Tipps gegen Mobbing für Eltern und Kinder

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Tipps gegen Mobbing für Eltern und Kinder

Wie Eltern Kindern helfen können, auf Mobbing in der Schule selbstbewusst zu reagieren – und sogar Kraft daraus zu ziehen

So helfen Sie Ihrem Kind bei Mobbing in der Schule

Der Größte, der Kleinste, der Dickste oder der Schmächtigste in der Klasse: Wie Kinder Hänseleien und Mobbing in der Schule begegnen können und es schaffen, sich nicht in die Außenseiterrolle drängen zu lassen:

Die Spötter verwirren

Die meisten Kinder, die gehänselt werden oder Mobbing in der Schule erleben, schämen sich dafür sogar noch – und wehren sich deshalb überhaupt nicht. Aber: Wer einfach nur stumm und traurig in einer Ecke steht, macht es den anderen leicht, immer weiter zu spotten. Wer es aber schafft, ganz ruhig zu bleiben und gelassen zu reagieren, bringt damit die „Angreifer“ oft ganz schön durcheinander. Oft hört damit das Mobbing in der Schule schon auf. Am besten vorher mit Mutti oder Vati als Rollenspiel ausprobieren.

Freunde dazuholen

Wer viel allein ist, wird besonders leicht das Opfer von Mobbing in der Schule. Vielleicht gibt es noch andere Kinder, die ähnliche Probleme haben? Schließt euch doch einfach zusammen – in einer Gruppe, die zusammenhält, ist niemand mehr ein Außenseiter. Und wenn Freunde um euch sind, tut Spott nur halb so weh. Und die anderen werden schnell die Lust daran verlieren, euch zu ärgern.

Den Anführer ansprechen

Fast jede Gruppe von hänselnden Kindern hat einen „Boss“, der das große Wort führt. Die anderen sind Mitläufer, die selbst nicht sicher sind, ob sie sich gerade richtig verhalten. Oft haben sie sogar ein schlechtes Gewissen. Also: Am besten den Wortführer direkt ansprechen und ein bisschen durcheinanderbringen. Vielleicht mit einem „Na, du hast es gerade nötig“ oder „So richtig dünn bist du selbst aber auch nicht“. Schafft man es, ihn damit aus dem Konzept zu bringen, werden seine Mitläufer meist rasch ganz still – und er steht selbst alleine da.

Besonderheit als Markenzeichen

Wer es schafft, sich selbst zu mögen, dem können die anderen gar nicht so viel anhaben. Überleg mal, ob es nicht auch ein paar Vorteile hat, der Größte oder der Jüngste zu sein, und zähle sie den anderen einfach mal auf – das überrascht sie garantiert und das Mobbing in der Schule hört damit schon auf!

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Mobbing in der Schule erkennen

Kinder zeigen typische Symptome, wenn ein Fall von Mobbing in der Schule vorliegt. Sie

  • gehen ungern zur Schule,

  • sind häufig krank,

  • verhalten sich müde und lustlos und

  • haben auch am Nachmittag wenig Lust zum Spielen.

Diplompsychologin Angelika Faas rät Eltern, in dieser Hinsicht sehr wachsam zu sein: „Wenn ein gesundes Kind sich sehr zurückzieht, stecken oft Probleme mit Mitschülern und Mobbing in der Schule dahinter.“ Misstrauisch sollten Eltern auch werden, wenn ihr Nachwuchs Verletzungen hat, deren Herkunft er nicht erklären kann oder will – gerade unter Grundschülern sind Schubsereien keine Seltenheit. Bei Mobbing in der Schule reagieren Kinder unterschiedlich: Um nicht noch unbeliebter zu werden, stellen sie sich zum Beispiel im Unterricht absichtlich begriffsstutzig und kommen deshalb tatsächlich nicht mehr richtig mit. „Kinder haben sehr einfache Urteilsmuster: Etwas ist schwarz oder weiß, gut oder böse – oder eben normal oder abweichend“, sagt die Diplompsychologin Faas. Dabei würden Auffälligkeiten wie Übergewicht oder abstehende Ohren nicht von vornherein bewertet. Zunächst einmal seien diese Beobachtungen für Kinder lediglich ein Hilfsmittel, um andere Menschen besser wiedererkennen und einordnen zu können. Allerdings sei oft nur ein kleiner Schritt nötig, um daraus Feindseligkeit entstehen zu lassen: „Es ist zum Beispiel möglich, dass ein Kind ein anderes beneidet, weil es besonders groß ist. Anstatt dieses Gefühl dauerhaft zuzulassen, versucht es unbewusst, das auffällige Merkmal des anderen abzuwerten – und begegnet ihm mit Ablehnung und Hänseleien“, erklärt die Psychologin. Auch Unsicherheit oder der Wunsch, sich selbst in den Vordergrund zu spielen, könnten ein Auslöser sein, so Faas.

Wie Kinder in der Schule zu Außenseitern werden

Wie Kinder in der Schule zu Außenseitern werden

Wenn ein Kind an den Rand einer Gemeinschaft gedrängt wird, ist dafür natürlich niemals ein Einzelner verantwortlich. Außenseiter werden von Gruppen gemacht, die sich dadurch selbst mehr Stabilität verschaffen wollen. „In jeder Gruppe Gleichgesinnter stecken unweigerlich auch Konkurrenzdenken oder Konfliktpotenzial. Gegen dieses Phänomen hilft nichts so effektiv wie ein gemeinsamer Gegner“, so Angelika Faas. Oft sei sogar zu beobachten, dass Gruppen sich nur über die Ausgrenzung und das Mobbing anderer definieren: „Meist fängt es damit an, dass ein Kind eine Auffälligkeit bei einem anderen benennt. Die Mitschüler haben unbewusst die gleiche Beobachtung gemacht. Wenn sie hören, wie ihre eigenen Gedanken ausgesprochen werden, fühlen sie sich erleichtert und haben den starken Drang, zuzustimmen. Auf diese Art entsteht spontan eine neue Gruppe“, erklärt die Psychologin. Aus diesem neuen Verbund wieder auszusteigen, ist für kein Kind einfach: Denn nur solange es Mitglied der Gruppe bleibt, kann es sicher sein, nicht selbst zum nächsten Opfer von Mobbing zu werden. Und die Furcht davor ist verständlicherweise groß. Zu groß, um dem Unbehagen nachzugeben, dass so manches Kind insgeheim durchaus beschleichen mag, wenn es andere hänselt oder ausgrenzt. Außenseiter müssen also selbst aktiv werden, um ihre leidige Rolle hinter sich zu lassen. Aber das ist natürlich alles andere als einfach: Wer bei Mobbing in der Schule täglich ausgelacht, angegriffen und von allen alleingelassen wird, ist nicht selbstbewusst genug, um seiner Umwelt unbekümmert und schlagfertig entgegenzutreten. Aus dieser Hilflosigkeit entsteht der Wunsch, jeglichen sozialen Kontakt zu vermeiden. Auch für Eltern und Lehrer ist es gar nicht so leicht, sinnvoll gegen Mobbing unter Kindern vorzugehen. Sie haben zwar die Autorität, ein bestimmtes Verhalten innerhalb einer Gruppe zu unterbinden, zur Integration des Außenseiters tragen sie dadurch aber nicht bei. Im Gegenteil: Wer in der Schule Mama oder die Lehrerin „vorschickt“, sinkt in der Achtung der anderen Kinder meist noch weiter. Ganz abgesehen davon, dass auch das Selbstbewusstsein des Außenseiters dabei noch weiter leidet. Bei ihm verfestigt sich lediglich das Gefühl, in einer wichtigen Lebenssituation nicht alleine klargekommen zu sein.

Konflikten nicht ausweichen

Konflikten nicht ausweichen

Wie also sollen Eltern reagieren, wenn Sie feststellen, dass ihr Nachwuchs in der Schule an den Rand gedrängt oder gemobbt wird? „Wenn ein Kind Gewalt oder seelische Grausamkeiten erdulden muss, ist es natürlich unumgänglich, sofort einzuschreiten. Ansonsten ist aber jede unmittelbare Einmischung, wie etwa das Zur-Rede-Stellen der anderen Kinder, tabu“ sagt Angelika Faas. Wenig hilfreich sind auch pauschale Beschwichtigungen oder Verharmlosungen à la: „Die anderen sind eben alle doof, um die musst du dich gar nicht kümmern.“ Raten Sie Ihrem Kind, wenn es von Mobbing in der Schule betroffen ist, auch nicht dazu, Konflikten mit seinen Mitschülern auszuweichen: Nur wer sich den Spöttern stellt, kann irgendwann das Gefühl haben, die soziale Krise aus eigener Kraft überwunden zu haben – und lernt auch noch für das ganze Leben dazu. „Wenn sie sich erst mal überwunden haben, entwickeln gerade schüchterne Kinder oft sogar Lust an der Auseinandersetzung. Geben Sie Ihrem Kind etwas an die Hand, das es entgegnen kann, wenn es auf seine ,Schwäche‘ angesprochen wird. Erzählen Sie ihm etwa, dass auch sein Opa abstehende Ohren hatte und ein toller Kerl war. Oder überlegen Sie gemeinsam, welcher prominente Fußballer das gleiche Problem hat“, rät Angelika Faas. Prinzipiell sollten Kinder lernen, dass eine Besonderheit kein Makel sein muss, sondern, geschickt inszeniert, sogar zum Markenzeichen werden kann. Damit ein Kind dass schafft, muss erst einmal sein Selbstbewusstsein wieder aufgebaut werden. Vermitteln Sie ihm zu Hause viel Anerkennung. Und sorgen Sie dafür, dass es in möglichst vielen, unbelasteten Situationen mit Gleichaltrigen zusammenkommt. „Wer im Sportverein oder im Verwandtenkreis neue Kraft getankt hat, kommt auch mit Hänseleien in der Schule besser zurecht“, so Faas. Ihr Tipp: „Ermutigen Sie Ihr Kind zu Kontakten mit Mitschülern, die ähnliche Probleme haben. In einer Gruppe von Dicken muss sich niemand mehr angreifbar fühlen – und allein ist er auch nicht mehr.“

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