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Präsenzpflicht: Muss ich mein Kind in die Schule schicken?

Präsenzpflicht: Muss ich mein Kind in die Schule schicken?

Hilfestellung

Die Präsenzpflicht in der Schule wurde lange Zeit gar nicht in Frage gestellt. Es war klar: Kinder müssen in die Schule. Im Zuge der weltweiten Coronapandemie hat sich aber hier einiges getan und das wirft für Eltern Fragen auf. Wir haben mit einem Anwalt für Schulrecht darüber gesprochen.

Zurück zur Präsenzpflicht

In vielen Bundesländern sollen ab dem 22.Februar die Schüler*innen wieder zurück in den Präsenzunterricht. Vielen Eltern bereitet das aber Sorgen, weil sie Angst haben, dass ihre Kinder sich mit dem Coronavirus anstecken könnten. Schüler*innen haben viele Kontakte die größtenteils gar nicht nachvollzogen werden können. Und eine Ansteckung betrifft dann nicht nur das jeweilige Kind sondern immer auch das gesamte Familiengefüge.

Wo ist die Präsenzpflicht an den Schulen ausgesetzt?

Die Präsenzpflicht in der Schule ausgesetzt haben aktuell

  • Baden-Württemberg
  • Bayern
  • Berlin
  • Brandenburg
  • Hamburg (bis Anfang März ausschließlich Distanzunterricht)
  • Niedersachsen
  • Saarland
  • Sachsen (ab 15.02.)
  • Sachsen-Anhalt (ab 15.02.)

In diesen Bundesländern könnt ihr ab dem 22. Februar eure (Grundschul)Kinder wieder in die Schule geben, ihr müsst es aber nicht. Ihr dürft, wenn euch das sicherer erscheint, eure Kinder auch bis auf Widerruf im Distanzlernen selbst unterrichten bzw. sie zum Selbstlernen animieren.

Für Schüler*innen ab Klasse 4 wird weiterhin in erster Linie Distanzuntericht angeboten, so dass die Präsenzspflicht hier generell ausgesetzt bleibt.

Wo gilt die Präsenzpflicht an den Schulen?

Zumindest bis Klassenstufe 3 besteht für Schüler*innen Präsenzpflicht in

  • Bremen
  • Hessen (allerdings im Wechsel mit Distanzunterricht)
  • Nordrhein-Westfalen
  • Mecklenburg-Vorpommern (ab 24. 02. bis Klassenstufe 6)
  • Rheinland-Pfalz
  • Schleswig-Holstein

Für Schüler*innen ab Klasse 4 wird weiterhin in erster Linie Distanzuntericht angeboten, so dass die Präsenzspflicht hier generell ausgesetzt bleibt.

Thüringen hat als einziges Bundesland noch keinen Beschluss gefasst. Alle Angaben sind Momentaufnahmen, natürlich kann es kurzfristig und angepasst an die aktuellen Entwicklungen zu Änderungen kommen. Eure Schule wird euch da detaillierter informieren als wir es können.

Präsenzpflicht: Muss ich mein Kind in die Schule schicken?

Die kurze Antwort: Ja! Tatsächlich könnt ihr euch nicht einfach über die Präsenzpflicht hinwegsetzen. Das gilt auch in den Zeiten der Coronapandemie. Im Detail ist natürlich alles eine Ermessensfrage und es kann sein, dass  bei euch im Einzelfall, wenn besondere Umstände vorliegen, die Präsenzpflicht für euren Nachwuchs ausgesetzt wird. Das ist aber eine Einzelfallentscheidung, die ihr in enger Absprache mit der Schule und den behandelnden Ärzten oder Ärztinnen eurer Kinder treffen solltet.

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Das sagt der Anwalt zur Präsenzpflicht

Der Berliner Rechtsanwalt und Fachanwalt für Verwaltungsrecht, Andreas Jakubietz, ist spezialisiert auf Schulrecht. Er erklärt, dass die "Durchsetzung der Schulpflicht ein hohes Gut" ist. Das hat mit Teilhabe zu tun, auch dies ist "ein Rechtsgut und das hat ein hohes Gewicht". Auch wenn ihr sagt, dass eure Kinder vielleicht besser zuhause mit euch als Lehrer*innen aufgehoben sind, es gibt deutschlandweit viele Kinder, bei denen das anders ist.

Diese Kinder sind darauf angewiesen, dass der Schulstoff nicht von Eltern vermittelt wird, sondern von Lehrpersonen, damit sie eine Chance auf Bildung bekommen. Dies gelingt mithilfe der Präsenzpflicht am besten, weil Kinder hier am besten und nachhaltigsten lernen können.

Präsenzpflicht in der Schule während Corona?

Einerseits gibt es das Grundrecht auf Leben und körperliche Unversehrtheit, auf das sich viele Eltern berufen, wenn sie beschließen, ihre Kinder nicht (mehr) in die Schule zu schicken. Die Angst vor einer Ansteckung ist groß. Andererseits gibt es aber auch das Recht auf Bildung. Der Rechtsanwalt Jakubietz erklärt, dass die beiden Rechte eigentlich nicht gegeneinander abgewogen werden können. Genau das empfinden wir Eltern ja auch so.

Der Fachanwalt für Verwaltungsrecht führt aus, dass in der Praxis die Präsenzpflicht in der Schule gewinnt, solange der Staat dabei seine Schutzpflichten nicht verletzt. Die Hygienekonzepte, die an Schulen umgesetzt werden, sind als solch eine Maßnahme zu verstehen. Durch diese Konzepte wird es möglich, dass das Grundrecht auf Bildung und Teilhabe umgesetzt werden kann.

Niemand wird außen vor gelassen. Auf Grundlage dessen wird der Präsenzpflicht der Vorrang eingeräumt. Vereinfacht gesagt: Gibt es an eurer Schule ein Hygienekonzept, ist beispielsweise das Tragen von Masken Pflicht, wird Abstand gehalten und werden die Klassen geteilt, dann müsst ihr eure Kinder in die Schule schicken.

Was passiert, wenn ich mein Kind nicht in die Schule gehen lasse?

Wenn ihr beschließt, eure Kinder auf gar keinen Fall in die Schule zu schicken, auch wenn die Präsenzpflicht wieder gilt, dann droht euch ein Bußgeld. Wie hoch das ausfällt, ist im Einzelfall ganz unterschiedlich. Habt ihr gute Gründe dafür, eure Kinder von der Schule fernzuhalten, dann sprecht diese bei der Schule an. Vielleicht ergeben sich Lösungen.

Gilt die Präsenzpflicht für ganz Deutschland?

Dank des Föderalismus gibt es keine bundesdeutschen einheitlichen Regelungen, ob die Präsenzpflicht an den Schulen besteht oder nicht. Jedes Bundesland verfährt in diesen Zeiten da anders.

Was bedeutet Präsenzpflicht in der Schule?

Die Pflicht, anwesend zu sein. Das klingt erstmal nicht besonders spannend, denn ja, erstmal müssen eure Kinder nur anwesend sein. Aber natürlich wird im weiteren Verlauf auch Mitarbeit und Eigeninitiative erwartet. Ebenso wichtig ist, dass die Kinder miteinander in Interaktion kommen. Unmittelbares Feedback von Lehrer*innen ist für das Verständnis des Schulstoffes gerade in der Grundschulzeit ebenfalls wichtig. Das ist im Distanzunterricht so nicht möglich.

Meine Meinung

Gibt man das Kind in die Schule oder besser nicht? Zumindest in den Bundesländern in denen aktuell die Präsenzpflicht noch ausgesetzt ist, ist das eine Frage die sich Eltern ganz individuell selbst beantworten müssen. Verständnis habe ich für beide Seiten.

Natürlich wollen die Kinder ihre Freund*innen wiedersehen und wenn wir ehrlich sind, vielleicht sogar die Lehrer*innen. Denn die allermeisten von uns Eltern sind nicht dafür gemacht, unsere eigenen Kinder zu unterrichten. Wir können ihnen viel beibringen, aber das ist sicher nicht immer der Stoff, der gerade auf dem Lehrplan steht.

Genauso nachvollziehbar finde ich es aber auch, wenn Eltern aus Angst vor Ansteckung und Sorge um den Nachwuchs oder sich selbst, ihre Kinder weiterhin im Distanzunterricht sehen wollen. Gerade wenn in der Familie jemand ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf hat, will man verständlicherweise die Kontakte minimieren.

 

Bildquelle: getty images/ iStock / Getty Images Plus/ Drazen Zigic

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