Couvade-Syndrom: Co-Schwangerschaft beim Mann

"Wir sind jetzt im sechsten Monat," scherzt der werdende Papa und deutet auf sein Bäuchlein, das dem seiner Frau Konkurrenz machen könnte. Scherz? Von wegen! Denn die Co-Schwangerschaft beim Mann ist ein reales Phänomen und nennt sich "Couvade-Syndrom"!

Co-Schwangerschaft

Co-Schwangerschaft: Ein reales Phänomen.


Der Bauch wird immer dicker, Müdigkeit und Heißhunger machen sich breit: Typische Anzeichen einer Schwangerschaft bei der Frau – und beim Mann. Denn auch die werdenden Väter haben mit den typischen Schwangerschaftssymptomen zu kämpfen. Das nennt sich Co-Schwangerschaft bzw. Parallelschwangerschaft. Was hinter dem sogenannten Couvade-Syndrom steckt:

Das Couvade-Syndrom

Wissenschaftler bezeichnen das Entstehen von Schwangerschaftssymptomen beim Mann als "Couvade-Syndrom" (aus dem Französischen: couver = ausbrüten). Geprägt wurde der Begriff 1965 von den britischen Psychiatern William Trethowan und Mi­chael Conlon. Ursprünglich stammt der Begriff Couvade aus der Ethnologie. Man versteht darunter Rituale, mit denen sich Männer in anderen Kulturen auf die Geburt ihres Kindes vorbereiten. So beobachteten Forscher zum Beispiel, dass sich Männer zu simulierten Geburten in Gebärhütten zurückziehen oder sich verhätscheln lassen, als seien sie selbst schwanger.

Wie verbreitet das Phänomen der Co-Schwangerschaft ist, lässt sich schwer einschätzen. Laut der "Ärztezeitung" leiden ungefähr elf bis 97 Prozent aller werdenden Väter unter typischen Schwangerschaftssymptomen wie Müdigkeit, Übelkeit, Appetitveränderungen oder Verdauungsstörungen. Der Psychologe Harald Werneck von der Universität Wien spricht dagegen von einer Größenordnung zwischen zehn und 30 Prozent aller werdenden Väter.

Hormonelle Veränderungen aber keine offizielle medizinische Diagnose

Systematische Studien gibt es zu dem Phänomen der Parallelschwangerschaft allerdings wenig. Auch stellt das Couvade-Syndrom keine offizielle medizinische Diagnose dar.

Viele Wissenschaftler vermuten, dass Männer auf die Pheromone (Sexuallockstoffe) ihrer Partnerin reagieren und so Hormonhaushalt und Psyche beeinflusst werden. Denn, genau wie bei der schwangeren Mutter, lassen sich auch beim werdenden Vater Änderungen im Hormonhaushalt nachweisen.

Wie kanadische Wissenschaftler feststellten, nahm beispielsweise der Prolaktinspiegel bei den untersuchten Männern im Verlauf der Schwangerschaft deutlich zu. Prolaktin ist vor allem für das Wachstum der Brust im Verlauf der Schwangerschaft verantwortlich. Männer mit einem gesteigerten Prolaktinwert zeigten gehäuft Symptome wie Gewichtszunahme oder Übelkeit.

Auch das Sexualhormon Testosteron ist bei Männern, deren Partnerin ein Kind erwartet – und allgemein bei Männern, die sich in einer langfristigen Partnerschaft befinden – niedriger als bei Single-Männern. Evolutionsbiologen vermuten, dass der niedrige Testosteronspiegel dafür sorgen soll, dass Väter weniger riskant handeln und ihrer Partnerin eher treu bleiben.

Das Stresshormon Cortisol steigt sowohl bei Müttern als auch bei Vätern während der Schwangerschaft an. Laut Forschern der University of Calgary stellt dies aber keinen Ausdruck von Stress dar, sondern soll Mutter und Vater auf die Elternschaft vorbereiten. Bei Müttern sorgt ein erhöhter Cortisolspiegel dafür, dass sie mitfühlender auf die Schreie ihres Babys reagieren – und bei Vätern könnte es ähnlich funktionieren.

Psychische Ursachen

Zudem glauben viele Forscher, dass das Couvade-Syndrom eine Möglichkeit der werdenden Väter ist, sich (unterbewusst) solidarisch mit ihrer Partnerin zu zeigen. Deswegen sollen auch empathische Männer häufiger und stärker von einer Co-Schwangerschaft betroffen sein. Evolutionsbiologen sind auch der Meinung, dass das Couvade-Syndrom ein Mechanismus ist, mit dem die väterliche Fürsorge in Gang gesetzt werden soll. Auch der selbstgemachte und von der Gesellschaft auferlegte Druck, der Vaterrolle gerecht zu werden, kann zu den typischen Symptomen einer Schwangerschaft (Stimmungsschwankungen, Appetitveränderungen etc.) führen.

Zumindest das entstehende Bäuchlein lässt sich aber auch ohne Analysen von Hormonhaushalt und Tiefenpsychologie erklären: Wenn die Partnerin mehr isst, dann essen auch die werdenden Väter schlichtweg mehr. Denn in Gesellschaft schmeckt das Essen ja bekanntlich doppelt so gut. Laut einer Umfrage eines britischen Marktforschungsinstituts nahmen werdende Väter so während der Schwangerschaft ihrer Partnerin rund sechs Kilo zu.

Das Gute: Genauso wie bei der Partnerin verschwinden die Schwangerschaftsbeschwerden auch beim Mann nach der Geburt wieder. Nur die überschüssigen Pfunde könnten etwas hartnäckiger sein …

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