Pisa-Studie 2019: Reicht Deutschland eine 3+?

Kluft weitet sich

Pisa-Studie 2019: Reicht Deutschland eine 3+?

Die neue Pisa-Studie 2019 ist raus und es sieht auf den ersten Blick gar nicht so schlecht aus, denn Deutschland befindet sich im oberen Mittelfeld. Aber, besser ging's doch, denn die Kluft zwischen hochkompetenten und schwachen Schülern ist sehr hoch und soziale Herkunft noch immer ein entscheidender Faktor für Schulerfolg!

Pisa-Studie: Eine 3+ für Deutschland

Alle drei Jahre werden in 79 Ländern 15-Jährige im Program for International Student Assessment (PISA) getestet. In Sachen Mathe, Naturwissenschaften und Lesekompetenz liegen die deutschen Schüler und Schülerinnen gar nicht so schlecht, aber ihre Altersgenossen in Estland, Finnland, Hongkong und Irland sind besser. Kann eine hochentwickelte Industrienation mit einer guten 3+ leben? Deutschland liegt im Vergleich mit 79 Ländern auf Platz 20. Was die Lesekompetenz betrifft, finden wir uns bei der Pisa-Studie auf Platz 15 von 37 wieder.

Deutsche Jugendliche sind Lesemuffel

Die Lesekompetenz war 2018 Schwerpunkt der Studie. Man muss sich da nichts vormachen - die Jugendlichen sind eher Lesemuffel: "Ich lese nur, wenn ich muss". Diesen Satz bestätigten 50,3 Prozent und 54,5 Prozent sagten "Ich lese nur, um Informationen zu bekommen, die ich brauche." Zu der Aussage "Lesen ist eines meiner liebsten Hobbys" konnten sich nur 26,4 Prozent aufraffen und lediglich 23,9% befanden: "Ich rede gern mit anderen Leuten über Bücher". Der Satz, den Bibliothekarinnen das Wasser in die Augen treibt "Für mich ist Lesen Zeitverschwendung" kam 34,2 Prozent der Jugendlichen über die Lippen. Mit so einer Einstellung findet sich Deutschland dann auch, was Lesekompetenz betrifft, im unterdurchschnittlichen Bereich.

Kluft zwischen hochkompetent und schwach ist sehr hoch

Was einen dann aber doch noch die Sorgenfalten ins Gesicht treibt, ist die Tatsache, dass die Kluft zwischen den schwachen Lesern und den hochkompetenten Lesern wieder aufgegangen ist. 2009 war das mal anders, aber mittlerweile geht die Schere wieder auf. 29% der Jugendlichen in Gemeinschaftsschulen haben Probleme, Texte zu verstehen. Dagegen gibt es auf Gymnasien 29% hochkompetente Leser und Leserinnen. Auf beiden Seiten ist die Tendenz steigend.

Soziale Herkunft ist entscheidend

Das wiederum bedeutet auch, dass die soziale Herkunft weiterhin entscheidend ist für die schulischen Leistungen. Da liegt Deutschland leider im Spitzenfeld. In kaum einem anderen Land ist der Unterschied so stark. Jugendliche aus privilegierten Verhältnissen liegen mit 113 Punkten vor ihren Klassenkameraden aus dem sozial schwächsten Feld. Der Pisa-Durchschnitt beträgt da 89 Punkte. Hier herrscht Handlungsbedarf.

Allerdings sollte man aber auch sehen, dass sich die gesellschaftlichen Verhältnisse geändert haben. Der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund hat sich auch durch die Integration der Flüchtlinge in den Klassen von 26 Prozent (2009) auf 36 Prozent (2018) erhöht. Das ist auch eine Herausforderung und die ist auch angenommen worden. Trotzdem stimmt es traurig, dass die Chancengleichheit in Deutschland keinen Schub bekommt.

Wir bleiben also im oberen Mittelfeld, sind nicht abgerutscht, aber es könnte schon noch ein bisschen besser werden. Was die Lesekompetenz betrifft, müssen wir wohl wieder auf einen neuen Harry-Potter-Wahn hoffen, der Kinder wieder zum Lesen animiert und sie von der vernichtenden Aussage, dass Lesen nur Zeitverschwendung ist, abbringt.

Bildquelle: Getty Images

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