Belohnungssystem für Kinder – 10 Tipps, wie es funktioniert

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Belohnungssystem für Kinder – 10 Tipps, wie es funktioniert

Kinder erwarten oft eine Belohnung, wenn sie etwas gut gemacht haben oder sich so verhalten, wie Mama und Papa es möchten. Doch welche Art von Anerkennung ist wofür angebracht? 10 Tipps, die weiterhelfen können.

Dass sie mit einer Belohnung rechnen können, wenn sie brav oder fleißig sind, lernen Kinder schnell. Aber nicht nur die Kleinen wissen Belohnungen zu schätzen - auch im Erwachsenenleben sind sie ja gang und gäbe. Dort heißen sie nur anders: Bonus – oder besser noch bekannt in der Mehrzahl als Boni. Doch Boni sind ein heikles Thema – nicht nur in der weiten Welt der Wirtschaft, auch in der etwas kleineren heimischen Welt der Familie.

Es gibt viele Arten, wie man sein Kind belohnen kann

Belohnungssystem für Kinder - so funktioniert es

Belohnungen, Lob, Anerkennung – wer will das nicht? Schwierig ist es nur, das auch gerecht umzusetzen – und gerade Kinder haben ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden. Daraus resultiert, dass sie wissen wollen, wann und was sie bekommen. Für dich heißt das: Wofür und womit belohne ich mein Kind? Schlussendlich muss jede Familie das für sich selber definieren, was bei ihr eine besondere Belohnung wert ist  – vor allem aber, und das ist sehr wichtig, man muss den Kindern das System auch erklären.

Tipp 1: Definieren

Als erstes musst du dir selber klar werden: Was will ich mit Belohnungen erreichen, was soll mein Kind lernen? Ist es mir wichtig, dass es möglichst bald sich selber anziehen kann, damit es morgens kein Theater mehr gibt, ich rechtzeitig mit ihm in Kindergarten oder Schule ankomme und selber pünktlich im Büro bin? Oder ist es mir wichtiger, dass es abends beim Zubettgehen kein Theater mehr veranstaltet? Du musst also vorab für dich definieren, was bei euch tatsächlich eine Belohnung wert ist, und was nicht.

Tipp 2: Die Regeln erklären

Dinge, die man versteht und einsieht, setzt man leichter und lieber um als etwas, dessen Sinn einem nicht klar ist. Deshalb: Erkläre deinem Kind, warum du möchtest, dass es etwas tut, und was das Kind selber für einen Vorteil davon hat. "Wenn wir pünktlich aus dem Haus kommen, kann ich dich auch früh genug wieder abholen, sodass noch Zeit bleibt für einen Besuch auf dem Spielplatz oder einen Besuch bei einem Spielkameraden." Erklär deinem Kind auch, was Selbstverständlichkeiten wie Zähneputzen und Teller hinaus tragen sind, und was eine Sonderleistung ist, die eine Belohnung verdient. Dein Kind soll einsehen, warum es etwas machen soll – und vor allem soll es begreifen, dass es etwas für sich selber tut. Festzuhalten ist auch, dass es nicht für alles eine Belohnung gibt. Hausaufgaben: nein. Freiwilliges Lernen in den Ferien: ja. Erziehungsexperten sind sich einig: "Am meisten bringt es, wenn das Kind von sich aus etwas will, die Motivation also von innen kommt".

Tipp 3: Das Belohnungssystem

Ihr solltet für euch euer eigenes Belohnungssystem entwickeln. Das kann aussehen, wie es will – es muss nur zu euch und zu eurer Art des Familienlebens passen. Gibt es die verdiente Belohnung sofort im Anschluss an die erbrachte Leistung, oder will dein Kind lieber warten, Punkte oder Sternchen sammeln und am Ende erst seine Belohnung bekommen? Haltet ihr das in einem Buch fest oder will dein Kind seine Leistung lieber an der Magnetwand in der Küche vor Augen haben? Verständigt euch darauf, wie euer Belohnungssystem aussehen soll – und steckt euch ein gemeinsames Ziel, was ihr damit erreichen wollt.

Belohnungssystem mit Sternchen, sichtbar an der Küchenwand: eine schöne Motivation

Tipp 4: Richtig belohnen

Welche Belohnung die passende ist, hängt immer auch davon ab, um welches Kind es sich handelt: Kleinkind oder schon größeres Schulkind und, ganz wichtig und nicht zu vernachlässigen: welches Wesen hat das Kind, welchen Charakter. Eltern mit zwei Kindern kennen das: Jedes Kind ist anders. Das eine freut sich über ein neues Buch, weil es lieber im Zimmer bleibt und liest, das andere hat viel mehr Freude an einem neuen Ballspiel*. Und natürlich sind Belohnungen auch abhängig vom Alter. Über einen Malblock* freut sich eine 4Jährige, eine 14Jährige dagegen nicht mehr.

Tipp 5: Geeignete Belohnungen wählen

  1. Gleich als erstes: Geld zählt nicht dazu. Geld ist nicht sinnlich, und schon gar nicht kindgerecht. Außerdem müssen die Kids in ihrem späteren Leben sich noch genug für ihr Geld anstrengen.

  2. Immer nur Süßigkeiten sind ebenfalls keine gute Option. Ab und zu einmal kann es schon etwas zum Naschen sein – es gibt aber auch gesündere Alternativen wie knackige Nüsse* und besonders leckeres exotisches Obst*

  3. Die Größe der Belohnung muss angemessen sein. Ein neues Videospiel* für einmal Müll runterbringen ist definitiv zu viel.

  4. Es sollten vernünftige Sachen sein, zum Beispiel neue Maltstifte*, eine hübsche Haarschleife oder bunte Schnürsenkel für die Sportschuhe.  

  5. Das Kind darf sich beim Einkaufen etwas aussuchen: zum Beispiel eine Pflanze*, die es dann pflegen darf, oder es darf etwas für andere auswählen: zum Beispiel ein Leckerli* für den Hamster oder das Kaninchen. 

Tipp 6: Nicht nur materielle Belohnungen

Dein Kind darf sich etwas wünschen: sein liebstes Essen, den Lieblingsnachtisch oder Lieblingskuchen. Oder es darf etwas tun, was es sonst nicht darf: eine Stunde länger aufbleiben, einen Lieblingsfilm auf DVD sehen, bei den Eltern im Bett einschlafen ... oder was dein Kind eben besonders liebt.   

Tipp 7: Schenke möglich oft das Wertvollste: Zeit

Für dein Kind ist es wahrscheinlich das Allerschönste, wenn du Zeit für es hast – was im Alltag oft genug nicht möglich ist. Wenn ihr gemeinsam ein Spiel spielt oder etwas zusammen malt oder bastelt, wenn du ihm eine Geschichte erzählst oder eine Gute-Nacht-Geschichte vorliest, oder wenn ihr gemeinsame Erlebnisse plant. Von einer solchen Belohnung für dein Kind hast dann sogar du etwas.

Tipp 8: Belohnung – nicht Bestechung

Eines solltest du nicht vergessen: Es geht in der Erziehung um das Würdigen einer besonderen Leistung des Kindes, die es von sich aus erbracht hat, und nicht darum, es zu einem bestimmten gewünschten Verhalten zu drängen. “Wenn Du das und das tust oder lässt, dann bekommst Du von mir...“ Kinder sind ja auch nicht doof. Solche Aufforderungen können leicht zu einer Erwartungs- oder sogar Forderungshaltung führen: “Was krieg ich dafür?“ - sodass sie ohne versprochene “Belohnung“ bald nichts mehr freiwillig tun.

Tipp 9: Auch Worte zählen

"Toll – gut gemacht, Schatz!". Kinder brauchen nicht für alles eine Belohnung im materiellen Sinn – auch nur ein Lob ist eine Belohnung. Denn es geht in erster Linie um die Anerkennung einer Leistung. Ein solches Lob wirkt darüber hinaus als Bestätigung und Ermutigung: "Du hast alles richtig gemacht - mach weiter so".

Tipp 10: Vorbild sein

Nicht zuletzt bist auch du gefordert. Die besten Erziehungsergebnisse erreichst du, indem du deinem Kind vorlebst, wie du dir euer Leben vorstellst. Vorbild sein ist viel prägender als alle guten Worte und schönen Geschenke. Es sind diese Erlebnisse, die bei Kindern Eindruck machen: wie die Eltern miteinander umgehen, mit ihm, dem Kind und den Geschwistern, mit Oma und Opa, also ihren eigenen Eltern, aber auch mit Menschen außerhalb der Familie. Wie die Erwachsenen sich bei Tisch verhalten, wie sie Meinungsverschiedenheiten lösen, wie liebevoll ihr Umgang miteinander ist. Das alles prägt sogar viel nachhaltiger - und ohne, dass Belohnungen notwendig wären.

Belohnungssystem für Kinder: Du entscheidest, ob und wie

Ob du Belohnungen überhaupt für gut und sinnvoll erachtest musst allein du entscheiden. Am Ende hältst du es eher mit der großen Reform-Pädagogin Maria Montessori, die sagte: "Preise und Strafen sind Anregungen zu unnatürlicher oder erzwungener Bemühung, und deshalb können wir in diesem Zusammenhang nicht von der natürlichen Entwicklung des Kindes sprechen." Maria Montessori sieht dafür einen anderen Weg, die Leistungen von Kindern zu würdigen: "Eine achtsame Wertschätzung und aufmerksame Anerkennung des Kindes ist sicher der bessere Weg als eine materielle Belohnung."

Fazit also: Ob Geschenk oder Schokolade, ob Sternchen oder Lob - Du kannst es Dir aussuchen, wie das Belohnungssystem für dein Kind aussehen soll.

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Bildquelle: Getty Images

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