So wird Ihr Kind zum Team-Player

Entwicklung & Beziehung

So wird Ihr Kind zum Team-Player

Damit Kinder Team-Player werden, müssen ihnen viele bei der Entwicklung helfen: Erzieher, Lehrer und vor allem Eltern. Was Sie bei der Kindererziehung beachten sollten.

Die Eltern - erste Partner auf dem Weg zum Team-Player

„Zunächst ist jedes Kind ein kleiner Egoist“, sagt der Diplom-Psychologe Michael Thiel. „Selbst beim Spielen in der Sandkiste spielen die Knirpse noch parallel - das ist kein Zusammenspiel.“ Kinder sind also anfangs gar nicht in der Lage, den Sinn gemeinsamen Spielens zu sehen; das müssen sie erst lernen. Von den Eltern. Denn sie sind das erste Team, das die Kinder erleben.

Eltern schaffen Grundbedingung für Team-Player, wenn sie...

...Vorbild sind. Oft erlebt ein Kind seine Eltern als „Ablösung": Tagsüber ist Mama da, abends bringt mich Papa ins Bett. Wichtig ist es aber auch, dem Kind vorzuleben, dass viele Dinge zusammen besser klappen oder mehr Spaß machen. Zum Beispiel Rituale wie das gemeinsame Essen.
...ihr Kind lieben. Die Resilienzforschung (Resilienz = seelische Widerstandskraft) zeigt, dass ein Kind die bedingungslose Liebe mindestens einer Bezugsperson braucht, um Vertrauen und Selbstvertrauen zu entwickeln. Und nur, wenn es diese hat, kann es sich in einer Gruppe wohlfühlen. Eine sichere Familienbindung hat also Einfluss auf die Sozialkompetenz und die Entwicklung zum Team-Player.
...kleine Helfer suchen. Ein Kind lernt besonders gut ein Team-Player zu werden, wenn es gebraucht wird. Perfekt ist, wenn Mama oder Papa zeigen, dass sie nicht alles alleine schaffen können. Fleißige Helfer schieben gerne kleine Einkaufswagen, tragen die Becher auf den Esstisch oder fegen mit ihrem Kinderbesen die Blätter weg.
...Team-Spielzeug anbieten. Klar spielen Kinder gerne mit Lego und Bauklötzen. Aber es sollte auch viel Spielzeug angeschafft werden, das sich zum gemeinsamen fantasievollen Spiel eignet, zum Sprechen anregt, zu zweit oder zu mehreren gespielt werden kann.
...Partner sind. Also mit dem Nachwuchs möglichst von Anfang an so sprechen, wie man sich wünscht, dass er mit einem redet: weder im Befehlston noch unterwürfig. Durch diese Kommunikation auf Augenhöhe fördern Eltern unter anderem die Kompromissfähigkeit der Kinder.
...soziales/kooperatives Verhalten fördern - auch durch Vorleben. „Frau Müller kann nicht mehr gut Treppen steigen, also helfe ich ihr.“
...möglichst viele Familienmitglieder ins Team holen. Oma, Opa, Tanten, Onkel - sie alle sind gefragt, denn „Teamarbeit ist Übungssache“, so Michael Thiel. „Je mehr Übung, je vielfältiger die Kommunikation, desto besser.“
...gerne Gäste haben. Kinder sollten erfahren, wie schön es ist, Besuch zu bekommen. Auch eigenen. Damit sie lernen, auf andere Kinder zuzugehen, sich um sie zu kümmern und ein Team-Player werden.
...loslassen und viel Spielzeit schenken, die ihr Kind mit anderen Kindern nutzen kann.

Team-Player: Positiver Einfluss von Vereinen

Vereine sind das i-Tüpfelchen auf dem Weg zum Team-Player

Anders als in der Schule können sich die Kinder einen Verein nach Neigung und Talent frei wählen. Sie sind unter Gleichgesinnten, werden gefördert und haben die Chance, sich unabhängig von schulischen Leistungen und Druck neu zu präsentieren. Ein Trainer ist ein starker Partner, wenn er...

  • ...Vorbild für soziales Engagement ist. Gerade in Vereinen engagieren sich viele Menschen ehrenamtlich, also ohne Gegenleistung.

  • ...begeistern kann. Ein Computer ist kein Ersatz für Freunde. Gelingt es dem Verein, Begeisterung hervorzurufen, werden die Team-Kollegen immer wichtiger.

  • ...Erfolgserlebnisse schafft. Es gibt Kinder, die nur hier aus sich herausgehen. Trainer sollten den Einsatz immer loben, auch bei den schwächeren Kindern.

  • ...Schlüsselqualifikationen vermittelt. Neben Sport und Spaß ist hier das Feld, wo soziale Erfahrungen gewonnen werden. Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Leistungsbereitschaft, Konfliktfähigkeit, Verantwortungsgefühl, Kooperationsbereitschaft - all das macht hier erst den gemeinsamen Erfolg aus.

Zunächst ist Bob der Baumeister der Held. Nach und nach sind seine kleinen Fans selbst zu guten Team-Playern geworden. Doch jetzt folgt der schwierigere Part: Nämlich die Team-Player-Fähigkeit zu bewahren, wenn im Laufe der Jahre die Einzelleistungen wichtiger werden und der Konkurrenzdruck zunimmt. Auch hier können die Erwachsenen den Grundstein legen. Je länger sie nämlich den Wettbewerbsdruck hinausschieben, desto sicherer sind die Sozialkompetenz-Schlüsselqualifikationen, wie Team-Player, im Verhaltensrepertoire verankert. Kindern sind Wettbewerb und Konkurrenz zunächst ziemlich egal. Sie messen sich im Spiel nicht, um einen Sieger oder Verlierer auszuloten, sondern um die eigenen Stärken und Schwächen herauszufinden. Sie können sich freuen, wenn sie gewinnen, gönnen aber auch anderen den Sieg.

Team-Player: Kindergarten als Trainingsfeld

Der Kindergarten als Trainingsfeld für zukünftige Team-Player

Motto: Eine kleine Gemeinschaft hat große Vorteile. Da geht es zwar hoch her, aber die Vorteile des gemeinsamen Spiels liegen auf der Hand: Wenn eine Aufgabe den körperlichen Einsatz mehrerer Kinder erfordert oder man verschiedene Fähigkeiten wunderbar ergänzen kann.

Erzieher unterstützen Ihr Kind auf dem Weg zum Team-Player, wenn sie...

  • ...Gruppenarbeit ermöglichen und viele Situationen schaffen, in denen gemeinsames Tun von Vorteil ist. Ob beim Kanonsingen, Rollenspiel oder Höhlenbauen, Basteln oder Ballspielen.

  • ...sich zurückhalten. Je weniger sich Erwachsene schlichtend und Lösungen vorwegnehmend in kindliches Spiel einmischen, desto besser. Meist lösen Kinder Konflikte gut untereinander und üben so, die eigenen Grenzen auszuloten, ihre Stärken und Schwächen im Vergleich zu anderen Kindern realistisch einzuordnen, eine Sensibilität für andere Menschen zu entwickeln (Empathie).

  • ...Begabungen fördern. Jedes Kind hat besondere Interessen und Talente, die es in klug gewählten Spielen zur Geltung bringen kann.

  • ...Regeln entwickeln. Die erleichtern das Zusammenspiel, denn sie zeigen, dass solidarisches Verhalten und kooperatives Bewusstsein schneller zum Ziel führen als Alleingänge. Außerdem lernen die Kinder, dass Absprachen das gemeinsame Spiel vereinfachen und die eigenen Wünsche manchmal zugunsten der Gruppe zurück gestellt werden müssen.

  • ...Hilfsbereitschaft fördern. Denn jetzt entwickelt sich das moralische Gewissen, das die Kinder zur Hilfsbereitschaft anregt.

Die Schule - letzter Schliff für Team-Player

Die Schule - letzter Schliff für Team-Player

Als Schüler bekommt der künftige Team-Player sozusagen den letzten „Schliff“. Einerseits sind Gruppenarbeit und soziale Kompetenz wichtige Teile des Unterrichts, andererseits wird die eigene „Solo“-Leistung immer wichtiger. Diesen Spagat zu schaffen, an gemeinsamen Zielen zu arbeiten, ohne Individualität und eigene Persönlichkeit aufzugeben - dabei spielt die Schule eine entscheidende Rolle. „Sie sollte Wertschätzung für soziale Kompetenz zeigen und Teamfähigkeit immer wieder durch Verstärkung fördern“, sagt Michael Thiel. „Denn sie kann gezielt gelehrt werden.“

Die Schule macht Ihr Kind zum Team-Player, wenn sie...

  • ...den Vorteil von Gruppenarbeit zeigt. Einige Aufgaben sind überhaupt erst als Team-Player lösbar - und schneller, ideenreicher oder ausgewogener zu schaffen. Umfangreiche Übungen werden auf mehrere Schultern verteilt.

  • ...das Wir-Gefühl fördert. Notendruck bringt Konkurrenzdenken in eine Klasse. Lehrer, denen die Gruppendynamik wichtig ist, bieten während des Unterrichts Möglichkeiten zur Kooperation in Teams, dazu Klassenreisen und gemeinsam organisierte Feste.

  • ...Wertschätzung zeigt. Ein Punkt, den Schüler an Gruppenarbeit nicht mögen, ist die Tatsache, dass der Erfolg allen gehört - auch den weniger engagierten. Kein Problem, wenn es den Lehrern gelingt, jedem Einzelnen im Team für seinen Anteil Wertschätzung zu zeigen.

  • ...Außenseiter und Einzelkämpfer integriert. Das gelingt nur, wenn der Lehrer klar dafür einsteht, dass andere Meinungen toleriert werden, jeder mitmacht und sein Bestes zur Lösung der Aufgabe beiträgt, Angriffe und Beleidigungen nicht geduldet werden.

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