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#ChallengeAccepted: Wieso mich die Kritik an der Selfie-Challenge nervt

Neue Challenge

#ChallengeAccepted: Wieso mich die Kritik an der Selfie-Challenge nervt

Momentan teilen viele Frauen unter dem Hashtag #ChallengeAccepted Schwarz-Weiß-Fotos bei Instagram. Was dahinter steckt und wieso mich die Kritik daran nervt.

Reese Witherspoon, Gal Gadot, Florence Pugh, Eva Longoria; Natalie Portman: Sie und mittlerweile über fünf Millionen weitere Frauen beteiligen an der neuen Challenge, die unter dem Hashtag #ChallengeAccepted bei Intstagram die Runde macht.

Das steckt hinter #ChallengeAccepted

So ganz weiß wohl keiner, was hinter der neuen Challenge steckt. Laut der  New York Times war es die brasilianischen Journalistin Ana Paula Padrao, die den ersten Post zur Challenge letzte Woche ins Netz stellte. Seitdem beteiligten sich über fünf Millionen Frauen: Sie posteten ebenfalls Schwarz-Weiß-Porträts und forderten Freundinnen dazu auf, es ihnen gleich zu tun. Dass Hintergrund und Ziel der Kampagne nicht ganz klar sind, wird u. a. an Jennifer Anistons Post deutlich, die zu ihrem Schwarz-Weiß-Foto schrieb: „Ich verstehe diese Challenge-Sache nicht wirklich ... aber wer liebt keine guten Gründe, Frauen zu unterstützen!"

Istanbul Konvention als Hintergrund?

Schauspielerin Florence Pugh geht von einer tieferen Bedeutung der Challenge aus: „Mir wurde gesagt, dass die wahre Bedeutung dieses Hashtags und dieses Schwarz-Weiß-Fotos ist, Licht auf die Istanbul Konvention zu werfen. [...] Passt in diesem Sinne euren Hashtag an, wenn ihr es noch nicht getan habt."

Die Istanbul-Konvention ist ein 2014 in Kraft getretener völkerrechtlicher Vertrag. Das Übereinkommen schreibt vor, dass die Gleichstellung der Geschlechter in den Verfassungen und Rechtssystemen der Staaten, die unterzeichnet haben, verankert sein muss. Sämtliche diskriminierenden Vorschriften sind laut der Konvention abzuschaffen, zudem sollen Hilfsangebote für Frauen verbessert werden. 34 Länder haben das Abkommen ratifiziert.

Aktuell wird wieder viel über das Abkommen geredet, denn der polnische Justizminister Zbigniew Ziobro plant Polens Austritt aus der Istanbul-Konvention. Er halte das Abkommen für “Propaganda linker Feministen”.

Ob die Challenge wirklich die Istanbul-Konvention thematisieren möchte, ist nicht klar. Bisher taucht der Hashtag #IstanbulConvention in Verbindung mit #ChallengeAccepted eher selten auf. Laut einer Vielzahl von Posts geht es vielmehr um gegenseitige Unterstützung von Frauen und Empowerment.

Lisa Purrio
Das sagtLisa Purrio:

Wieso mich die Kritik an der Challenge nervt

Ganz egal, was nun letztlich der genaue Hintergrund und das Ziel der Challenge ist: Die Kritiker*innen ließen nicht lange auf sich warten. Statt inszenierter Selfies, brauche es inhaltliche Forderungen, schreibt die taz. Und die Journalistin Alana Levinson forderte: „Anstatt heiße Schwarz-Weiß-Fotos zu posten, warum gewöhnen wir uns nicht mit nahe liegenderen Dingen an Feminismus wie etwa deinen Freund loszuwerden, der dich misshandelt?“

Mich nervt diese Kritik. Natürlich ist es wichtig, dass wir über Feminismus auf inhaltlicher Ebene diskutieren. Aber darf es daneben denn gar nichts anderes mehr geben? Was ist verwerflich daran, wenn sich Frauen gegenseitig dazu auffordern, ein Foto von sich zu teilen? Es bedeutet doch nicht, dass nicht auch gleichzeitig eine inhaltliche Debatte geführt werden kann. Ja, davon gibt es immer noch zu wenige, aber der Hashtag #ChallengeAccepted verhindert sie doch auch nicht. Dieses Schwarz-Weiß-Denken (wie passend!) nervt mich.

Und es ist diese typische herablassende Art, die mich ebenso stört. Es ist ja schön, dass ihr etwas macht, aber ... Die neue Challenge hat sich niemals zur Aufgabe gemacht, die Welt zu verändern. Hier wird meiner Meinung nach ein falscher Maßstab angelegt.

Bildquelle: Getty Images/Charley Gallay

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