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Jugend in der Corona-Krise: „Wir sind mehr als nur Schüler!"

Neue Studie

Jugend in der Corona-Krise: „Wir sind mehr als nur Schüler!"

Während der Corona-Krise werden Jugendliche vor allem als Schülerinnen und Schüler wahrgenommen. Das fand eine Befragung der Universitäten Hildesheim und Frankfurt heraus. Dabei haben junge Menschen gerade vor allem einen Wunsch.

"Schulen werden geschlossen", "Wann öffnen die Schulen wieder?", "Abiturprüfungen während Corona möglich?" oder "Homeschooling: Herausforderungen und Chancen": Wenn es um Jugendliche und Corona geht, dreht sich eigentlich immer alles um das Thema Schule. Und das sorgt mittlerweile für Wut bei vielen jungen Menschen. Wie eine Studie der Universität Hildesheim nun herausfand, fühlen sich Jugendliche in Deutschland auf ihre Rolle als Schülerinnen und Schüler reduziert und nicht mehr als Mensch mit weiteren Bedürfnissen wahrgenommen.

„Wir Jugendlichen werden doch nur als Schüler gesehen. Wir sollen lernen und lernen und lernen. Warum wird darüber diskutiert die Sommerferien zu kürzen. Politiker denken wie Kapitalisten.“

Ein Studien-Teilnehmer

Die Hälfte der Jugendlichen fühlt sich nicht wahrgenommen

Mehr als 6.000 Jugendliche, durchschnittlich im Alter von bis 15–21 Jahren, nahmen an der Online-Befragung der Universität Frankfurt und der Universität Hildesheim teil. Dabei sticht vor allem ein Ergebnis hervor: Knapp die Hälfte der Befragten bezweifelt, dass ihre Sorgen gehört werden. „Jugendliche wollen nicht nur auf die Rolle als Homeschooler*in reduziert werden“, so Tanja Rusack aus dem Hildesheimer Forschungsteam. Ihr veränderter Lebensalltag und ihre Sorgen werden kaum wahrgenommen. Zudem, ergänzt Johanna Wilmes, die ebenfalls in dem Verbund mitarbeitet: „Die Jugendlichen sehen nicht, dass sie mit ihren Anliegen Gehör finden, die Beteiligungsformate von jungen Menschen scheinen nicht krisenfest“. Laut Studie hätten junge Menschen den Eindruck, dass aktuell die Erwachsenen allein entscheiden, wie sie in der Corona-Krise ihren Alltag zu gestalten haben.

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Junge Menschen verbringen zwar viel Zeit in der Schule, ein großer Teil ihres Lebens spielt sich aber in Sportvereinen, Jugendverbänden oder Jugendzentren ab. Sie engagieren sich in Vereinen und haben ihren Freundeskreis, der vor allem in der Pubertät eine enorm wichtige Rolle spielt. Dass diese Kontakte und Aktivitäten von jetzt auf gleich zum größten Teil weggebrochen sind, wird nicht ausreichend wahrgenommen.

Was viele Jugendliche abfuckt ist das man überhaupt nicht gehört wird, die Tagesschau spricht über Schüler jedoch werden nur die Meinungen von Erwachsenen gezeigt aber nicht von denjenigen die es überhaupt betrifft (die Schüler).

Aussage auf einem Fragebogen

„Man vereinsamt regelrecht, obwohl die Familie da ist"

Insgesamt sind  Jugendliche laut Studie mit ihrer Situation zuhause zufrieden . Mehr als 70 % gaben an, dass es dort immer jemanden gebe, der sich daheim um sie kümmere. Für 4,8 % trifft dies jedoch nicht zu, sie fühlen sich zuhause allein gelassen. Neben der Zufriedenheit mit der Stimmung zu Hause wurde auch abgefragt, wie zufrieden die jungen Menschen mit dem Kontakt zu ihren Freundinnen und Freunden sind. Auf einer Skala von 1 bis 10 liegt die Zufriedenheit im Schnitt bei 4,95, also nur im Mittelfeld. Ein Befragter fasst die Situation so zusammen: „Von jetzt auf gleich nicht mehr raus zu dürfen und seine Freunde nicht mehr sehen können ist eine Zumutung! Man vereinsamt regelrecht, obwohl die Familie da ist."

 

Lisa Purrio
Das sagtLisa Purrio:

Jugendliche wollen als Menschen, nicht nur als Schüler*innen gesehen werden

Was die Studie ganz klar zeigt: Junge Menschen fühlen sich auf ihre Rolle als Schülerinnen und Schüler reduziert. Zu selten kommen sie in der aktuellen Krise zu Wort. Es wird viel über sie berichtet, aber nicht von ihnen selbst. „Ich habe mich noch nie so ohnmächtig gefühlt" wird ein Studienteilnehmer in den Studienergebnissen zitiert. Schule ist wichtig, klar. Aber der Mensch, der hinter jedem einzelnen Schulbankdrücker steckt, ist noch viel wichtiger.

Bildquelle: Unsplash/Ben den Engelsen

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