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Corona: Wieso sind die Schulen nicht auf eine zweite Welle vorbereitet?

So nicht

Corona: Wieso sind die Schulen nicht auf eine zweite Welle vorbereitet?

Nun haben also alle Bundesländer Ferien. Viele Familien verreisen, auch, weil sie ob der letzten Monate zwischen Homeoffice und Kinderbetreuung einfach eine Auszeit brauchen. Aber was passiert nach der Auszeit? Haben sich die Schulen aufs neue Schuljahr in Corona-Zeiten vorbereitet?

Schulen sind nicht gut vorbereitet

„Alle bisherigen Konzepte können nicht davon ablenken, dass die Schulen weder auf den Normalbetrieb noch auf den Fernunterricht gut vorbereitet sind.“ Dieses vernichtende Urteil fällt Heinz-Peter Meidinger, der Präsident des Lehrerverbands gegenüber der „Bild am Sonntag“.

Weiter erklärt er, dass die Hygienepläne der Länder, die für die Schulen gemacht werden, damit der Regelunterricht wieder stattfinden kann, nicht durchsetzbar sind. „Die Lüftungskonzepte scheitern schon allein daran, dass nicht alle Klassenräume Fenster haben, die man öffnen kann.“ Außerdem werde nicht zwischen jüngeren und älteren Schüler*innen differenziert.

Bisher nur mittelmäßig

Viele Schulen machen business as usual, so, als hätte es Corona nicht gegeben. Schon in drei Wochen kehren die ersten Schüler*innen aus den Ferien zurück und starten in den alten Regelbetrieb. Dabei sieht selbst die Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hier Probleme. Bisher sei es an den Schulen „eher mittelmäßig“ gelaufen, sagte sie der „Bild am Sonntag“. „Wir brauchen einen neuen Aufbruch im Schulwesen“, erklärte Karliczek.

Wo sind die neuen Konzepte?

Doch wie sieht dieser neue Aufbruch aus? Aktuell sind in allen Bundesländern Ferien. Und sicher gibt es Schulen, an denen mit Hochdruck an neuen Konzepten gearbeitet wird. Aber in weiten Teilen wird es ab August bzw. September auch einfach heißen: alles wie immer, zurück zum alten Trott. Die meisten Schulen haben bei der Digitalisierung keinerlei Fortschritte gemacht, haben die Eltern mit der Beschulung ihrer Kinder allein gelassen.

Wo ist die Digitalisierung?

Das Ausdrucken von Arbeitsblättern und die Forderung, Kinder Aufgaben digital ausfüllen zu lassen, brachte viele Familien an Grenzen. Und es scheint sich nichts geändert zu haben. Wenn eine zweite Welle kommt, was angesichts von sinkenden Temperaturen im Herbst/ Winter und mangelnder Durchlüftung der Klassenräume recht wahrscheinlich ist, dann sind die wenigstens Schulen gut vorbereitet.

Dabei ist doch genau jetzt die Zeit, um die Weichen zu stellen, für eine gute, digitale Schulbildung. Wir alle wissen, dass der Schulapparat träge ist. Aber wie Monate verstreichen können, ohne, dass an neuen Konzepten gearbeitet wird, das kann schon wütend machen.

Was machen Eltern mit Schulkindern ab Herbst?

Es wird auch so kommen, dass wir Eltern allein zusehen müssen, wie wir das alles abfedern. Wenn Kinder mit Infekten zuhause bleiben sollen, dann sind die Kindkrank-Tage schnell aufgebraucht. Der Jahresurlaub ist auch schon weg und am Ende wird es heißen: Selbst Schuld, ihr wolltet doch Kinder. Es hat sich einfach überhaupt nichts geändert.

Bildungspflicht statt Schulpflicht

Wir sollten wegkommen von der Schulpflicht und hin zur Bildungspflicht. Denn darum geht es letztendlich: Unsere Kinder sollen Wissen vermittelt bekommen. Ob das immer innerhalb eines Schulgebäudes sein muss, das könnte doch angesichts der Corona-Pandemie und möglichen Ansteckungen auf engstem Raum mal tief greifend diskutiert werden. Es braucht neue Konzepte und Ideen und nicht ein: Wird schon schief gehen, machen wir mal weiter wie bisher. Denn das wir immer auf Kosten von Bildung und Familien gehen.

 

Andrea Zschocher
Das sagtAndrea Zschocher:

Meine Meinung

Ich weiß, dass die Mühlen oft langsam mahlen. Und, dass gerade Bildungspolitik ein sehr träges Feld ist, in dem Änderungen nicht über Nacht möglich sind. Und dennoch habe ich das Gefühl, dass hier viel zu wenig zum Schutz von Schüler*innen und ihren Familien unternommen wird.

Es heißt einfach: Nach den Sommerferien zurück zum Regelbetrieb und dann gucken wir mal, was passiert. Dabei kann sich wohl jede*r vorstellen, was die Folge ist. Und wir Eltern werden im Herbst und Winter zusehen können, wo wir bleiben. Es macht mich unfassbar wütend, dass mal wieder nicht an Kinder und Eltern gedacht wird. Dass hingenommen wird, dass wir allein zurecht kommen müssen, auch wenn Kindkranktage und Urlaub lange aufgebraucht sind.

Bildquelle: getty images / FatCamera

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