Schwangerschaftsdermatose - Juckreiz in der Schwangerschaft

Dermatosen sind Hautkrankheiten. Einige Arten kommen nur in der Schwangerschaft vor. Was ist der Auslöser, und was kann ich dagegen tun?

Mit Beginn einer Schwangerschaft ändert sich der Hormonhaushalt im Körper. Bei vielen Frauen geht das einher mit größeren Hautveränderungen wie Schwangerschaftstreifen, Gefäßveränderungen oder stärkerer Pigmentierung, also dunkler Flecken, vor allem im Gesicht. Neben solchen Veränderungen der Haut kann es bei manchen Frauen aber auch zu richtigen Erkrankungen der Haut kommen, so genannten Schwangerschaftsdermatosen. Das Erfreuliche: Sie treten nur in der Schwangerschaft auf und heilen danach wieder ab. Das Unangenehme aber: Sie jucken – und das manchmal ziemlich heftig.

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Was tun, wenn´s in der Schwangerschaft juckt?


Schwangerschaftsdermatosen – häufige Hautkrankheiten während der Schwangerschaft

Man unterscheidet verschiedene Arten von Schwangerschaftsdermatosen: die atopische und die polymorphe Schwangerschaftsdermatose sowie das Pemphigoid gestationis. Außerdem gibt es noch die Intrahepatische Schwangerschaftscholestase und die Schwangerschaftsakne. Eines haben alle diese unaussprechlichen Krankheiten gemeinsam: einen äußerst unangenehmen und sehr starken Juckreiz. Doch es gibt ein paar lindernde Mittel.

1.Atopische Schwangerschaftsdermatose
Die häufigste Hautkrankheit während der Schwangerschaft zeigt sich in stark juckenden Hautrötungen und Knötchen. Sie tritt vor allem bei Frauen auf, die eine genetisch bedingte Veranlagung für Neurodermitis, Heuschnupfen oder allergisches Asthma haben. Die Symptome können unterschiedlich sein und zeigen sich zumeist schon im ersten oder zweiten Schwangerschaftsdrittel. Es sind zum einen flächige Rötungen an Gesicht, Hals, Dekolleté, Ellenbeugen und Kniekehlen. Manchmal können es aber auch hautfarbene oder leicht gerötete Knötchen sein, wenige Millimeter klein, über Oberkörper, Arme und Beine verteilt. Oder die Knötchen entstehen an Rücken, Armen und Beinen und werden bis zu einem Zentimeter groß. Frauen, die einmal eine atopische Schwangerschaftsdermatose hatten, werden bei einer nächsten Schwangerschaft ziemlich sicher wieder darunter leiden müssen. Die Gesundheit des ungeborenen Kindes ist dabei nicht gefährdet. Die Veranlagung wird jedoch an die nächste Generation weitergegeben. Das Kind hat daher ein erhöhtes Risiko, später ebenfalls unter allergischen Krankheiten zu leiden.

2. Polymorphe Schwangerschaftsdermatose (PUPPP)Die abkürzenden Buchstaben erklären auf Englisch das Erscheinungsbild dieser Hautkrankheit: Pruritic Urticarial Papules and Plaques of Pregnancy, also "juckende quaddelartige Knötchen und Plaques in der Schwangerschaft". Auch das ist eine sehr stark juckende Hautkrankheit, die jedoch erst in den letzten Wochen der Schwangerschaft aufkommt. Typischerweise bekommen diese Hautkrankheit vor allem Erstgebärende, aber auch Frauen, die Zwillinge oder Drillinge erwarten sowie Frauen, die in der Schwangerschaft sehr stark zugenommen haben. Daher wird vermutet, dass die Überdehnung der Haut das Bindegewebe schädigt, worauf das Immunsystem mit einer Entzündung reagiert. Die juckenden Knötchen entstehen genau an diesen Stellen auch zuerst, nämlich innerhalb der Dehnungsstreifen. Eine Gefährdung für Mutter und Kind besteht nicht. Ungefähr vier bis sechs Wochen nach der Geburt verschwinden die Symptome wieder. Erfreulich hierbei: Anders als die atopische tritt die polymorphe Schwangerschaftsdermatose bei weiteren Schwangerschaften nicht wieder auf.

3.Pemphigoid gestationis (PG), früher auch Herpes gestationis
Auch wenn das Wort Herpes im älteren Krankheitsnamen auftaucht: Diese Schwangerschaftsdermatose wird nicht von Herpesviren ausgelöst. Es ist eine Autoimmunkrankheit, bei der sich Eiweißstoffe des Immunsystems gegen körpereigene Substanzen richten. Es beginnt mit stark juckenden, quaddelartig angeschwollenen Rötungen, geröteten Knötchen und flachen Knoten. Zuerst treten sie am Bauch auf,vor allem in der Nabelregion, und breiten sich dann auf den gesamten Körper aus. Typisch für Pemphigoid gestationis ist, dass sich das Krankheitsbild meistens erst in der Spätschwangerschaft zeigt, seltener auch schon in einem früheren Stadium. Unmittelbar nach der Entbindung verschlimmert sich dann die Erkrankung in der Regel noch einmal, um dann in den folgenden Wochen bis Monaten selbstständig abzuheilen. Langfristig sollte eine betroffene Frau auf hormonelle Verhütungsmethoden wie die Anti-Baby-Pille verzichten, denn weibliche Hormone können einen neuen Krankheitsschub auslösen. Besonders wichtig ist eine permanente Überwachung der Schwangerschaft. Pemphigoid gestationis erhöht das Risiko von Frühgeburten, Untergewicht des Kindes und Plazetainsuffizienz.
4.Intrahepatische Schwangerschaftscholestase
Ebenfalls im letzten Schwangerschaftsdrittel kann die intrahepatische Schwangerschaftscholestase auftreten. Sie wird hervorgerufen durch ein vorübergehendes vermindertes Ausscheiden von Gallensäure, zum Beispiel durch einen Gallenstein. Auch diese Erkrankung äußert sich mit sehr starkem Juckreiz, beginnend an den Innenflächen von Händen und Fußsohlen, der sich dann über den ganzen Körper ausbreitet. Es zeigen sich kleine Hautveränderungen, starke Rötungen, oder Pusteln. Der Juckreiz wird dabei oft so stark, dass manche Frauen sich blutig kratzen und nicht mehr richtig schlafen können. Was die intrahepatische Schwangerschaftscholestase gefährlicher macht als eine Schwangerschaftsdermatose ist, dass die Gallensäuren in den Blutkreislauf des ungeborenen Kindes übergehen. Das Risiko einer Frühgeburt erhöht sich, und für das Baby kann die Erkrankung lebensgefährlich sein. Deshalb die dringende Empfehlung: Solltest du während der Schwangerschaft starken Juckreiz bekommen, dann lass unbedingt sofort beim Arzt deine Leberwerte und die Serumgallensäure bestimmen, damit der Verdacht einer die intrahepatische Schwangerschaftscholestase ausgeschlossen werden kann. In Europa betrifft die Schwangerschaftscholestase weniger als 1% der Schwangeren. Woher die intrahepatische Schwangerschaftscholestase kommt, ist noch nicht gänzlich erforscht. Man weiß aber, dass das Risiko genetisch vererbt wird.

5. Schwangerschaftsakne
Sie ist die harmloseste der Schwangerschafts-Hauterkrankungen. Die Auswirkungen der Hormonumstellung während einer Schwangerschaft zeigen sich in der Haut entweder durch besondere Trockenheit, oder durch das Gegenteil. Dann verstopfen die Talgdrüsen, und es entwickelt sich eine Form der Akne, die man als Schwangerschaftsakne kennt. Die Schwangerschaftsakne ist ungefährlich, und mit dem Absinken der Hormone nach der Geburt verschwindet sie wieder.
Noch einmal zur Erinnerung, weil es sehr wichtig ist: Wenn du glaubst, eine dieser Hautkrankheiten zu haben, solltest du dringlichst mit deinem Arzt sprechen. Empfiehlt er eine Behandlung, so besprich dich ausführlich mit ihm, welche Therapie bei dir sinnvoll ist, und welche eventuellen Nebenwirkungen auftreten können. Zum Beispiel, ob eine Cortisonsalbe hilfreich sein kann. Cortison ist ein körpereigenes Hormon aus der Nebennierenrinde und in der Schwangerschaft nicht grundsätzlich verboten. Äußerlich angewendet gelangt es nicht in die Blutbahn, kann daher das Baby nicht schädigen.
Tipps bei juckender Haut in der Schwangerschaft:

• lieber kurz duschen als ausgiebig baden
• nicht zu heiß, um die Haut nicht auszutrocknen
• milde, medizinische Waschlotion oder rückfettendes Duschgel verwenden
• nach dem Duschen die Haut mit rückfettender Salbe oder Creme einreiben
• mit Schwangerschaftsöl einreiben
• mit Essigwasser abreiben (Apfelessig 1:1 mit Wasser mischen)
• leichtes Bürsten mit einer Massagebürste
• kalte Quarkwickel
• ausgewogen und säurearm ernähren
• keine fetten Speisen
• viel trinken, vor allem Schwangerschaftstee (schwemmt Giftstoffe aus)
• leichte, weiche Kleidung, die nicht reibt
• kein psychischer und physischer Stress

Also wenn es juckt in der Schwangerschaft und sich hässliche Knötchen oder Pusteln bilden musst du nicht gleich das Schlimmste befürchten. Mit Ausnahme der intrahepatischen Schwangerschaftscholestase sind die Schwangerschaftsdermatosen zwar äußerst unangenehm, aber zum Glück ungefährlich – und sie verschwinden erfreulicherweise auch wieder ganz von allein.

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