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Politiker sicher: Schule wie vor Corona kann es nicht geben!

Keinen Plan

Politiker sicher: Schule wie vor Corona kann es nicht geben!

Schule wie wir sie bis Anfang des Jahres kannten, wird es auf unbestimmte Zeit erstmal nicht mehr geben können. Da ist sich zumindest SPD-Politiker Karl Lauterbach sicher.

Maskenpflicht & Abstand halten

In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung erklärte der Epidemiologe, dass wir auf Maskenpflicht auf dem Schulhof und Abstand halten noch einige Monate nicht verzichten werden.

„Lässt man die Masken weg", so Lauterbach, „müssen erkältete Kinder zu Hause bleiben. Aber Sicherheit gibt das nicht, da mit dem Coronavirus infizierte Kinder oft keinerlei Symptome zeigen. Sie bleiben unentdeckt. Gerade deshalb sollten in der Schule möglichst alle Masken tragen."

Unterricht wieder gruppenweise?

Was im Zuge von Abstandhalten auch eine denkbare Strategie wäre, ist die Klassen wieder zu teilen. „Denkbar wäre zum Beispiel, dass wechselweise eine halbe Klasse im Klassenraum lernt und die andere Hälfte zu Hause online am Unterricht teilnimmt." Damit wäre sicher auch vielen Eltern wohler, die ihre Kinder in vollbesetzte Klassenzimmer zurückschicken, in denen Abstand halten unmöglich ist.

Neuinfektionen akzeptieren

Der Verband Leitender Kinder- und Jugendärzte und Kinderchirurgen Deutschlands (VLKKD) sieht das ganz anders. In einem Interview mit der Rheinischen Post forderte er alle dazu auf, „eine gewissen Zahl an Neuinfektionen zu akzeptieren. Das ist sozusagen eingepreist, um das normale Leben aufrechtzuerhalten und gehört zum alltäglichen Risiko.“

Wird für Familien alles getan?

Geht's noch? Wir reden hier immer noch von Menschenleben. Vieles ist in diesen Zeiten unsicher. Mit diesen Unsicherheiten müssen wir Eltern zurecht kommen, in Kauf nehmen, dass unsere Kinder in den Kitas und Schulen nicht vor Corona sicher sind. Aber können wir nicht erwarten, dass alles mögliche getan wird, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren? Statt dessen bekommen wir von einem Verband für Kinder- und Jugendärzten gesagt, dass mögliche Erkrankungen nun mal der Preis dafür sind, dass es in der Wirtschaft weiter läuft wie bisher.

Einheitliche Strategie der Bundesländer

Lauterbach plant anderes. Statt mit der Gefahr zu leben und sie, auch für die Lehrenden einfach hinzunehmen, würde er eine einheitliche Strategie aller Bundesländer begrüßen. Diese müsse Tests, Abstands- und Hygieneregeln, Masken und Lerngruppengrößen umfassen. Eine Empfehlung wollte er selbst nicht abgeben, warb aber dafür, sich mit den „über 150 Studien zur Sicherheit von Schulen und der Übertragung von Sars-CoV-2 bei Kindern" auseinanderzusetzen und einen Kompromiss für alle Bundesländer zu finden.

Das Argument, dass Bildung immer noch Ländersache ist, lässt Lauterbach nicht gelten. Denn hier sollte es ausnahmsweise mal nicht um die Politik, sondern um die Schüler*innen gehen. Es sei nicht leistbar, dass Schulen sich selbstständig durch die Forschungsliteratur lesen.

Das müssen uns die Schüler wert sein

„Nein, wir sollten uns wie am Anfang der Epidemie in Berlin mit den Spezialisten zusammensetzen und auf der Grundlage einer gut zusammengefassten Evidenzlage ein Konzept finden. Und zwar schleunigst. Das macht ein, zwei Tage Arbeit, aber das müssen uns die Schüler wert sein", fordert der SPD-Politiker.

Die Schüler*innen scheinen für Dr. med. Burkhard Rodeck, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin und Chefarzt am Christlichen Kinderhospital Osnabrück nicht ganz so wichtig zu sein. Im Interview mit der Zeit lehnte er einen umfassenden Schutz in den Schulen ab.

Keine Maskenpflicht für Jüngere

„Bei Kindern unter zehn Jahren ist die Maskenpflicht aus unserer Sicht beispielsweise nicht sinnvoll. Erst bei extrem hoher Prävalenz sollte sie auch für sie gelten. Bei Kindern über zehn Jahre sind wir generell, also auch bei niedriger Prävalenz, für eine Maskenpflicht in der Schule. Allerdings nur dort, wo die Kinder nicht den Mindestabstand einhalten können. Also auf Schulhöfen und auf den Gängen.“

Dass die Kinder in überfüllten Klassenzimmern den Mindestabstand gar nicht einhalten können und somit dauerhaft zum Maske tragen angehalten werden müssen, erwähnte Rodeck nicht.

Andrea Zschocher
Das sagtAndrea Zschocher:

Meine Meinung

Viele Eltern schicken ihre Kinder dieser Tage mit Bauchschmerzen in die Schule. Weil außer Maskenpflicht wenig geklärt ist. Ich kann, angesichts solcher Interviews von Kinder- und Jugendärzten verstehen, wenn Eltern irgendwann resignieren oder anfangen, an Verschwörungserzählungen zu glauben. Die eine Seite sagt: Studien zeigen, Kinder sind genauso ansteckend wie Erwachsene und können sich genauso anstecken. Und die andere Seite brüllt: Stimmt nicht, Ansteckung von unter Zehnjährigen ist quasi ausgeschlossen. Das klingt ein bisschen so, als sollte sich jede*r seine Wahrheit aussuchen. Aber so ist es ja nicht.

Und bei all dem wird der Schutz der Kinder in den Hintergrund gedrängt. Unfassbar.

Bildquelle: getty images / iStock / Getty Images Plus / klebercordeiro

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