Völkerball-Verbot: Darum wollen Wissenschaftler das Spiel verbannen

Kleinkind

Völkerball-Verbot: Darum wollen Wissenschaftler das Spiel verbannen

Eine kanadische Studie sieht Gefahren in dem Kultspiel. Wir haben darüber mit einem Sportpsychologen gesprochen.

Völkerball: Ist der Schulsportklassiker legales Mobbing?

Völkerball – ein Schulsportklassiker, der die Geister schneidet: Die einen lieben das schnelle und wendige Spiel, das Ducken und das Ausweichen, das schnelle Zielen und Abwerfen des Gegners. Manche Erwachsene erinnern sich aber wohl eher mit leichtem Bauchweh an das Spiel: Schließlich schreit nicht jeder Mensch “hurra!”, wenn es darum geht, sich von einem Ball abschießen zu lassen. Dazu die Sorge, als letzter gewählt zu werden oder sich mit einem Treffer ins Gesicht zu blamieren. Aber ein paar unangenehme Erfahrungen gehören eben zum Sportunterricht dazu – oder etwa nicht? Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Kanada haben sich jetzt im Rahmen einer Studie mit der Wirkung des Spiels auf Schulkinder beschäftigt. Durch eine Befragung kamen sie zu dem Ergebnis, Völkerball wirke "unterdrückend" und "entmenschlichend". Joy Butler, eine der Autorinnen der Studie, setzt den Sport sogar mit legalem Mobbing gleich. Vor allem stärkere Schüler nutzen laut ihr das Spiel, um schwächere Mitschüler zu demütigen.

Oliver Stoll, Professor für Sportpsychologie und Sportpädagogik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, kann die Studienergebnisse nicht ganz nachvollziehen: “Völkerball ist eine Sportart, die schon seit der Turnbewegung in Deutschland existiert. Natürlich ist das historisch betrachtet ein „ritualisiertes Kriegsspiel“, bei dem „zwei Völker“ gegeneinander „kämpfen“. Es ist jedoch gerade in der Schule ausgesprochen beliebt und bei Nutzung eines Softballes komplett schmerzfrei, wenn man getroffen wird.” Kritisiere man den Sport auf die Weise, wie es die kanadische Studie mache, müsse man auch viele andere Sportarten kritisch betrachten: Auch beim Handball, Hockey oder jeglichen Kampfsportarten kämpfen schließlich Menschen gegeneinander, hier sogar mit legalem und manchmal schmerzhaftem Körperkontakt. “Wird ein Softball genutzt, sehe ich keinen Grund Aggressivität oder intentionale Einschüchterung zu postulieren. Dann macht das einfach nur Spaß! Trifft er mich oder nicht? Kann ich ausweichen oder nicht?  Einfach nur spannend! Legales Mobbing sehe ich persönlich da nicht”, so Stoll.

Die Argumente der kanadischen Studie sind dennoch nicht aus den Wolken gegriffen. Kinder werden gemobbt, auch auf dem Sportplatz. Das betrifft aber nicht nur Völkerball. Mobbing ist real und furchtbar, egal wo es geschieht. Deshalb ist es wichtig, dass Lehrkräfte und Eltern ein besonderes Auge darauf haben, wie unsere Kinder miteinander umgehen. Denn Mobbing muss im Keim erstickt werden, auf allen Schauplätzen – in der Turnhalle, im Klassenzimmer, im Internet. Und wenn auffällt, dass Schüler Völkerball dazu nutzen, sich gegenseitig fertig zu machen, dann muss das unterbunden werden. Und das fängt schon bei der demütigenden Wahl der Teammitglieder an.

Quelle der Studie: Stern

Bildquelle:

Getty Images

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