Zangengeburt: Wenn das Kind nicht von allein kommt

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Zangengeburt: Wenn das Kind nicht von allein kommt

Wenn der Geburtsprozess in der Endphase ins Stocken gerät, ist Hilfe von außen nötig. Eine Zangengeburt kann das Mittel der Wahl sein, wenn es sehr schnell gehen muss.

Um die Zangengeburt ranken sich nicht nur viele Horrorgeschichten über Verletzungen der Mutter und des Kindes bei der Prozedur. Das Verfahren, das im 17. Jahrhundert zum ersten Mal dokumentiert wurde, klingt zunächst auch antiquiert und überholt. Doch auch wenn sie heutzutage in immer weniger Fällen angewendet wird, ist die Geburtszange in bestimmten Situationen das beste Mittel, vor allem, wenn es sehr schnell gehen muss.

Das Glück ist groß, wenn das Baby endlich da ist.

Was ist eine Zangengeburt?

Gerät eine Geburt in ihrer Endphase mit Komplikationen ins Stocken und ist es für einen Kaiserschnitt oder das Ansetzen einer Saugglocke zu spät, kommt die Geburtszange zum Einsatz. Bei der Zangengeburt wird der Entbindungsvorgang von außen durch die Scheide der Mutter mit der Forceps, wie der lateinische Name der Zange lautet, unterstützt und beendet. Dies geschieht immer durch einen fachkundigen Arzt. Das Instrument besteht aus zwei gleichgroßen, löffelförmigen Blättern, die den Kopf des Babys im Geburtskanal an zwei Seiten umfassen. Diese Blätter werden an ihrem Mittelteil zangenförmig verbunden, so dass dann mit einer gewissen Hebelwirkung, durch leichten Zug am Kopf und synchron mit den Wehen, dem Baby auf die Welt geholfen werden kann.

Wann wird eine Zangengeburt gemacht?

Etwa nur noch 0,5 Prozent der Geburten in Deutschland werden durch eine Geburtszange beendet. Dank guter Voruntersuchungen und die rechtzeitige Entscheidung für einen Kaiserschnitt, wenn sich das Kind beispielsweise bis zum Schluss nicht in die richtige Geburtslage dreht, ist die Zahl in den letzten Jahrzehnten ständig gesunken. Eine Zangengeburt wird nicht im Voraus geplant. Sie ist je nach Situation das Mittel der Wahl, wenn bestimmte, nicht vorhersehbare Faktoren unter der Geburt zusammen kommen und vor allem Eile geboten ist:

  • Das Baby steckt im Geburtskanal fest: Trotz Presswehen tritt der Kopf des Kindes innerhalb von 15 bis 20 Minuten nicht durch.

  • Der Muttermund ist weit geöffnet, so dass es für einen Kaiserschnitt zu spät ist.

  • Der Geburtsvorgang stagniert im Geburtskanal, zum Beispiel, weil das Baby in der hinteren Hinterhauptslage – also mit dem Kopf zwar nach unten, der Blickrichtung aber zum mütterlichen Bauch - steckenbleibt.

  • Die Presswehen sind in dieser Phase nicht mehr kräftig genug.

  • Die Mutter wird zunehmend erschöpfter.

  • Bei bestimmten mütterlichen Vorerkrankungen, wie Herzklappenfehler oder bestimmte Augenerkrankungen, die ein starkes und notwendiges Pressen in der Endphase der Geburt nicht erlauben.

  • Die Herztöne werden schwächer, die Sauerstoffversorgung des Kindes nimmt ab.

  • Im Wehenschreiber sind Stressanzeichen beim Kind erkennbar, von denen sich das Baby nach jeder Wehe immer langsamer erholt.

In der Regel würde nun eine Saugglocke zum Einsatz kommen. Jedoch spielt in manchen Fällen der Faktor Zeit die entscheidende Rolle. Denn durch das etwas länger dauernde Anlegen der Glocke um den Kopf des Kindes gehen lebenswichtige Minuten verloren. Vor allem, wenn die Herztöne des Kindes immer schwächer werden, ist Eile geboten und die schnell einsetzbare Geburtszange die beste Alternative, dem Kind auf die Welt zu verhelfen.

Wie verläuft eine Zangengeburt?

Die Geburtszange wird nur eingesetzt, wenn der Muttermund vollständig geöffnet ist und sich das Baby bereits im Geburtskanal in der Beckenmitte oder tiefer befindet. Die kurze Prozedur beginnt, nachdem die Blase der werdenden Mutter mit einem Katheter geleert wurde und sie eine lokale oder eine Peridualanästhesie (PDA) bekommen hat. Meist wird zusätzlich ein Dammschnitt gemacht. Nun führt der Arzt die Blätter der Zange einzeln jeweils links und rechts und sehr vorsichtig in das Becken der Mutter zwischen dem Kopf des Babys und der Vaginalwand ein, so dass keine Weichteile der Mutter eingeklemmt sind. Er schließt dann die Zange, die nun den Kopf des Babys umschließt, und versichert sich mit einem leichten Probezug, dass die Blätter der Zange nicht abrutschen. Nun zieht oder hebt der Arzt synchron mit jeder Wehe der Mutter das Kind sanft aus dem Geburtskanal. Unterstützend ist auch der von einem Assistenten ausgeführte Kristeller Griff möglich. Sobald es bis zur Nacken-Haar-Grenze hervorgekommen ist, entfernt der Arzt die Geburtszange, so dass das Kind ganz natürlich geboren werden kann. Nach der Geburt wird nicht nur das Kind, sondern auch die Mutter genau untersucht, um mögliche Verletzungen auszuschließen oder gegebenenfalls zu versorgen.

Was sind die Voraussetzungen für eine Zangengeburt

Zwar wird eine Zangengeburt wenn, dann nur in einer dringlichen Situation durchgeführt. Dennoch müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein, damit das möglich ist:

  • Das Kind muss in normaler Kopflage sein, der Kopf tritt als erstes in den Geburtskanal ein.

  • Der Kopf des Kindes darf eine gewisse Größe nicht übersteigen und sollte von der Zange umfasst werden können.

  • Das Becken der Mutter darf nicht zu schmal, der Ausgang nicht zu eng sein.

  • Der Muttermund muss vollständig geöffnet sein.

  • Die Fruchtblase muss geplatzt sein.

  • Das Kind muss lebendig sein.

Was sind mögliche Komplikationen einer Zangengeburt?

Heutzutage ist die Zangengeburt relativ komplikationsfrei. Beim Baby kann es zu Hautrötungen, kleineren Abschürfungen, einer leichten Verformung des Kopfes oder einer leichten Nervenlähmung kommen. Diese heilen in der Regel schnell ab bzw. bilden sich zügig zurück und bleiben ohne Spätschäden. Die Mutter kann durch die Zangengeburt Risse im Genitalbereich, wie dem Damm oder der Gebärmutter, erleiden. Diese werden ärztlich versorgt und sollten ebenfalls komplikationslos abheilen. Die Angst vor einer Zangengeburt ist also unbegründet und sollte als hilfreiche und zügige Methode angesehen werden, dein Baby gesund auf die Welt zu bringen, wenn es zu Problemen im Geburtsprozess kommt.

Bildquelle: Getty Images

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