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Eltern geben dem Unterricht während und nach der Corona-Pandemie ein "mangelhaft"

Bitkom-Umfrage

Eltern geben dem Unterricht während und nach der Corona-Pandemie ein "mangelhaft"

Der Digitalverband Bitkom startete im August eine Umfrage unter Eltern und weiteren Personen zur Bewertung der Digitalisierung von Schulen. Heraus kam ein ernüchterndes Ergebnis: Eltern sind mit dem Fortschritt des digitalen Unterrichts äußerst unzufrieden und glauben nicht, dass Schulen digital gut auf einen zweiten Lockdown vorbereitet wären.

Der Corona-Lockdown offenbarte massive Defizite bei der Digitalisierung der Schulen

Der Branchenverband Bitkom befragte im August 1.003 Personen ab 6 Jahren, darunter 269 Eltern schulpflichtiger Kinder zu ihrer Meinung gegenüber der Digitalisierung der Schulen. Insgesamt wurde den Schulen während der Coronakrise ein schlechtes Zeugnis ausgestellt: Die Mehrheit der Eltern gaben den Schulen die Note "mangelhaft" für die Fähigkeit, den Unterricht im Falle eines erneuten Lockdowns digital aufrecht erhalten zu können. Mit der Note gerade noch "ausreichend" wird vor allem der Stand der digitalen Bildung bewertet, wenn es um die technische Ausstattung, die Internetanbindung und digitale Unterrichtsinhalte geht.

Bitkom Studie Digitalisierung Schulen Corona

Die Corona-Krise hat unser Bildungssystem vor eine Zerreißprobe gestellt.

Achim Berg, Bitkom-Präsident

Eltern sehen Homeschooling zukünftig als Alternative

Insgesamt vergaben die Eltern die Note 4,2 für die Schulen und drücken damit ihre große Unzufriedenheit aus. Die Corona-Krise hat den Druck auf die Schulen stark erhöht und die Mängel im Bereich der Digitalisierung ans Licht gebracht. Dieser Meinung sind ganze 9 von 10 Befragten. Fast 87 % fordern sogar, dass Homeschooling zum festen Unterrichtsplan gehören soll und und fast 28 % forderten sogar, dass während der Pandemie-Situation weiterhin ausschließlich zu Hause unterrichtet werden solle.

Der Föderalismus des Bildungssystem als "Bremsklotz"

Das Vertrauen in die Schulen, sich auf digital auf einen neuen Lockdown vorbereitet zu haben, schwindet hingegen fast völlig. Die Befragten bewerteten dies mit einer Note von 4,3. Die befragten Eltern vergaben sogar fast ausschließlich eine 4,6 und stellten der digitalen Unterrichtsvorbereitung ein "mangelhaft" aus. Als einen Grund für die Problematik sehen sie den Förderalismus der Bundesregierung. 76 % der Eltern halten ihn für einen "Bremsklotz der Digitalisierung" und zwei Drittel fordern, dass es ein einheitliches Bildungssystem geben sollte.

Technische Ausstattung an Schulen sei miserabel

Die Mehrheit der Eltern und Befragten fordert zudem eine bessere technische Ausstattung der Schulen. 9 von 10 Eltern finden, dass Computer, Smartphones und Tablets Standard in Schulen sein sollten. Ganze 8 von 10 Eltern finden, dass die Schüler nur durch den Einsatz digitaler Technologien auf das Leben und Arbeiten vorbereitet werden können. Sogar dreiviertel der befragten Eltern befürwortet den Informatikunterricht als Pflichtfach ab der fünften Klasse. Eltern denken digital: Nur 3 % der Befragten waren der Meinung, dass Computer & Co. nichts in der Schule zu suchen hätten.

Wert legten die Befragten auch auf die digitale Aus- und Weiterbildung der Lehr- und Fachkräfte, die regelmäßige Fortbildungen zu digitalen Themen besuche und ihre digitalen Kompetenzen erweitern sollten. Fast 93 % der Eltern denken, dass auch die Lehrpläne unbedingt an die Digitalisierung angepasst werden sollten und auch digitale Inhalte wie Lern-Apps oder Arbeitsmaterialien eingesetzt werden sollten.

Zukunftsmodell Smart School?

Um die Digitalisierung in den Schulen ein Schritt weit zu verbessern, schlägt der Bitkom sogenannte Smart Schools vor. Das seien digitale Vorreiterschulen, die vom Verband jährlich bereits für exzellenten digitalen Unterrichts ausgezeichnet würden. Von diesen Schulen könnten die staatlichen Schulen lernen und deren Infrastruktur und pädagogischen Konzepte nutzen.

Mundo: Das neue digitale Medienportal des Bundes

Der Bund würde ebenfalls mit Hochdruck an dem Thema arbeiten und hat heute ein neues Medienportal eingerichtet: "Mundo" soll ein Portal für digitale Unterrichtsmaterialien sein. Es beinhalte Dokumentationen, Bilder, Rundfunkbeiträge usw. und stehe alle Schülern, Lehrern und Erziehungsberechtigten zur Verfügung.

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Quelle: Bitkom-Research, ZDF.de, KMK

Katja Nauck
Das sagtKatja Nauck:

Armutszeugnis

Jahrelang wurde sie gepredigt und dann doch verschlafen: Die vielgepriesene Digitalisierung der Schulen ist dann doch nicht so weit wie die Bundesregierung sich erhoffte. Dass dieses Umfrageergebnis so mies ausfällt, ist für viele Eltern sicherlich keine Überraschung, vielleicht jedoch eher für die Politik und Bildungsminister. Diese sollten sich die Umfrageergebnisse wirklich zu Herzen nehmen und endlich erkennen, welche Möglichkeiten im digitalen Unterricht bestehen. Dass es auf diesem Weg noch viele Herausforderungen gibt, ist klar. Doch vielleicht hat die Krise auch zur Folge, dass sich neue Allianzen schließen und die Vorteile von digitaler Bildung jetzt mehr anerkannt und endlich mal praktisch umgesetzt werden. Das fängt schon damit an, dass Schulen das nötige Geld brauchen für eine ordentliche Internetleitung und Ausstattung mit zeitgemäßen Computern und Software. Dass es oft schon daran scheitert, darf eigentlich wirklich nicht sein.

Bildquelle: Getty Images/RuslanDashinsky

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