgen, dass alles hübsch aussieht. Sie werden darin bestärkt, sich in Geduld zu üben und damit unbewusst angehalten, sich konform zu verhalten. In der Schule wirkt sich diese Erziehung zunächst positiv aus.

Mädchen schreiben schöner, sind ordentlicher mit ihren Schulsachen und machen brav, was von ihnen erwartet wird. All das hilft, dass Mädchen das System Schule wesentlich unproblematischer und sogar erfolgreicher durchlaufen. Allerdings trägt diese erlernte Angepasstheit auch dazu bei, sich stereotypen Erwartungen zu unterwerfen und diese nicht zu hinterfragen. Im Ergebnis erfüllen Mädchen also eher als Jungen die von der Gesellschaft an sie gestellten Erwartungen. Und dazu gehört offenbar auch, sich selbst in mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern wenig zuzutrauen.

Fazit:
In Mathematik und Naturwissenschaften sind Mädchen nicht schlechter als Jungen – nur nicht ausreichend motiviert und selbstbewusst genug.

Gegen die Angst vor Naturwissenschaften

➤ Selbst erfüllende Prophezeiung: Kinder, die selbstsicher an das jeweilige Fach herangehen, trauen sich mehr zu und erzielen bessere Leistungen. Sicher macht Selbstvertrauen allein noch kein Mathe-Genie aus Ihrer Tochter, aber ohne Angst lernt es sich deutlich leichter.
➤ Vorbild-Funktion
: Gehen Sie mit gutem Beispiel voran! Gehen Sie davon aus, dass ihre Tochter in Mathe spitze sein kann. Glauben Sie daran und vermitteln Sie Ihre Überzeugung an Ihr Kind,
➤ Loben: Heben Sie die Erfolge Ihrer Tochter in mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern hervor. Sagen Sie Ihrer Tochter, dass sie gut in diesem Bereich ist.➤ Spielzeug: Schenken Sie Ihrer Tochter Spielzeug, das die mathematisch naturwissenschaftlichen Fähigkeiten trainiert und den Spaß an der Materie weckt. Beispielsweise technische Bausätze, Chemie-Kästen oder Physik-Labors für Kinder.➤ Spielen: Machen Sie mathematische Spiele und lösen Sie mit ihr zusammen Rätsel, die Kombinationsgabe und logische Fähigkeiten trainieren.

Mathe kreativ

Trotz Motivation will der Knopf noch nicht aufgehen? Versuchen Sie es doch mal mit kreativer Nachhilfe zu Hause. Schließlich zeigen sich mathematische Fähigkeiten auch darin, wie gut abstrakte Probleme im Kopf praktisch umgesetzt werden, um diese zu verstehen. Veranschaulichen Sie Bruchrechnen einfach mal mit quadratisch-praktischer Schokolade. Oder die mathematische Zufallsverteilung mit einer Packung bunter Smarties.
Probieren Sie beim Lösen der Hausaufgaben ungewöhnliche Lehrmethoden aus, die auf den natürlichen Spieltrieb ihres Kindes setzen. Rechnen mit positiven und negativen Zahlen? Kein Problem, das Kinderzimmer ist das Reich der negativen Zahlen, die Türschwelle ist die Null und im Flur wohnen die negativen Zahlen.
Zum Beispiel: Löst man eine Aufgabe wie "4 + (-9) = ?" , geht man nun die Zahlen in Schritten und folgt dabei diesen Anweisungen:

• positives Vorzeichen: vorwärts gehen (in Richtung Kinderzimmer)
• negatives Vorzeichen: rückwärts (= mit dem Rücken voran) gehen
• Rechenzeichen plus: einfach stehen bleiben
• Rechenzeichen minus: um 180 Grad drehen

Bildquelle:

iStock,Thinkstock

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