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Die stille Pandemie: So viel Gift steckt in unseren Kindern

Studie

Die stille Pandemie: So viel Gift steckt in unseren Kindern

Eine neue Studie des Kinderhilfswerks Terres des Hommes warnt vor der Belastung von Umweltgiften. Die Situation ist weltweit so verheerend, dass das Hilfswerk sie auch als „stille Pandemie" bezeichnet.

„Schon wenn Kinder zur Welt kommen und bevor sie ihr erstes Wort sagen können, sind ihnen ihre Rechte auf ein menschenwürdiges Leben verwehrt." Zu diesem harten Urteil kommt Baskut Tuncak, Sonderberichterstatter der UNO zu Auswirkungen von Umweltverschmutzung auf die Menschenrechte und Autor der Terre des Hommes-Studie, nicht ohne Grund. Denn Umweltgifte zerstören Leben – das gilt für Kinder noch mehr als für uns Erwachsene.

Ihre kleinen Körper nehmen noch mehr Giftstoffe auf als unsere. Im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht atmen sie mehr Luft ein und nehmen mehr Wasser und Nahrung zu sich. Und sie alle sind extrem mit Umweltgiften belastet – das zeigen die Ergebnisse der Studie.

Bei über 95 % der Kinder in Deutschland lässt sich Plastik im Körper nachweisen

Die Studie fasst verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen zusammen, u. a. haben Forschende das Blut von 3- bis 17-Jährigen untersucht und kommen zu einem alarmierenden Ergebnis: Bei über 95 % der Kinder und Jugendlichen in Deutschland lassen sich verschiedene Plastikinhaltsstoffe im Körper nachweisen.

Aber es kommt noch dicker: Neugeborene auf der ganzen Welt starten heute mit Giftstoffen im Körper ins Leben. 90 % aller Kinder weltweit sind gesundheitsschädlichen Partikeln in der Luft ausgesetzt, die weit über den Grenzwerten der WHO liegen. Jedes Jahr sterben fast 600.000 Kinder aufgrund von Luftverschmutzung. 800 Millionen Kinder haben viel zu hohe Bleiwerte im Blut.

Die giftigen Substanzen werden von Fabriken, Farmen, Minen und anderen Industrieanlagen, Autos und anderen Fahrzeugen, durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe, Abfälle und Wälder freigesetzt. Und auch Spielzeug, Möbel, Baumaterialien und andere Konsumgüter sind Quellen toxischer Substanzen, die der Körper sammelt.

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Diese Giftstoffe schädigen Kinder besonders stark

Terre des Hommes zählt dabei folgende Übeltäter auf:

  • Schwermetalle: „Belastung mit Blei, Quecksilber, Arsen und anderen Giften schädigen die Entwicklung des Gehirns und der Psyche irreversibel und verursachen Atemprobleme, Anämie, Hörschäden, Muskelschwäche,
    Leberleiden, Schäden am Verdauungsapparat, Krebs und Herz-Kreislauf-Krankheiten."
  • Phthalate „sind in Plastik und Körperpflegeprodukten enthalten. Sie können Leber- und Nierenkrebs verursachen, fördern Asthma und Allergien und schädigen die Fortpflanzungsorgane. Studien belegen, dass eine Belastung mit Phthalaten im Mutterleib zu Missbildung der Genitalien, Entwicklungsstörungen und Fettleibigkeit führen können."
  • Per- und polyfluorierte Verbindungen (PFAS) „können in Plastik, Kleidung, Teppichen, Farben, Wachsen, Reinigungsmitteln, Löschschaum,
    beschichteten Pfannen und Lebensmittelverpackungen vorkommen. Sie beeinträchtigen den Hormonhaushalt, können zu Entwicklungsstörungen führen und Krebs verursachen."
  • Pestizide: „Unkrautvernichter, Biozide oder Insektizide verursachen Krebs und Entwicklungsstörungen und schädigen die Gehirnentwicklung."
  • „Über 90 % aller Kinder weltweit sind einer zu hohen Konzentration von gesundheitsschädlichen Partikeln in der Luft ausgesetzt."

„Grenzwerte" sind ein Witz

Jetzt sollte man doch meinen, dass es sicher Grenzwerte geben muss, die das ganze irgendwie regulieren. Grenzwerte gibt es schon, Terres des Hommes bemängelt aber, dass diese für Kinder viel zu hoch seien. Und das, obwohl es mehr als genug Beispiele gebe, wie Gifte Kinder schädigen: So sind laut Süddeutsche beispielsweise Fehlgeburten und Missbildungen in Brasilien und Argentinien dokumentiert, wo Agrarkonzerne großflächig Pestizide versprühen. Und in Frankreich fand man Leukämie-Cluster bei Kindern, die neben Weinbergen aufwachsen.

So richtig sieht sich aber niemand in der Verantwortung, daran etwas zu ändern. Behörden ignorieren, Konzerne lügen oder bedrohen Menschen mit dem Tod, wenn sie für ihre und die Rechte ihrer Kinder kämpfen.

Kinder müssen gesund aufwachsen können, ohne schon im Mutterleib Umweltgifte aufzunehmen. Das Recht auf eine gesunde Umwelt muss national und international gestärkt und verankert werden. Bereits heute legen die UN Kinderrechtskonvention und andere Menschenrechtspakte Rechte fest, die grundlegend mit einer gesunden Umwelt zusammenhängen: Das Recht auf Leben, auf bestmögliche Gesundheit, körperliche Unversehrtheit, Menschenwürde und einen angemessenen Lebensstandard. Kinder haben das Recht auf sauberes Wasser und sichere Lebensmittel, sie haben das Recht, nicht durch Spielzeug oder Kochgeschirr vergiftet zu werden.

Terres des Hommes

Kampagne soll Recht auf gesunde Umwelt durchsetzen

Um an dieser Situation endlich etwas zu ändern, startete Terre des Hommes diesen Mittwoch eine internationale Kampagne. "My Planet - my rights" hat das Ziel, das Recht von Kindern auf eine gesunde Umwelt durchzusetzen.

„Kinder erleben, wie die Zerstörung von Weltklima und Ökosystemen ihre Zukunftschancen ruiniert. Das können wir nicht länger hinnehmen. Deshalb wollen wir mit unserer Kampagne erreichen, dass das Recht der Kinder auf eine gesunde Umwelt in einem Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention verankert wird", sagte Birte Kötter, Vorstandssprecherin von Terre des Hommes. „Damit wären alle Unterzeichnerstaaten verpflichtet, ihre Politik stärker auf das Kindeswohl auszurichten. Das wäre ein Meilenstein für die Lebenschancen zukünftiger Generationen."

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Bildquelle: Getty Images/wacomka

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