Präeklampsie: Symptome, Ursachen, Behandlung

Als Präeklampsie bezeichnet man eine Erkrankung, die ausschließlich Schwangere betrifft und erhöhten Blutdruck sowie eine vermehrte Eiweißausscheidung im Urin zur Folge hat.


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Was ist eine Präeklampsie?


Die Präeklampsie (veraltet auch Spätgestose, Schwangerschaftsintoxikation oder Schwangerschaftsvergiftung) ist eine Erkrankung, die nur in der Schwangerschaft bzw. in seltenen Fällen bis zu 14 Tagen nach der Entbindung auftritt. Sie äußert sich durch erhöhten Blutdruck, vermehrte Eiweißausscheidung im Urin und Wassereinlagerungen. Meist tritt eine Präeklampsie erst in der zweiten Schwangerschaftshälfte auf – selten zeigt sich die Erkrankung schon vor der 20. SSW.

Die Präeklampsie gibt es in verschiedenen Schweregraden. Etwa eine von zehn Erstgebärenden ist von einer leichten Präeklampsie betroffen – eine schwere Präeklampsie kommt dagegen glücklicherweise eher selten vor. Von einer Präeklampsie spricht man bei einem Blutdruck von über 140/90 mmHg und einer Eiweißausscheidung im Urin von mehr als 300 mg in 24 Stunden. Blutdruckwerte über 160/110 mmHG oder eine Eiweißausscheidung von über fünf Gramm in 24 Stunden weisen auf eine schwere Präeklampsie hin.

Tritt eine Präeklampsie auf, kann es zu Wachstums- und Entwicklungsstörungen des Babys kommen, da die Plazenta nicht mehr richtig durchblutet wird, was bedeutet, dass das Kind nicht mehr genug Sauerstoff und Nährstoffe bekommt.

Besteht der Verdacht auf eine Präeklampsie muss deswegen schnell gehandelt werden. 

Präeklampsie

Fürher nannte man die Erkrankung Schwangerschaftsvergiftung. Diese Bezeichnung hat sich mittlerweile aber als falsch herausgestellt.


© iStock
Symptome einer Präeklampsie erkennen

Ihr Frauenarzt wird bei den Vorsorgeuntersuchungen sowohl Ihren Blutdruck messen als auch auf die Eiweißausscheidung im Urin achten – dies sind die beiden wichtigsten Warnzeichen für eine Präeklampsie.

Außerdem können folgende Symptome auf eine Erkrankung hinweisen:

• Starke Kopfschmerzen und/oder Übelkeit
• Vermehrte Flüssigkeitseinlagerungen und dadurch bedingte plötzliche starke Schwellungen im Gesicht, an den Händen oder Füßen (Ödeme)
Sehstörungen wie unscharfes Sehen, Blitze vor den Augen oder Doppelbilder
• Starke Schmerzen unter den Rippen
Motorische Unruhe, die Muskelreflexe sind deutlich gesteigert

Viele dieser Symptome treten natürlich nicht nur bei einer Präeklampsie auf, sondern sind allgemeine schwangerschaftstypische Beschwerden. So leiden beispielsweise 80 Prozent aller Schwangeren am Ende ihrer Schwangerschaft unter Wassereinlagerungen, während bei rund zehn Prozent ein erhöhter Blutdruck auffällig wird. Hellhörig sollten Sie deswegen vor allem werden, wenn mehrere Symptome gleichzeitig auftreten.

Im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen sollte Ihr Arzt die Präeklampsie anhand der typischen Symptome feststellen und mit Ihnen den weiteren Handlungsbedarf besprechen.

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Ursachen einer Präeklampsie

Die genauen Gründe für eine Präeklampsie sind noch nicht ausreichend geklärt. Vermutlich ist der Auslöser eine Fehlentwicklung des Mutterkuchens. Durch verschiedene Faktoren kommt es zu einer Anpassungsstörung des mütterlichen Organismus an die Schwangerschaft. Die Gefäße im Mutterkuchen, die den Kreislauf der Mutter mit dem des Kindes verbinden, werden unzureichend ausgebildet. Es kommt zu Durchblutungsstörungen in der Plazenta, in deren Folge es zu Bluthochdruck und einem verminderten kindlichen Wachstum kommt.

Zu den Risikofaktoren für das Auftreten einer Präeklampsie zählen:

Erstgebärende
Präeklampsie in vorhergehenden Schwangerschaften
• Andere chronische Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Nierenerkrankungen
Mehrlingsschwangerschaften
• Übergewicht mit einem BMI über 35
Schilddrüsenunterfunktion
Familiäre Vorbelastung
Autoimmunerkrankungen oder Gerinnungsstörungen
• Alter über 40 Jahre
• Zwischen den Schwangerschaften liegen mehr als zehn Jahre
Kann man einer Präeklampsie vorbeugen und wie wird sie behandelt?

Einer Präeklampsie lässt sich leider nicht vorbeugen. Deshalb ist es wichtig, die Schwangerschaftsvorsorge bei Ihrem Frauenarzt wahrzunehmen, um Warnzeichen so früh wie möglich erkennen zu können.

Besteht der Verdacht auf eine Präeklampsie ist eine engmaschige Kontrolle notwendig. Der Blutdruck wird mehrmals täglich kontrolliert und regelmäßige Blutuntersuchungen geben Aufschluss über das Blutbild.

Bei einer leichten oder mittelschweren Präeklampsie werden Sie angewiesen Bettruhe zu wahren, sich eiweißreich zu ernähren und viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Zusätzlich wird Ihnen ein blutdrucksenkendes Medikament verschrieben. Regelmäßige Ultraschalluntersuchungen und ein Doppler Scan, der den Blutfluss von der Plazenta zum Baby misst, geben Auskunft über den Zustand Ihres Kindes. Ab der 38. SSW kann es sein, dass Ihr Arzt Ihnen dazu rät, die Geburt künstlich einleiten zu lassen.

Ab einem Blutdruck von 150/100 mmHg müssen Sie wahrscheinlich im Krankenhaus bleiben, wo Ihre Werte und die Ihres Babys engmaschig kontrolliert werden. Besteht die Gefahr einer Frühgeburt, wird versucht, die Lungenreifung des Ungeborenen mit der Hilfe von Medikamenten zu beschleunigen. Ab der 34. SSW wird meist die Geburt eingeleitet, um so möglichen Komplikationen auszuweichen.

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Verlauf und Komplikationen einer Präeklampsie

Schreitet die Präeklampsie unbehandelt fort, können schwere gesundheitliche Probleme die Folge sein. Zu den Komplikationen zählen Nierenversagen, Krampfanfälle (Eklampsie), Lebererkrankungen, Wasser im Gehirn, Netzhautablösung oder Herzschwäche. Da die Funktion des Mutterkuchens beeinträchtigt ist, kann sich der Fetus nicht richtig entwickeln. Die Sterblichkeit während der Geburt ist erhöht.

Je früher die Erkrankung behandelt wird, desto günstiger ist die Prognose. Todesfälle der Mutter sind heute nur noch selten. Wichtig: Auch nach der Geburt ist eine Überwachung im Wochenbett nötig, da das Eintreten einer Eklampsie immer noch möglich ist. Das Gute: Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich Ihr Blutdruck einige Wochen nach der Geburt wieder normalisiert und Sie auch sonst keine längerfristigen Nachwirkungen spüren werden. In seltenen Fällen können Eklampsie oder das HELLP-Syndrom zu langfristigen Komplikationen, wie zum Beispiel Problemen mit den Nieren, führen.
Das HELLP-Syndrom

Das HELLP-Syndrom wird oft als eine schwerwiegende Komplikation der Präeklampsie bezeichnet, bei der die Leberfunktion gestört ist. Mittlerweile ist allerdings bekannt, das das HELLP-Syndrom auch ohne vorhergehende Präeklampsie-Erkrankung auftreten kann. Mehr Informationen dazu haben wir in diesem Artikel für Sie zusammengestellt:

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von Nicole Metz