Chinesischer Empfängniskalender: Wird's ein Mädchen oder Junge?

Manche möchten sich bei der Geburt überraschen lassen, aber viele wollen das Geschlecht ihres Babys schon vor der Geburt erfahren. Kann der chinesische Empfängniskalender Klarheit geben?


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Wer ist dieser kleine Mensch, der seinen Eltern in den nächsten Jahren viel Freude und so manche schlaflose Nacht bescheren wird? Wird es ein Mädchen oder ein Junge? Wer sich nicht gedulden will, bis eine Ultraschalluntersuchung das Geschlecht des Babys verrät, der greift vielleicht zum chinesischen Empfängniskalender, dem ein ziemlich hohe Trefferquote bei der Vorhersage nachgesagt wird – doch stimmt das wirklich?

Der chinesische Empfängniskalender

Junge oder Mädchen - weiß es der chinesische Empfängniskalender?


© Getty Images

Chinesischer Empfängniskalender für ungeduldige Eltern

Das Geschlecht des neuen Erdenbürgers steht bereits im Moment der Befruchtung fest, jedoch entwickeln sich weibliche und männlichen Embryos bis zur 7. Schwangerschaftswoche identisch. Danach entstehen bei den Jungen schon die Hoden und es wird Testosteron produziert. Bei den Mädchen beginnt die Entwicklung ein wenig später, nämlich ab der 10. Schwangerschaftswoche.

Ab der 11. Schwangerschaftswoche beginnen sich sowohl bei Mädchen als auch bei Jungen die Geschlechtsorgane zu entwickeln. Zwar können Gynäkologen hier möglicherweise schon Tendenzen erkennen, die Fehlerquote ist jedoch noch recht hoch.

Der große Moment für die werdenden Eltern kommt jedoch erst bei der zweiten regulären
Ultraschalluntersuchung, die zwischen der 19. und 22. Schwangerschaftswoche durchgeführt wird. Allerdings nur, wenn Baby mitspielt und nicht ausgerechnet jetzt ein Beinchen anwinkelt und so den Blick auf die Geschlechtsorgane verdeckt oder dem Ultraschall sogar den Rücken zudreht. Dann heißt es möglicherweise, Geduld haben bis zur nächsten Untersuchung.

Wer es gar nicht erwarten kann, das Geschlecht des Babys zu erfahren, möchte es vielleicht mit dem chinesischen Empfängniskalender herausfinden – das ist bereits kurz nach der Empfängnis möglich oder sogar bei der Planung einer Schwangerschaft.

Wie funktioniert der chinesische Empfängniskalender?

Dieser Kalender, mit dem sich das Geschlecht des Nachwuchses errechnen lässt, ist ein kombinierter Sonnen- und Mondkalender, der anhand des Alters der werdenden Mutter und des Empfängnismonats das voraussichtliche Geschlecht des Kindes bestimmt.

Der erste Schritt ist die Errechnung des Mondalters der Mutter. Dafür werden auf ihr Geburtsdatum 266 Tage addiert, was der Dauer einer Schwangerschaft entspricht. Dieses Mondalter wird dann mit dem Monat der Empfängnis in Einklang gebracht – dafür gibt es eine Tabelle, in der das Mondalter dem Empfängnismonat zugeordnet wird.

Der chinesische Empfängniskalender

Geschlechtsbestimmung mit dem chinesischen Empfängniskalender




Beispiel: Eine 25-jährige Frau hat im Juni festgestellt, dass sie schwanger ist. Ihr Geburtstag ist im August und um ihr Mondalter zu ermitteln, addiert sie 266 Tage zu ihrem Geburtstag, um auf ihr Mondalter zu kommen. Ihr Mondalter beträgt demnach 26 Jahre. Der Empfängnistermin des Babys liegt im Mai - also schaut sie in der Tabelle nach, welches Geschlecht das Baby bei Mondalter 26 im Monat Mai haben sollte - demnach wird es ein Mädchen!

, die im Oktober Geburtstag hat und im Mai  Wenn eine Frau, deren Mondalter 28 ist, im Mai schwanger wird, bekommt sie laut chinesischem Empfängniskalender ein Mädchen.

Chinesischer Empfängniskalender: Was ist dran?

Vielleicht bist du skeptisch und denkst, das klingt eher nach einem Partygag als nach einer wissenschaftlichen Methode. Immer wieder hört man von einer Trefferquote von rund 85 Prozent, was erstaunlich hoch wäre – kann das wirklich sein?

Um die Entstehung des Kalenders ranken sich unterschiedliche Gerüchte: Eines besagt, dass chinesische Wissenschaftler den Xià Lì bereits im 13. Jahrhundert austüftelten. Andere meinen, dass der Empfängniskalender erst 300 Jahre alt ist und einst entwickelt wurde, um der Familienplanung der kaiserlichen Familie auf die Sprünge zu helfen. Die Zeugung von männlichem Nachwuchs war für die Dynastie überlebenswichtig, weshalb er zunächst strenger Geheimhaltung unterlegen haben soll.

Diverse Historiker zweifeln diese Theorien jedoch an und ein Experte, der sich intensiv mit dem Gesundheitswesen des historischen China auseinandergesetzt hatte, sagte sogar, der Empfängniskalender sei "so chinesisch wie ein Glückskeks", nämlich überhaupt nicht!

Trefferquote des chinesischen Empfängniskalenders: 50 Prozent

Die angebliche Genauigkeit von rund 85 Prozent, die immer wieder berichtet wurde, wird mittlerweile angezweifelt. Professor Eduardo Villamor von der University of Michigan besorgte sich die Daten von über 2,8 Millionen Geburten, die in Schweden zwischen 1973 und 2006 stattfanden.
Villamor glich das tatsächliche Geschlecht der Babys mit den Vorhersagen des chinesischen Kalenders ab und ermittelte er lediglich eine Trefferquote von rund 50 Prozent. In seiner Studie aus dem Jahr 2010 schrieb er, der chinesische Empfängniskalender "ist nicht besser zur Bestimmung des Geschlechts eines Babys geeignet als das Werfen einer Münze".

Das soll niemanden davon abhalten, den chinesischen Empfängniskalender auszuprobieren und später zu schauen, ob er Recht hatte – nur allzu sehr darauf verlassen solltest du dich wohl doch nicht!