Frühgeburt - aber nicht zu früh fürs Leben

Jedes 9. Baby kommt in Deutschland als Frühgeburt auf die Welt. Doch seine Überlebenschancen sind gut. Ist die 32. SSW erreicht, sind auch Behinderungen unwahrscheinlich. Als Eltern könnt ihr einen großen Beitrag zur gesunden Entwicklung eures Frühchens leisten.

Aber der 24. SSW sind die Überlebenschencen eines Frühchens sehr gut.


Die gute Nachricht vorweg: Hat das Baby die 24. SSW überstanden, dann liegt seine Überlebenschance bei über 60 Prozent. Und sie wird mit jeder weiteren Wochen immer größer.

Eine hohe Überlebenschance, die allerdings in gleichem Maße mit einer körperlichen und geistigen Behinderung einhergeht. Denn durch die zu frühe Geburt können wichtige Entwicklungsprozesse nicht mehr im sicheren, geschützten Mutterleib stattfinden. Da sich die Lunge des Babys nur sehr langsam entwickelt, ist sie bei Frühchen noch nicht ausgereift - die Atmung wirkt angestrengt und unruhig. Erst wenn das Frühchen nach der 30. SSW geboren wird, sinkt das Risiko einer Behinderung auf unter 15 Prozent. Ab der 32. SSW besteht so gut wie kein Risiko mehr.

15 Millionen Frühchen weltweit

Im Jahr 2012 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zum ersten Mal einen offiziellen Frühgeborenen-Report veröffentlicht. Demnach kommen weltweit jedes Jahr etwa 15 Millionen Babys zu früh zur Welt. Zu früh, das bedeutet vor der 37. SSW. Ist diese Schwangerschaftswoche vollendet, dann wird offiziell nicht mehr von einer Frühgeburt gesprochen.

In Deutschland kommen jährlich neun Prozent aller Babys als Frühchen zur Welt, das sind etwa 60.000. Und die Zahl steigt - in allen vom Report erfassten Ländern. Die Ursachen dafür sind verschieden. Allerdings sind - und das gilt vor allem für die erste Welt - häufig Wohlstandskrankheiten wie Übergewicht, Bluthochdruck oder die Folgen von Rauchen Gründe für eine Frühgeburt. Außerdem gibt es immer mehr künstliche Befruchtungen und damit auch eine größere Anzahl an Mehrlingsgeburten, bei denen es oftmals zu einer Frühgeburt kommt. Auch das Alter der Schwangeren spielt eine Rolle: Ab einem Alter von 35. Jahren steigt auch das Risiko einer Frühgeburt. Diese Zahlen sollten dich aber nicht verunsichern. Während deiner Schwangerschaft wirst du von deinem Arzt und der Hebamme gut betreut, so dass eine mögliche Frühgeburt rechtzeitig erkannt wird. Dann gibt es verschiedene Behandlungen, die die Gesundheit des Babys und deine eigene garantieren. Vor allem die Untersuchungen mit dem Ultraschall sind eine gute Prävention. Dabei wird die Länge des Gebärmutterhalses vermessen. Wenn dieser in der 28. SSW bei geschlossenem Muttermund noch mehr als 30 Zentimeter misst, dann setzten die Wehen aller Wahrscheinlichkeit nach nicht vor der 38. SSW ein.

Behandlung bei einer drohenden Frühgeburt

Stellt dein Arzt fest, dass bei dir echte Wehen eingesetzt haben, dann ist schnelles Handeln gefragt. Vor allem, wenn sich die Geburt vor der 30. SSW ankündigt versuchen die Ärzte, sie wenigstens 48 Stunden hinauszuzögern. Dazu werden wehenhemmende Medikamente verabreicht. Zusätzlich beziehungsweise vor den Wehenhemmern werden den Schwangeren außerdem sogenannte Glukokortikoide verschrieben. Diese bewirken, dass sich die Organe des Babys schneller entwickeln. Denn vor allem die Lunge ist in seiner Entwicklung sehr träge. Je weiter sie ausgereift ist, desto niedriger wird auch das Risiko einer Gehirnblutung.

Wenn sich eine Frühgeburt ankündigt, solltest du zur Entbindung in ein Perinatalzentrum gehen. Hier stehen alle intensivmedizinischen Techniken und Methoden zur Verfügung, die nötig sind, um das Frühchen bestmöglich zu versorgen. Das kann seine Überlebenschancen nochmals deutlich verbessern.

Häufige Langzeitfolgen

Nicht umsonst heißt es, dass das Baby dann zur Welt kommt, wenn es dafür bereit ist. Wird seine Entwicklung durch eine Frühgeburt jäh unterbrochen, fehlt ihm die kostbare Zeit im Mutterleib - ein Leben lang. Laut der Europäischen Stiftung für Neugeborene sind die häufigsten Folgen Entwicklungsdefizite bzw. -verzögerungen.

Etwa Störungen in der Motorik und bei der Aufmerksamkeit. Auch Hyperaktivität (ADHS) kann eine Folge sein. Auch eine Lese- und Rechtschreibschwäche, sowie Verständnisprobleme beim Rechnen hängen oft mit einer Frühgeburt zusammen. Häufig fallen diese Defizite erst dann richtig auf, wenn das Kind in den Kindergarten oder in die Schule kommt. In manchen Fällen kann auch Autismus als Spätfolge auftreten. Oftmals kommen natürlich auch Erkrankungen der Lunge wie etwa Asthma vor.
Als Mutter kannst du jedoch einen großen Beitrag dazu leisten, dem kleinen Baby beim Start ins Leben zu helfen. Für ein Frühchen sind Körperkontakt und eine enge Bindung noch viel wichtiger bei seiner Entwicklung. Um das zu unterstützen, wird dir das Kind täglich nackt auf die unbekleidete Brust gelegt und mit einem warmem Tuch zugedeckt. Der vertraute Herzschlag und die Körperwärme stimuliert die Sinne des Babys, fördert das Bonding und kann so die Entwicklung des Babys positiv beeinflussen. Man spricht dabei vom so genannten Känguruhen.

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