Besuchsverbot im Kreißsaal: Frauen müssen alleine entbinden

Schutz vor Corona

Besuchsverbot im Kreißsaal: Frauen müssen alleine entbinden

Für viele Väter ist es selbstverständlich, ihre Frauen bei der Geburt zu begleiten. Doch seit kurzem wurde aufgrund der Corona-Infektion das Besuchsrecht in Krankenhäusern massiv eingeschränkt. Heißt das, alle Frauen müssen die Geburt alleine durchstehen?

Die Kranken und deren Pflegepersonal sollen geschützt werden

Seit Montag dieser Woche gelten in allen Krankenhäusern Deutschlands strengere Besuchseinschränkungen. Es geht darum, die Menschen zu schützen, die sich bereits durch wegen schwere Erkrankung im Krankenhaus befinden und eine Verschleppung des Virus an die Orte zu verhindern, die wir jetzt brauchen, um Kranke zu behandeln. Auch das gesamte Krankenhauspersonal muss vor einer Infektion mit dem Coronavirus geschützt werden. Wie genau die Besuchsrechte umgesetzt werden, obliegt jedoch den einzelnen Ländern und ist von Klinik zu Klinik unterschiedlich. Es gebe zudem viele Ausnahmefälle, in denen Patienten besucht werden dürften. Eine generelle Regelung ist hier – zum Glück schwer kranker Patienten, die auch für ihr psychisches Wohlbefinden auf Besuch angewiesen sind – nicht möglich.

Horrorvorstellung vieler Frauen: Alleine bei der Geburt

Was heißt das jetzt für Frauen, die in den nächsten Wochen entbinden wollen? Aktuell werden in vielen Kliniken Besucher weder in den Kreißsaal noch auf die Wochenstation gelassen. Das heißt, nur die werdende Mutter darf als Patientin auf die Geburtsstation und der Vater sowie andere Begleiter müssen draußen warten. Als Gebärende, die sich auf ihre Begleitung als große Stütze verlässt, ist diese Aussicht, allein im Kreißsaal unter Wehen zu liegen, eine furchtbare Vorstellung. Es gibt wenige Frauen, die die Geburt willentlich allein durchleben möchten. Für Väter ist es heute oft selbstverständlich bei diesem besonderen Augenblick dabei zu sein und die Frau zu unterstützen.

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Einschränkungen gibt es auch vielerorts bei der Nutzung von Familienzimmern und Mehrbettzimmern. Die Gefahr, dass sich durch eine infizierte Person und den engen Kontakt in Krankenhauszimmern, das Virus rasch verbreitet, ist einfach zu hoch. Auch die in vielen Krankenhäusern üblichen Kreißsaal- und Wochenstationführungen für werdende Eltern fallen teilweise komplett aus. Da man als Schwangere sowieso schon sehr viele Fragen hat und solche Einblicke gewissen Ängste oder Vorurteile abbauen, fehlt hier für viele eine wichtige emotionale Hilfe, sich gelassen auf die Geburt vorzubereiten.

Tipp: Manche Krankenhäuser bieten aktuell einen Chat via Social-Media mit Hebammen und dem Kreißsaalteam an. Schaut dazu einfach auf die Website eures Wunschkrankenhauses und informiert euch da über die aktuellen Beschränkungen. Rechnet damit, dass sich die Situation jederzeit nochmal verändern bzw. verschärfen kann und die Beschränkungen zum aktuellen Zeitpunkt nicht mehr in einer oder zwei Wochen gültig sind.

Hebammen noch mehr unter Druck: Es fehlt an Personal

Auch für die Hebammen ist die Situation mehr als schwierig. Es fehlt aktuell in Deutschland nicht nur an medizinischem Personal um die Corona-Krise zu überwinden. Der Mangel an festangestellten Hebammen in Kliniken steigt seit Jahren dramatisch an. Für ca. 777.820 Geburten im Jahr 2017 kommen nur 1.848 freiberufliche Hebammen und 9.385 Klinikhebammen in Frage. Viele Frauen in Großstädten finden kaum noch eine Hebamme bzw. sind unter der Geburt häufig allein, weil die Geburtshelferin weitere Gebärende betreuen muss.

Die Geburtsbegleitung als Unterstützung

Wenn Frauen jetzt alleine in den Kreißsaal müssen, fehlt den Hebammen auch eine wichtige Unterstützung während der Geburt. Die Begleitung kennt die werdende Mutter genau und weiß, wie man sie motivieren kann oder was sie jetzt braucht. Das kann helfen, wenn die Hebamme nicht die ganze Zeit im Kreißsaal sein kann oder auch, wenn nach einem Schichtwechsel die Geburtshelfer wechseln. Auch bei einem Kaiserschnitt ist es wichtig, dass nach dem Aufwachen eine Person da ist, die man gut kennt und im besten Fall die Wunschbegleitperson. In dieser aufregenden einmaligen Situation möchte keine Mutter alleine sein. Da auch das Krankenhaus die Situation kennt, ermöglichen manche Häuser es Vätern und anderen Geburtsbegleitern nach einem negativen Coronatest bei der Geburt dabei sein zu dürfen. Dies entscheidet jede Klinik individuell.

Hinweis an alle Schwangere: Erkundigt euch telefonisch rechtzeitig bei eurem Krankenhaus, welche Beschränkungen aktuell bestehen bzw. unter welchen Voraussetzungen euer Partner oder eine Begleitperson bei der Geburt und danach dabei sein kann.

Schwangere Bibi: Bei Kaiserschnitt ohne Julian?

YouTuberin Bibi ist aktuell in der 39. Schwangerschaftswoche und macht sich ebenfalls Sorgen, ob ihr Mann Julian bei der Geburt ihrer Tochter dabei sein darf. Das Baby soll per Kaiserschnitt auf die Welt geholt werden und Bibi ist aktuell sehr verunsichert, wie das Ganze ablaufen soll. Im neuesten Video schildert sie dazu ihre Ängste und beantwortet unter anderem die Frage, ob sie sich auch eine Hausgeburt vorstellen kann.

Katja Nauck
Das sagtKatja Nauck:

Lasst euch nicht verunsichern

Es ist aktuell keine leichte Zeit für eine hochschwangere Frau, die kurz vor der Entbindung steht. Da es bei mir erst bißchen über ein Jahr her ist, kann ich mich noch gut in diese Situation einfühlen. Wichtig ist, dass ihr dennoch versucht ruhig und entspannt zu bleiben. Besprecht mit eurem Partner und der Familie die Situation und kontaktiert eure Wunschklinik rechtzeitig, um diese Fragen der Begleitung bei der Geburt und des Besuchs auf der Wochenstation zu klären. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass es unserem Schutz dient, dass solche Maßnahmen ergriffen werden müssen. Viele Kliniken haben für die besondere Situation von werdenden Müttern viel Verständnis. Ich hoffe, ihr werdet alle die Hilfe bei der Geburt kommen, die ihr euch wünscht.

Bildquelle: Getty Images/gorodenkoff

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