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Dänemark öffnet die Schulen: Darum ist das gut und traurig zugleich

Dänemark öffnet die Schulen: Darum ist das gut und traurig zugleich

Es ist so schwer

Dänemark geht einen anderen Weg als Deutschland. Denn das kleine Land öffnete zuerst die Schulen, bevor über weitere Öffnungen überhaupt nachgedacht wurde. Weil in Dänemark in der großen Mehrzahl beide Elternteile arbeiten, war die Öffnung der Kinderbetreuung ein zentrales Anliegen der Regierung. 

"Es ist so schwer, sich nicht zu umarmen."  Das sagt die siebenjährige Skye, die von der britischen BBC zur aktuellen Situation in den dänischen Schulen befragt wurde. Und es bricht einem das Herz, diese Traurigkeit in ihrem Gesicht zu sehen.

Auch in Dänemark: Abstand halten ist Pflicht

Auch die Lehrerin, Camilla Hogstad bestätigt, dass es für die Kinder das Schlimmste ist, dass sie voneinander Abstand halten müssen. Selbst in den Pausen dürfen nur ein paar Kinder miteinander spielen. Aber, immerhin, die Schulen sind wieder geöffnet und damit auch ein wenig Normalität für die Kinder wieder hergestellt.

Wenig Angst vor Corona

Am meisten überrascht war die dänische Lehrerin, dass die Kinder, die in die wieder eröffneten Schulen kamen, keine Ängste oder Sorgen in Bezug auf die neue Situation hatten. Im Vorfeld waren Pläne erstellt worden wie die Lehrer*innen mit den Kindern über ihre Ängste sprechen und ihnen diese bestmöglich nehmen könnten. Doch das war gar nicht nötig, weil die Schüler*innen einfach nur erleichtert waren, dass sie zurück in die Schule gehen durften.

Regeln in Dänemarks Schulen

Es gibt einige Regeln, die eingehalten werden müssen, um eine Ansteckungsgefahr zu minimieren:

  • Jedes Kind darf nur mit einer kleinen Gruppe anderer Kinder in Kontakt kommen, statt 20 Schüler*innen werden nur noch 10 gleichzeitig unterrichtet.
  • Es wurde ein Absperrband durch das Klassenzimmer gerollt, damit der Abstand einhalten werden kann und die Kindergruppen sich nicht vermischen.
  • In den Pausenzeiten werden auch die kleinen Gruppen aus 10 Kindern noch weiter reduziert. Es dürfen immer nur fünf Kinder miteinander spielen.
  • Es darf nur in einem bestimmten, vorher abgesprochenen Radius miteinander gespielt werden. Jede Kleingruppe erhält ein kleines Gebiet zugeteilt.
  • Verschiedene Spiele wie z.b. "Fange" spielen sind verboten.
  • Nach den Pausen auf dem Schulhof müssen alle Kinder mit Wasser und Seife ihre Hände waschen.

Dänemark: Beinahe Normalität

Auf den ersten Blick wirkt alles beinahe normal. Aber zum Einen ist die Situation für die Lehrer*innen überhaupt nicht normal. Sie müssen die Einhaltung der Regeln überwachen, aber auch Unterricht doppelt abhalten. Denn wenn nur eine Hälfte der Kinder anwesend ist, aber alle auf dem gleichen Stand sein sollen, ist doppelter Unterricht für die Lehrenden Pflicht.

Einander umarmen ist nicht möglich

Besonders eindrücklich wird die besondere Situation aber in dem Moment, wo die Kamera auf die Kinder schwenkt, die sich, im Abstand zueinander, selbst umarmen. Weil sie einander nicht in den Arm nehmen dürfen, umarmen sie sich selbst und schauen sich dabei in die Augen. Es sind solche Bilder, die deutlich machen: Von altbekannter Normalität sind wir weit entfernt.

Dänemark: Läuft es wirklich so gut?

Der Schulleiter berichtet, dass es gut laufen würde, weil die Kinder sich gegenseitig daran erinnern, dass sie sich nicht umarmen oder zueinander laufen dürfen. Aber was macht das mit unseren Kindern, wenn sie nun verinnerlichen, dass sie sich nicht zu nahe kommen dürfen, dass sie eine potentielle Gefahr füreinander sind.

Was bedeutet all das für unsere Kinder?

Was bedeutet es für ihr weiteres Aufwachsen, wenn unsere Kinder seit Wochen lernen, dass sie Abstand halten müssen, dass miteinander spielen gefährlich sein kann. Natürlich sind die meisten Kinder froh, dass überhaupt ein Stück Normalität beginnt, dass die bekannte Schule, der vertraute Klassenraum, die Lehrer*innen und Klassenkameraden wieder zum Alltag gehören. Aber ich fürchte, die langfristigen psychischen Folgen, die können wir überhaupt noch nicht absehen.

Quelle: BBC

Mein Fazit

Ich fand diesen Einblick in die Schulöffnung gleichzeitig interessant und sehr traurig. Einerseits ist es für Kinder enorm wichtig, Altbekanntes zurückzubekommen. Die Schulen sind ein wichtiger Faktor dabei, sie sind eine Konstante im Kinderleben. Andererseits ist eben nichts mehr, wie es war. Und wir alle lernen ja gerade diese neue Normalität kennen. Ich habe große Sorge, dass die Kinder dabei auf der Strecke bleiben. Dass wir als Gesellschaft übersehen, was Abstand halten für das Bindungsverhalten von Kindern bedeutet.

Bildquelle: getty images / vejaa

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