Geschwisterkind im Kreißsaal? Kommt nicht in Frage

Eine Geburt ist ein schmerzhaftes und durchaus blutiges Ereignis, bei dem Kinder nichts zu suchen haben. So die Meinung von Dreifachmutter Hannah.

Sollte das Geschwisterchen bei der Geburt dabei sein?


Hannah, 40, Mutter von drei Kindern, erzählt, warum sie sich DAGEGEN entschieden hat, ihre Kinder mit in den Kreißsaal zu nehmen:
"Ehrlichgesagt wäre mir die Frage, ob Kinder mit in den Kreißsaal dürfen, nie in den Sinn gekommen. Bei meinem zweiten Kind habe ich über so etwas gar nicht erst nachgedacht. Es war klar, dass meine Schwiegermutter unsere große Tochter nimmt, während mein Mann bei mir im Kreißsaal ist. Und hätten wir keine Betreuung gefunden, wäre der Papa eingesprungen. (Was mir gar nicht so unrecht gewesen wäre. Für mich wäre es wahrscheinlich sogar angenehmer gewesen, alleine zu sein. Aber der Herr wollte gerne dabei sein und das konnte ich ihm nicht abschlagen.)Bei unserem dritten Kind war es tatsächlich so, dass wir niemanden zur Betreuung hatten. Meine Schwiegermutter lag im Krankenhaus, meine Eltern lebten über 200km entfernt und Freunde, denen ich unsere Kinder anvertrauen wollte, waren mit Arbeit oder Urlaub eingespannt. Wir mussten uns also Gedanken um die Betreuung machen, denn meinem Mann lag sehr viel daran, auch bei der Geburt unseres dritten (und wahrscheinlich letzten) Kindes anwesend zu sein.
Eine Bekannte aus dem Geburtsvorbereitungskurs erzählte mir, dass sie solche Probleme zum Glück nicht hätte, denn ihr Kind würde einfach mit in den Kreißsaal kommen.
Ein Gedanke, den ich eigentlich sofort wieder vergessen wollte. Den mein Mann aber gar nicht so schlecht fand. Aber ganz ehrlich: Da muss man als Frau auch einfach Mal ein Machtwort sprechen. Ich möchte nicht, dass meine Kinder mich so sehen. Und ich möchte nicht von meinen Kindern so gesehen werden. Es geht um den Schutz der Kinder vor Dingen, die sie noch nicht verstehen und es geht um den Schutz meiner eigenen Privatsphäre, die bei Geburten eh schon einen der hinteren Plätze einnehmen muss.
Und nein, meine beiden Töchter sind nicht total unwissend und denken, dass die Babys vom Storch gebracht werden. Aber es ist etwas ganz was anderes, theoretisch zu wissen, wie Babys auf die Welt kommen und in der Realität mitzubekommen, wie Mama vor Schmerzen schreit und wie das Blut fließt.
Wie fühlt es sich für die kleinen Kinderherzen an, wenn sie sehen, wie sich ihre Mutter quält, sie aber nichts dagegen machen können? Wie lange können sich die Minuten und Stunden für die Kleinen ziehen, die noch überhaupt nicht richtig verstehen, warum das alles so lange dauert? Wer kann sich um die beiden kümmern, wenn etwas ist? Wenn sie raus möchten? Und würden sie sich überhaupt trauen zu sagen, dass sie nicht oder nicht mehr dabei sein wollen? Oder wollen sie die Eltern nicht enttäuschen und stehen die Situation deswegen durch?Alle, die sagen, sie hätten ihr Kind vorher gefragt. Alle, die sagen, ihr Kind hätte von sich aus gesagt, es wolle bei der Geburt dabei sein. Ich frage euch: Glaubt ihr wirklich, dass ein Kind, egal ob 6 oder 14, die Situation richtig einschätzen kann? Es gibt genügend Väter – erwachsene Männer – die den Kreißsaal verlassen müssen, weil es ihnen zu viel wird. Sollten wir solch eine Entscheidung also wirklich in Kinderhände geben? Oder ist es nicht unsere Pflicht als Eltern, Situationen für unsere Kinder abzuschätzen, wenn diese es noch nicht können?
Und was ist, wenn es Komplikationen gibt? Blutungen, Geburtsverletzungen, ein Notkaiserschnitt? Das könnte die Kinder noch mehr belasten.
Des Weiteren gibt es einen Grund, warum die meisten Krankenhäuser es nicht vorsehen, dass Geschwisterkinder mit im Kreißsaal sind. Abgesehen von Platzgründen, Wahrung der Privatsphäre anderer Gebärenden und Mangel an Betreuungspersonen, hat es ganz einfach auch etwas mit dem Schutz des Neugeborenen zu tun: Geburtsmediziner möchten vermeiden, dass sich das Baby mit Kinderkrankheiten wie Windpocken anstecken könnte.
Unser Dilemma hat sich letztlich fast von selbst gelöst: Unsere Kleinste kam auf die Welt, als die anderen beiden noch im Kindergarten bzw. in der Schule waren. Wäre das nicht der Fall gewesen, hätte es in unserem Krankenhaus die Möglichkeit gegeben, dass die Kinder auf der Station betreut werden hätten können. Das bietet natürlich nicht jedes Krankenhaus an, doch gibt es in den allermeisten Fällen immer Alternativen dazu, die Geschwister mit in den Kreißsaal zu nehmen (z.B. die Familienhilfe von Krankenkassen).
Unsere beiden Mädels haben ihre Schwester kurz nach der Geburt kennengelernt und diese kleine Verzögerung hat der Beziehung der drei keinen Abbruch getan.
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