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Drosten warnt: Vielleicht müssen wir mit virusinfizierten Schulen leben

Neue Normalität?

Drosten warnt: Vielleicht müssen wir mit virusinfizierten Schulen leben

Der Virologe Christian Drosten verabschiedet sich mit einem Knall in die Sommerpause. Im NDR-Podcast warnt er vor einer zweiten Welle und äußert sich kritisch über die Schul- und Kitaöffnungen.

Noch haben wir Zeit, und die müssen wir nutzen, warnt Christian Drosten im immer wieder hörenswerten Podcast mit dem NDR. Wenn ihr noch nicht reingehört habt, es gibt insgesamt 50 Gespräche und es lohnt sich auch, die noch "nachträglich" zu hören. Weil es beim Verstehen von Corona hilft und auch gegen Falschinformationen und Verschwörungstheorien schützt.

Corona-Ausbrüche in Schulen und Kitas

Es ist klar, dass die Schulen geöffnet werden müssen, denn so wie die Lage ist, kann sie für Familien nicht bleiben. Aber gleichzeitig merken schon jetzt viele Eltern: So richtig funktioniert das mit den Schulöffnungen nicht. Denn schon jetzt, wo wir noch gar nicht wieder in den Regelbetrieb zurückgekehrt sind, häufen sich Corona-Ausbrüche in Schulen und Kitas.

Viele Falschinformationen im Umlauf

Wir Eltern sind verunsichert und der Virologe kann uns da sehr gut verstehen. Denn es gibt so viele verschiedene Informationen, die kursieren und tatsächlich unterschiedliche Ziele verfolgen. Es werden, sagt Christian Drosten "Beschlüsse getroffen wie zum Beispiel: Wir werden einfach die Schulen dann wieder öffnen, wo doch jeder weiß, das ist eine kontinuierlich laufende Veranstaltung mit hoher Teilnehmerzahl. Da nützt es auch nichts, wenn bestimmte Interessengruppen sagen: Die armen Kinder, die werden doch gar nicht krank und die haben doch ein Recht auf Bildung. Das stimmt ja alles. Und natürlich sind es auch Personen wie ich, die dann sagen müssen: Einerseits bin ich Bürger und auch Familienvater und auch sonst kein Verrückter im normalen Leben. Aber andererseits bin ich Wissenschaftler. Und die Wissenschaft hat ein eiskaltes Händchen."

Wissenschaft sagt, was ist

Wissenschaft ist unbestechlich und ihr ist unsere Familiensituation total egal. In der Schlussfolgerung müsste das heißen: Wir lassen die "Großveranstaltung" Kita und Schule weiterhin ausfallen. Natürlich ist das für uns Familien nicht machbar. Und so sind wir zwar insgesamt alle etwas schlauer als noch vor ein paar Monaten, stehen aber gleichzeitig immer noch ahnungslos davor, wie die Schul- und Kitaöffnung denn nun gelingen kann.

Das Virus lässt sich nicht wegtesten!

"Wir müssen uns eher jetzt gesellschaftlich damit auseinandersetzen, und das möglichst in einem fairen Diskussionsstil, wie wir damit umgehen wollen. Wir wollen ja die Schulen öffnen. Wir wollen offene Kitas, sonst kann die Gesellschaft nicht funktionieren. Aber wie wollen wir das machen, wenn wir doch wissen, selbst wenn wir viel testen, man kann ein Virus nicht wegtesten? Das Virus ist ja dann erkannt, dann erfordert das eine Konsequenz. Und was ist denn, wenn wir plötzlich feststellen, die Konsequenz ist, dass wir überall die Schulen nun mal wieder schließen müssen, wenn wir virusfreie Schulen wollen."

Wird es keine virusfreien Schulen geben?

Der Virologe Drosten empfiehlt allen Eltern, Lehrer*innen und Politiker*innen folgende Überlegung: "Vielleicht können wir keine virusfreien Schulen haben. Was heißt das? Was heißt das für die Lehrer? Was heißt das für diejenigen, die Angehörige von Lehrern oder Schülern sind und Risikofaktoren haben? Was heißt das für die Schulpflicht? Alle diese Dinge sind die brennenden Diskussionspunkte, die wir jetzt klären müssen, wo wir noch nicht in dem Problem voll drinstecken, damit wir vielleicht im Herbst diese Debatte gesellschaftlich geführt haben und Vorüberlegungen getroffen haben."

Nichts machen geht nicht

Was wir alle nicht mehr machen dürfen, ist den Kopf in den Sand stecken oder zu behaupten, dass Kinder nicht von Corona betroffen sind. Das ist eine Fehlinformation, basierend auch auf einer noch nicht abgeschlossenen Studie aus Baden-Württemberg.

Die 3 Cs können schützen

Am besten schützen gegen Corona können wir uns weiterhin durch Abstand halten und geeignete Hygienemaßnahmen. Der Virologe nennt die drei C´s, auf die wir achten sollen.  Die "C"s kommen aus dem Englischen und bedeuten:

  • „closed spaces“ – geschlossene Räume
  • „crowded places“ – also Menschenansammlungen
  • „close contacts“ – also enge Kontakte mit anderen ohne Abstand.
    Diese drei Dinge sollten wir vermeiden.

Die Überlegungen vom Virologen Drosten sorgen natürlich dafür, dass Eltern sich erstmal noch mehr

 

Andrea Zschocher
Das sagtAndrea Zschocher:

Meine Meinung

Ich habe den Podcast mit Drosten sehr intensiv verfolgt und kann nur allen raten, das auch zu tun. Denn das beste Mittel gegen die eigene Panik und Sorgen ist manchmal nüchterne Information. Ich finde die Rückkehr in den Regelbetrieb bei Schulen und Kitas sehr besorgniserregend. Erst hieß es unsere Kinder sind die Virenschleudern schlechthin (eine Frechheit übrigens, diese Unterstellung) und jetzt ist es irgendwie auch egal. Und gleichzeitig werden halt doch zuerst wieder Schulen geschlossen, wenn sich irgendwo die Fälle häufen. Bei mir kommt da der Verdacht auf, dass es eben immer so gemacht wird, wie es gerade passt.

Da hilft doch wissenschaftliche Einordnung sehr weiter. Das "eiskalte Händchen" der seriösen Wissenschaft ist unbestechlich.

Bildquelle: getty images / skynesher

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