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Laut Studie: Brauchen unsere Lehrer jetzt selbst Nachhilfe in Medienkunde?

Deutliche Mängel

Laut Studie: Brauchen unsere Lehrer jetzt selbst Nachhilfe in Medienkunde?

Lehrer halten die Vermittlung von Nachrichtenkompetenz für eine der wichtigsten Bildungsaufgaben an Schulen. Eine aktuelle Studie, bei der 500 Lehrer in ganz Deutschland befragt wurden, kam jedoch zu dem Ergebnis, dass die Lehrenden selbst deutliche Defizite in dem Bereich hätten.

Schwächen im Lehrplan und in der Vermittlung von Medienkompetenz

Die Studie zur Medienkompetenz von Lehrern wurde im Frühjahr dieses Jahres von der Stiftervereinigung der Presse in Auftrag gegeben und mit über 500 Lehrkräften an Real-, Gesamtschulen und Gymnasien durchgeführt. Dabei wurden vor allem die Lehrenden der Stufen 7 bis 10 befragt, die ein sozialwissenschaftliches Fach oder Deutsch unterrichteten.

Das Ergebnis der Studie ist eher ernüchternd und wird vom Auftraggeber, dem Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger e.V. (BDZV) als "besorgniserregender Befund" bezeichnet. Es kam dabei zwar heraus, dass über 55 Prozent der Lehrkräfte die Vermittlung von Nachrichtenkompetenz für "besonders wichtig" halten, doch der Lehrplan würde nur laut einer Minderheit ausreichend Zeit für dieses wichtige Thema bieten.

Zudem hielten die meisten Lehrer die gedruckte Zeitung für das wichtigste Anschauungsmaterial. Dabei geht es in der Medienkompetenz ja um alle Medien, sowohl die Print- als auch die Digitalmedien. Letztere werden von Schülern in der Mehrheit konsumiert, doch in dem Bereich kennen sich die Lehrenden am wenigsten aus.

Angesichts der alarmierenden Verbreitung von so genannten Fake News und Verschwörungstheorien wird es immer wichtiger, Kinder und Jugendliche so fit zu machen, dass sie kompetent mit Nachrichten und ihren Quellen umgehen können

Dietmar Wolff, Hauptgeschäftsführer des BDZV

40 Prozent der Lehrer meinen, "Medien müssen die Bevölkerung mobilisieren"

Am interessantesten ist das Ergebnis der Frage, welche Aufgaben einem Lehrer zufolge die Medien hätten. Etwa 40 % der Lehrkräfte meinen, Medien seien dazu da "die Bevölkerung für bestimmte Anliegen zu mobilisieren". Dabei kam weiterhin heraus, dass nur die Hälfte der Lehrer in Ostdeutschland Vertrauen in die deutschen Medien habe. In den alten Bundesländern waren es rund 22 % der befragten Lehrer.

19 Prozent der Lehrkräfte insgesamt glauben, dass viele Nachrichten, die eigentlich wichtig sind, verschwiegen werden und nur in sozialen Netzwerken zu finden sind.

BDZV. Pressemitteilung Allensbacher Studie zur Nachrichtenkompetenz

Wenn Lehrer Medienkritik vermitteln sollen, die den Medien nicht vertrauen

Dass Lehrer Medienkompetenz für so wichtig halten, ist natürlich ein sehr gutes und wichtiges Zeichen. Dass dafür im Lehrplan jedoch so wenig Raum ist, hilft den Schülern wiederum gar nicht weiter. Zudem bleibt die Frage, wie ein Lehrer, der sich selbst nicht gut in der deutschen Medienlandschaft auskennt und nicht weiß, welche digitalen Medien oder soziale Medien seine Schüler kennen und nutzen, diesen die nötige Kompetenz vermitteln soll?

Das größte Problem ist dabei jedoch, dass die Lehrer so wenig Vertrauen in das journalistische Arbeiten haben und sich scheinbar selbst nur einseitig zu informieren scheinen. Dabei wäre es so wichtig, dass Lehrer mit den Schülern nicht nur Quellenkritik üben und betreiben, sondern sich selbst auch mit Quellen und sozialen Netzwerken beschäftigen, die ihnen eher fremd sind.

Nur dann nehmen die Schüler sie auch ernst und werden zum kritischen Denken angeregt. Sozial Medien an sich sind ja überhaupt nichts Schlechtes, es kommt darauf an, woher die Inhalte stammen, die dort verbreitet werden und genau das sollten sich Lehrer und Schüler gemeinsam kritisch anschauen und darüber austauschen.

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Quelle: Allensbacher Studie zur Nachrichtenkompetenz

Katja Nauck
Das sagtKatja Nauck:

Erschreckend!

Ich muss sagen, dass mich das Ergebnis dieser Umfrage echt erschreckt. In welchen Zeiten leben wir denn, wo die "gedruckte Zeitung" als Medium generell höher anerkannt wird als das Digitale? Dass unter den Lehrern immer noch eine scheinbare Digitalfeindlichkeit herrscht, ist wirklich traurig. Wie sollen sie denn den Schülern Kompetenz vermitteln, wenn sie sich nicht die Bohne dafür interessieren, welche Vielfalt die Medienlandschaft zu bieten hat?

Fake-News und Verschwörungstheorien verbreiten sich vor allem digital. Dann sollten sich die Lehrer eben auch besser in dem Bereich auskennen, und es wäre vielleicht eher nötig mit der Medienbildung der Lehrer zu beginnen. Man kann nur hoffen, dass es noch genug jüngere Lehrer gibt, die da den Älteren vielleicht etwas Nachhilfe geben bzw. die älteren offener dafür werden, sich nicht dem Zeitgeist zu verschließen, sondern sich selbst und ihre Mediennutzung auch mal kritisch zu hinterfragen.

Bildquelle: Getty Images/Halfpoint

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